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Medien & TV Wer ist Favorit? Und wo landen die Deutschen? Alle 26 ESC-Finalisten im Schnellcheck
Nachrichten Medien & TV Wer ist Favorit? Und wo landen die Deutschen? Alle 26 ESC-Finalisten im Schnellcheck
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18:15 18.05.2019
Das deutsche Duo S!sters dürfte keine Siegchancen beim ESC haben. Quelle: imago images / ITAR-TASS
Tel Aviv

Millionen Fans weltweit fiebern mit: Musiker aus 26 Ländern treten am Samstagabend beim Eurovision Song Contest in Tel Aviv gegeneinander an. Deutschland ist durch Laurita Spinelli aus Wiesbaden und Carlotta Truman aus Hannover vertreten. Sie präsentieren als Duo S!sters den Song „Sister“. Das Erste überträgt die Show ab 21 Uhr. Doch wer sind die Favoriten? Und wer wird am Ende mit den wenigsten Punkten nach Hause fahren? All Teilnehmer im Kandidaten-Schnellcheck:

Mehr zum Thema: ARD-Kommentator Peter Urban: Das sind meine ESC-Favoriten

1. Malta

Michela mit „Chameleon“

Die 18-jährige Studentin von der kleinen maltesischen Insel Gozo zwirbelt sich zu Beginn keck am Zopf, aber so richtig kommt ihr buntes Mädchenmärchen nicht in die Gänge. Ein schnell vergessener Popschlager.

Klingt wie... „Karma, karma, karma, karma, karma chameleon“ von Culture Club. Aber nur im Text. Der Rest klingt unlocker.

Top-Ten-Chancen: Nicht auszuschließen.

2. Albanien

Jonida Maliqi mit „Ktheju tokës“

Die 36-jährige Dramaqueen Jonida singt in einem sehr folkloristischen Kleid die Zeile „Kehre zurück in dein Land“ auf Albanisch. Das ist mutig, kostet offensichtlich viel Kraft und hat sie ins Finale gebracht.

Jonida Maliqi. Quelle: imago images / ITAR-TASSimago images / ITAR-TASS

Klingt wie... eine Kampfsportarie, die außerhalb des traditionellen Kulturkreises auf wenig Akzeptanz stoßen wird.

Top-Ten-Chancen: Kurz gesagt: Nein.

Das ESC-Finale live im TV und Livestream

3. Tschechische Republik

Lake Malawi mit „Friend of a Friend”

Die Indie-Popband Lake Malawi setzt musikalisch auf den Charme eines sommerlichen Ohrwurms („Friend of a friend of a friend of a friend...“), gehört zu den Favoriten der deutschen Sisters und erinnert bei der Inszenierung an Selbstgedrehtes. Nicht zum Rauchen, sondern Handyvideos.

Klingt wie... der funky Vorspann zu einer Achtzigerjahre-Teenie-Fernsehserie mit sehr großen Schulterpolstern und fliederfarbenen Fahrrädern.

Top-Ten-Chancen: Aber hallo.

4. Deutschland

S!sters mit „Sister”

Startplatz vier ist natürlich hart. Aber auch auf Startplatz 22 hätten es Carlotta Truman und Laurita Spinelli alias Laura Kästel schwer. Die Inszenierung ihrer Sisterhood-Powerballade bleibt einfach nicht hängen.

S!sters aus Deutschland. Quelle: Antti Aimo-Koivisto/Lehtikuva/dp

Klingt wie... ein stark gesungenes Duett, das zu düster und schwerblütig inszeniert ist.

Top-Ten-Chancen: Bedauerlicherweise nicht. So ehrlich muss man sein.

Mehr zum Thema: Das ESC-Tagebuch, Teil 5: Das Phantom von Tel Aviv – Wo steckt Madonna?

5. Russland

Sergey Lazarev mit „Scream”

Der ESC-Wiederholungstäter wurde 2016 trotz offensiver Siegessicherheit nur Dritter – und war so geschockt und beleidigt wie Hillary Clinton nach der US-Wahl. Diesmal fährt er alles auf, was die ESC-Trickkiste hergibt. Es fehlt nur ein Eiskunstläufer. Er gibt sich inzwischen bescheidener, aber man spürt in jeder Sekunde: Wenn der nicht gewinnt, explodiert er. Mehr dazu dann in der „Tagesschau“.

Klingt wie... ein Mann, der Musik macht, um zu gewinnen. Nicht, um Musik zu machen.

