Menü
Dresdner Neueste Nachrichten | Ihre Zeitung aus Dresden
Anmelden
Medien Dieter Hallervorden im Interview: „Ich will und ich kann!“
Nachrichten Medien Dieter Hallervorden im Interview: „Ich will und ich kann!“
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
10:35 09.05.2019
Trixi (Alwara Höfels) bringt Hintz (Dieter Hallervorden) Frühstück. Eine Geste, die er nicht zu schätzen weiß. Quelle: ZDF/Conny Klein
Hannover

Dieter Hallervorden (83) galt dank „Nonstop Nonsens“ (1975 bis 1980) und Kinokomödien wie „Ach du lieber Harry“ (1981) und der „Didi“-Reihe (1984 bis 1988) stets als Komiker. In dem Drama „Sein letztes Rennen“, dessen Hauptfigur dem drögen Alltag im Seniorenheim davonläuft, durfte der Komödiant 2013 endlich beweisen, dass er auch anders kann. Der Kinoerfolg „Honig im Kopf“ (2014) bescherte ihm endgültig einen dritten Frühling als Schauspieler. Es folgten weitere ernst zu nehmende Rollen in Fernseh- und Kinokomödien wie „Chuzpe“ (2015) oder „Ostfriesisch für Anfänger“ (2016). Am 9. Mai zeigt das ZDF „Mein Freund, das Ekel“ (20.15 Uhr). Hallervorden spielt in der Tragikomödie einen pensionierten Lehrer, der seine Berliner Altbauwohnung nicht ganz freiwillig mit einer alleinerziehenden Mutter (Alwara Höfels) und ihren drei Kindern teilen muss. Das ZDF ist für eine Fortsetzung offen.

Mehr zum Thema:
„Ostfriesisch für Anfänger“: Dieter Hallervorden macht auf Integration

Herr Hallervorden, warum mussten Sie erst ein alter Mann werden, um als ernsthafter Schauspieler entdeckt zu werden?

Ich wusste schon auf der Schauspielschule, dass ich das Zeug hatte, dramatische Rollen zu spielen, aber in der Film- und Fernsehbranche herrscht ein ausgeprägtes Schubladendenken. Redaktionen und Regisseure sind nur selten bereit, eine Rolle auch mal gegen den Strich zu besetzen. Erst Kilian Riedhof hat erkannt, dass hinter meinen Darbietungen mehr steckt als „nur“ Slapstick. Er hat mir mit seinem Film „Sein letztes Rennen“ den Einstieg in eine Karriere ermöglicht, die mir viele Leute nicht zugetraut haben. Wobei ich dazusagen muss: Es war mir immer am wichtigsten, dass die Zuschauer mir die Treue halten.

Sind Sie bei der Auswahl Ihrer Rollen noch zu Kompromissen bereit?

Mit zunehmendem Alter immer weniger. Ich muss zum Glück nicht mehr arbeiten. Ich spiele also nicht des Geldes wegen, sondern weil es mir Spaß macht. Deshalb nehme ich prinzipiell nur noch Angebote an, bei denen ich weiß: Wenn der Film ausgestrahlt wird, muss ich mich nicht ins Ausland verdrücken.

Hintz ist nach einem Schlaganfall halbseitig gelähmt. Wie erarbeiten Sie sich so eine Rolle?

Fleiß ist die Basis von allem, deshalb bereite ich mich stets akribisch vor. Ich habe präzise Vorstellungen, wie die Arbeit der Maskenbildnerin aussehen soll, wie ich den Rest meines verbliebenen Haares tragen will und welche Mittel ich einsetze, um eine Figur authentisch zu gestalten. Das ist womöglich das Wichtigste, denn wenn die Zuschauer das Gefühl haben, das ist alles nur oberflächlich gespielt, wird es sie nicht berühren. Um die Seele des Publikums zu erreichen, muss man so ehrlich wie möglich sein.

Sie sind 83. Werden Dreharbeiten nicht langsam zu anstrengend?

Im Gegenteil, und das nicht nur, weil ich Spaß an der Arbeit habe, schließlich habe ich mein Hobby zum Beruf gemacht. Ich leite seit 60 Jahren das Kabaretttheater Die Wühlmäuse und seit zehn Jahren das Berliner Schlosspark-Theater. Ich gestalte den Spielplan mit 70 Vorstellungen im Jahr, und das heißt: Stücke lesen, über Rechte verhandeln, die Rollen besetzen und den richtigen Regisseur finden. Dreharbeiten sind für mich wie Urlaub.

Eine gute Gesundheit hilft sicher auch. Sie wirken sehr fit, was tun Sie dafür?

Ich beginne jeden Tag mit einer Stunde Sport, mit Trimmradfahren und Schwimmen, anschließend Sauna und Magnetfeldtherapie; das hilft, dem Verschleiß vorzubeugen. Genauso wichtig ist eine positive Grundeinstellung, getreu meinem Lebensmotto „Immer mindestens einmal mehr aufstehen als hinfallen“. Niemals aufgeben, die einmal gesteckten Ziele hartnäckig verfolgen, sich immer vor Augen halten: Ich will und ich kann!

Mussten Sie oft wieder aufstehen?

Jedenfalls öfter, als mir lieb war. Ich hatte jahrzehntelang mit Kritikern zu tun, die mir ständig Knüppel zwischen die Beine geworfen haben. Die Narben sind zwar inzwischen verheilt, aber ich habe nicht vergessen, dass ich verbal ziemlich oft zu Boden gestoßen worden bin.

Und plötzlich werden Sie als ernst zu nehmender Schauspieler gefeiert. Hat Sie das mit Genugtuung erfüllt?

Wenn man so lange abgewatscht worden ist, und plötzlich ergehen sich die gleichen Publikationen in Lobeshymnen: Dann darf man guten Gewissens ein wenig Genugtuung empfinden. Glücklicherweise habe ich die große Begabung, Lob und Anerkennung in unbegrenztem Maß ertragen zu können. Aber meine Hoffnung war ohnehin stets, dass die Projekte, die mir große Freude bereitet haben, auch den Zuschauern Spaß machen, und das hat meistens funktioniert. Außerdem wird gern übersehen, dass es viel schwerer ist, die Menschen zum Lachen zu bringen, als eine tragische Figur zu verkörpern.

Von Tilmann P. Gangloff / RND

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 23:00 und 06:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!
Medien „Mehr geht in Bremen nicht“ - Ex-„Tatort“-Kommissarin Sabine Postel wird 65

Die Bremer sehen Schauspielerin Sabine Postel als eine von ihnen an. Schließlich ermittelte die Schauspielerin zwei Jahrzehnte als „Tatort“-Kommissarin für Radio Bremen. Tatsächlich ist sie gebürtige Niedersächsin und Wahl-Kölnerin. Am 10. Mai wird sie 65.

09.05.2019

Zwei Moderatoren des „Frühstücksfernsehens“ (SAT.1) haben sich über die Hochzeit des thailändischen Königs lustig gemacht. Nun hat sich der TV-Sender offiziell entschuldigt.

08.05.2019

Zwei Wochen vor dem Finale von „Germany’s Next Topmodel“ wartet Heidi Klum mit einem Supermodel der Sonderklasse auf: Naomi Campbell soll den letzten sieben Kandidatinnen der Pro7-Show Beine machen - und macht sie erstmal alle sprachlos.

08.05.2019