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Medien & TV „Tatort” heute aus Stuttgart: Unsere Kritik zu „Hüter der Schwelle“
Nachrichten Medien & TV „Tatort” heute aus Stuttgart: Unsere Kritik zu „Hüter der Schwelle“
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09:14 29.09.2019
Müssen da schonmal beide Augen zukneifen: Die Stuttgarter Ermittler Sebastian Bootz (Felix Klare, li.) und Thorsten Lannert (Richy Müller) treffen am hoch gelegenen Tatort ein. Quelle: SWR/Benoît Lindner
Stuttgart

Auf den Stuttgarter „Tatort“ war zuletzt Verlass. Die Fälle der Kommissare Thorsten Lannert (Richy Müller) und Sebastian Bootz (Felix Klare) zählten seit „Stau“ (2017) und zuletzt „Anne und der Tod“ stets zu den sehenswertesten Beiträgen dieser Krimireihe.

Umso größer ist nun die Enttäuschung über „Hüter der Schwelle“, ein Film, der leider ziemlicher Mumpitz ist. Oder anders ausgedrückt: Schwaben-Hokuspokus mit einer kleinen Prise von „Fight Club“. Das klingt zwar nach einer ungewöhnlichen Mischung, die allerdings überhaupt nicht stimmig ist – um es freundlich auszudrücken. Und dass dabei zum x-ten Mal in den letzten Jahren in einem „Tatort“ ein mutmaßlicher Ritualmord im Mittelpunkt steht, macht die Sache auch nicht gerade origineller oder gar spannender. Ganz im Gegenteil. Jedenfalls schaut anfangs alles nach einem rituellen Mord aus.

Der Stuttgarter „Tatort“: Kuddelmuddel und Klimbim

Die Leiche eines jungen Mannes wird mit okkulten Verletzungen auf einem abgelegenen Bergplateau bei Stuttgart gefunden. Seine Identität ist schnell ermittelt. Er war Student der Geschichte, stammte aus wohlhabendem Haus, seine Mutter (Victoria Trauttmansdorff) betreibt eine Müllentsorgungsfirma. Und offenbar interessierte er sich stark für okkulte Dinge. Eine erste Spur führt Lannert und Bootz daher schnell zu einem gewissen Emil Luxinger (André M. Hennicke), der sich selbst als Magier bezeichnet und in einem mit okkulten Klimbim vollgestopften Haus, einer Art Spukschloss in Schwaben, wohnt. Zudem sind seine Fingerabdrücke auf dem antiken Dolch, mit dem der Student getötet wurde.

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Den Kontakt zum Ermordeten gibt der selbsternannte Magieguru Luxinger auch zu. Der Dolch, erklärt er, sei ihm jedoch vom Studenten gestohlen worden, genau wie ein für ihn überaus wertvolles Buch. Daraufhin habe er ihn zwar als Strafe mit einem „Schadenszauber“ belegt, aber mit dem Mord habe er nichts zu tun. Und da magische Zaubersprüche nach dem deutschen Gesetz nicht strafbar sind, ohne Zweifel eine Gesetzeslücke, bringt dieses Geständnis die beiden Kommissare auch nicht weiter. Und auch andere Spuren verlaufen im Sand – obwohl das Gespräch mit einer Studentin (Saskia Rosendahl, „Werk ohne Autor“), mit der der Ermordete zuletzt Kontakt hatte, zumindest auf Bootz mentale Auswirkungen hat.

Humor? Wäre ja gefährlich

Sie weckt bei ihm nämlich sexuelle Fantasien, was ganz nebenbei beweist, dass auch deutsche Polizeibeamte nur Männer sind. Nun ja. Der Film selbst, der zumindest visuell ganz reizvoll in Szene gesetzt ist, begleitet nun die beiden Ermittler durch eine magische Welt, in der sie sich nur schwer zurechtfinden. Das könnte amüsant sein, wird aber ganz bierernst erzählt. Dabei stoßen die zwei auf seltsame okkulte Rituale, die für diese beiden bodenständigen Kommissare wirklich aus einer anderen Welt zu stammen scheinen.

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Und leider werden von Regisseur Piotr J. Lewandowski und Drehbuchautor Michael Glasauer dabei so viele Klischees bemüht, dass das wirklich auf keine irdische Kuhhaut passt. Noch wirrer sind die dazu aufgetischten Mythen und jenseitigen Fantasien, mit denen sie in den Gesprächen mit den Okkultisten konfrontiert werden.

Hexen und Seelenwanderung: Aus obskur wird absurd

So ist die Rede von Hexen und Hexenjägern vergangener Zeiten und vor allem von einer alten Fehde aus dem 17. Jahrhundert, die gleichsam mittels Seelenwanderung neu im Hier und Jetzt ausgetragen wird. Nur dass das einstige Opfer nun zum Täter und der einstige Täter zum Opfer wird. Und wer da als Zuschauer aufmerksam am Ball bleibt, der ist wirklich hart im Nehmen, ja, der besitzt tatsächlich Zauberkräfte.

Richtig schwach ist dann auch der Schluss. Obwohl der Fall längst geklärt ist, wird dann alles minutenlang und sogar mithilfe von Rückblenden noch einmal erläutert. Bis schließlich Lannert in seinen alten Porsche steigt, in die schwäbische Nacht davondüst, erleichtert diesen ganzen Hokuspokus endlich hinter sich zu lassen. Und dem keinesfalls von diesem magischen Krimi verzauberten Zuschauer geht es wahrscheinlich ganz ähnlich.

Von Ernst Corinth/RND

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