Top-Ten-Chancen: Ja.

6. Dänemark

Leonora mit „Love Is Forever”

Ein zuckersüßes Sommerliedlein, vorgetragen auf einem sehr hohen Möbelstück. Leider singt Leonora so schüchtern, als könnte sie jederzeit mitten im Lied einfach aufhören und weggehen. Bringt dann auch nichts, wenn 20-Jährige mit baumelnden Beinen auf Kindergartenkind machen.

Klingt wie... eine tapfere Dänin, für die diese Bühne eine Kragenweite zu groß ist.

Top-Ten-Chancen: Nein, eher nicht.

7. San Marino

Serhat mit „Say Na Na Na”

Textlich ist gegen „Na Na Na“ nananatürlich nichts zu sagen. Wer wollte da widersprechen? Serhat wirkt mit seinen 54 Jahren und seiner rauchigen Stimme wie ein erfahrener Hotelcasinosänger, der sich jahrelang in Whiskey und Zigaretten bezahlen ließ.

Klingt wie... eine Mischung aus Bee Gees und Modern Talking.

Top-Ten-Chancen: Eher friert das Mittelmeer zu.

8. Nordmazedonien

Tamara Todevska mit „Proud”

„Proud“ kann sie wirklich sein, denn mit einem Finaleinzug hat Nordmazedonien nicht ernsthaft gerechnet. Es ist der erste seit 2012. Aber so eine klassische Ballade fällt halt auf im trashigen Angebot des Jahrgangs 2019. Und wir müssen uns verabschieden von einem ESC-Klassiker des Moderatorenwesens – der „Formerjugoslavrepublicofmacedonia“. Die gibt’s nicht mehr.

Klingt wie... jemand, der dreißigmal zu oft „Celine Dion“ gegoogelt hat.

Top-Ten-Chancen: Eher mittleres Mittelfeld. Also: in der Mitte. Zwischen oben und unten.

9. Schweden

John Lundvik mit „Too Late for Love”

Schweden kann immer gewinnen, aber das hier ist doch ziemlich plumper Muckibuden-Pop, vorgetragen von einem Stammkunden.

John Lundvik startet für Schweden. Quelle: imago images / ZUMA Pressimago images / ZUMA Press

Klingt wie... ein schwedischer ESC-Beitrag

Top-Ten-Chancen: Immer.

10. Slowenien

Zala Kralj & Gašper Šantl mit „Sebi”

Gott, was sind die beiden herrlich verknallt. Sie guckt, als wolle sie ihn auffressen. Und er guckt, als wolle er einfach in Ruhe Gitarre spielen. Ein sehr – um es positiv auszudrücken – unaufgeregtes Duett, bei dem es um das eigene Ich (Sebi) geht. „Du kannst nicht immer die Sterne sehen. Bleib einfach dir selbst treu / Hör auf, dich bei mir zu entschuldigen“, heißt es im Refrain. Ein guter Anfang für eine Beziehung.

Klingt wie... Elektropop ohne Ecken und Kanten.

Top-Ten-Chancen: Wenn dem Kontinent im Soundgewitter nach Ruhe sein sollte: gewiss.

11. Zypern

Tamta mit „Replay

Ist das nicht...? Nein, das ist noch nicht Madonna. Das ist Tamta (38), im benachbarten Griechenland ein Superstar. Die Overknee-Lackstiefel sind eine Nummer zu dick, aber Sex sells. Und nicht verpassen: Trickkleid galore!

Klingt wie... ein Song in einer portugiesischen Feriendisco an der Algarveküste nachts um vier, bei dem keiner tanzt.

Top-Ten-Chancen: Eher keine.

12. Niederlande

Duncan Laurence mit „Arcade”

Der 25-Jährige hat sich zum Favoriten gemausert – mit einer gefühligen Klavierballade, bei der es gegen Ende direkt ein paar Tränen gab im traditionell nah am Wasser gebauten ESC-Stammpublikum. Es wäre der fünfte Eurovisionssieg für die Niederlande.

Klingt wie... ein frischer, moderner Balladeur mit starker Stimme und glaubwürdigem Auftreten.

Top-Ten-Chancen: Top-One-Chancen!

13. Griechenland

Katerine Duska mit „Better Love”

Manchen erinnert die dunkle Stimme der 29-Jährigen an Amy Winehouse. Die rätselhafte Inszenierung mit Spitzenkleidchen und Degenquatsch nimmt dem Song freilich Wucht.

Klingt wie... Lana Del Ray in Disneyland

Top-Ten-Chancen: Eher nein.

14. Israel

Kobi Marimi mit „Home”

Heimspiel für den 27-jährigen Grübler Kobi, dem sie zu Füßen liegen in seiner Heimat. Er ist nach dem israelischen Sieg der Quietschkugel Netta vor einem Jahr nun das genaue Gegenteil: leise, geerdet, tiefsinnig. Aber auch ein bisschen langweiliger.

Klingt wie... ein sehr ernstgemeintes Lied, bei dem selbst Zeilen wie „Counting down the minutes from the ticking clock“ mit dem Pathos einer Weihnachtsmesse vorgetragen werden.

Top-Ten-Chancen: Sorry, sicher nicht, der Heimvorteil zählt nicht viel beim ESC.

15. Norwegen

KeiiNO mit „Spirit in the Sky”

Die norwegische Band singt über am Himmel tanzende Nordlichter. Es wird sich niemand finden, der Nordlichter doof findet. Aber der Refrain ist dermaßen plump geklaut vom finnischen ESC-Beitrag „Monsters“ von 2018, dass man als norwegischer Fan die Götter der Eurovision um Vergebung anflehen muss.

Klingt wie... der finnische ESC-Beitrag „Monsters“ von 2018.

Top-Ten-Chancen: Ja. Trotzdem.

16. England

Michael Rice mit „Bigger than Us”

Freundlich und etwas verpaddelt ist der Herr Rice, ein 21-jähriger, castingshowgestählter Sympathieträger, der immer ein bisschen wirkt wie Wayne Rooneys schüchterner Cousin. Sein Song soll dem gebeutelten Königreich helfen, ein trauriges Jubiläum vergessen zu machen: Es ist genau zehn Jahre her, dass ein UK-Beitrag zuletzt beim ESC in die Top Ten kam (für Nerds: das war Jade mit „My Time“).

Michael Rice startet für England, Quelle: imago images / ITAR-TASSimago images / ITAR-TASS

Klingt wie... Formatradiomurks ohne jede musikalische Idee.

Top-Ten-Chancen: Niemals. Im Leben nicht. Sorry, England.

17. Island

Hatari mit „Hatrið mun sigra”

Was genau das sein soll, was die isländische Band Hatari da macht, bleibt unklar. Die Hardcore-Klänge haben etwas Faszinierendes an sich, das freilich von der kindischen Inszenierung komplett zerstört wird. Hämmer, Stahlkugel, Funkenflug. Sieht alles in allem aus, als würde Rammstein nach einem Konzert wieder zusammengeflickt. Aber es hat seine Freunde gefunden.

Klingt wie... eine koffeinfreie Nachbildung eines Liedes, das klingen will wie ein Rammstein-Lied. Lordi hatten wenigstens noch Humor.

Top-Ten-Chancen: Nicht auszuschließen, weil es heftig auffällt.

18. Estland

Victor Crone mit „Storm”

Erstaunlich: ein Mann mit Gitarre, der ein Lied singt. Eine Seltenheit beim ESC 2019. Nach hinten raus nimmt die Sache freilich Fahrt auf, und weg ist die Gitarre. Leider sitzen die hohen Töne nicht immer astrein.

Klingt wie... Eine Folkballade, die Elektropop werden will, wenn sie groß ist.

Top-Ten-Chancen: Leider nein.

19. Weißrussland

Zena mit „Like It”

Britney, bitch! Das sieht schon sehr nach Mrs. Spears aus, was die 16-jährige Zena da abliefert. Aber gesanglich hält sie nicht mit. Das macht sie mit holzhammerartigem Lolitacharme wett, aber die Popowackelei ist derartig aufgesetzt, dass man dann doch wieder auf den Song hört. Und der kann nichts. Wirklich nicht. Lebloser Drumcomputerbums.

Klingt wie... ein weißrussischer ESC-Beitrag.

Top-Ten-Chancen: Nein.

20. Aserbaidschan

Chingiz mit „Truth”

Der 28-jährige Chingiz singt über eine Trennung, inklusive „Shut up!“. Das wird optisch garniert mit 3-D-Drucker, Roboterarmen und Laserspielereien. Eiskalte Zeitgeistausbeutung war bisher das Sujet von Ralph Siegel. Aber der Song ist nicht unelegant.

Klingt wie... Elektropop mit Kopfstimme für Leute, die Elektropop mit Kopfstimme mögen.

Top-Ten-Chancen: Ja. Aserbaidschan muss man immer auf dem Zettel haben.

21. Frankreich

Bilal Hassani mit „Roi”

Bilal Hassini (19), schwuler Sohn marokkanischer Einwanderer, der sich gern feminin gibt und vielerlei heftige Anfeindungen aushalten muss, wirbt für Vielfalt und Vorurteilslosigkeit – auch mit einer übergewichtigen Ballerina, die sich phantastisch bewegt und ein großartiges Vorbild ist. Aber dann kommt auch noch eine blinde Tänzerin. Und irgendwann wird die Sache zu einem Holzhammerappell an die Toleranz. Bilal meint es gut, reitet aber zu offensichtlich auf der Conchita-Wurst-Welle.

Klingt wie... praktisch 80 Prozent der französischen ESC-Beiträge der letzten 15 Jahre: eine schwerblütige Ballade.

Top-Ten-Chancen: Ja. Wenn er einen guten Tag erwischt.

22. Italien

Mahmood mit „Soldi”

Lange gehörte der Italiener mit ägyptischen Wurzeln zu den Topfavoriten, zuletzt rutschte er ein bisschen im Wettranking, aber Mahmood kann das hier immer noch gewinnen. Der italienische Innenminister Matteo Salvini war sich nicht zu blöd, über den Sieg Mahmoods beim Songfestival von San Remo zu zürnen („Der Falsche hat gewonnen“). Sein Song beschreibt cool und mit sanfter Stimme ein schwieriges Vater-Sohn-Verhältnis.

Klingt wie... ein Ohrwurm.

Top-Ten-Chancen: Ja.

23. Serbien

Nevena Božović mit „Kruna”

Die 24-jährige Serbin Nevena trat bereits 2013 beim ESC in Malmö für Serbien an, kam aber nicht ins Finale. Dass es diesmal klappte, war eine Erlösung für sie. Ihr Song ist eine konventionelle Powerballade nach alter Väter Sitte, vorgetragen in Landessprache.

Nevena Bozovic. Quelle: imago images / ITAR-TASSimago images / ITAR-TASS

Klingt wie... ein Lied für Traditionalisten, die sich an heimischem Idiom und solidem Sangeswerk erfreuen.

Top-Ten-Chancen: Nein.

24. Schweiz

Luca Hänni mit „She Got Me”

Die Schweiz hat jahrelang Nieten gezogen, ihr Misserfolg beim ESC ist sprichwörtlich wie der deutsche – bloß das sie eben meist im Halbfinale hängenblieb. Diesmal wird sie sicher in die Top Ten kommen. Luca Hänni, als Milchgesicht noch „DSDS“-Gewinner in Deutschland, ist zum Justin Timberlake der Alpen gereift. Sein Partysong in blutroter Kulisse ist feinstes ESC-Material.

Klingt wie... schwedischer Eurodancepop

Top-Ten-Chancen: Top-Drei-Chancen!

25. Australien

Kate Miller-Heidke mit „Zero Gravity”

Die musikalische Grenzgängerin aus dem ESC-verrückten Australien, das seit 2016 regulär teilnimmt, verbindet Oper mit Pop und hochwertigem Blödsinn. So schwanken die Eiskönigin Kate und ihre beiden Mitstreiterinnen zu einer Art Königin-der-Nacht-Arie auf langen Stangen hin und her. Das sieht im Fernsehen aus wie ein Trick, ist aber echt. Eine famose Inszenierungsidee, die trotz ihrer suizidalen Sinnlosigkeit Spaß macht. Sollte Kate Miller-Heidke gewinnen, zieht der ESC-Tross übrigens nicht nach Australien. Stattdessen würde ein europäisches Land einspringen. Ja, auch Deutschland stünde dann auf der sehr kurzen Liste. Das kostet ja auch alles.

Klingt wie... Disney auf Drogen.

Top-Ten-Chancen: Selbstverständlich. Mut will belohnt sein.

26. Spanien

Miki mit „La Venda”

Der 23-jährige Mika feiert zum Abschluss eine Fiesta, braucht dafür aber so viele Requisiten, dass es wirkt, als vertraue er seinem Song nicht. Dieser ist herkömmliches spanisches Discomaterial aus der „Despacito“-„Fuego“-„Senorita“-Familie.

Klingt wie... die B-Seite eines Sommerhits

Top-Ten-Chancen: No no never.

Von Imre Grimm/RND

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