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Medien & TV „Tatort“-Autor Husmann: „Keine Verarsche der Schlagermusik“
Nachrichten Medien & TV „Tatort“-Autor Husmann: „Keine Verarsche der Schlagermusik“
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12:14 02.03.2016
Ralf Husmann Quelle: dpa
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Dresden wird nach über 15 Jahren wieder zur „Tatort-Stadt. Für ihren ersten Fall mit dem Titel „Auf einen Schlag“ ermitteln die hartnäckigen Kommissarinnen Karin Gorniak (Karin Hanczewski) und Henni Sieland (Alwara Höfels) als erstes weibliches Ermittlerduo der Krimireihe. Für witzige Dialoge sorgt Drehbuchautor und „Stromberg“-Erfinder Ralf Husmann. Der erste Fall spielt in der Welt der Volksmusik. „Mir war wichtig, dass wir keine Parodie und keine Verarsche der Schlagermusik machen, sondern dass wir versuchen, so nah wie möglich heranzukommen“, erklärte er im Interview mit der Deutschen Presse-Agentur.

Frage: Der erste Dresdner „Tatort“ spielt in der Welt der Volksmusik. Warum gerade in dieser Szene?

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Die Schlagerwelt und die Welt der Volksmusik bilden vielleicht den größtmöglichen Kontrast zu Brutalität, Blut, Gewalt und Leichen. Deswegen hat mich das gereizt. Volksmusik ist ja eine Welt, die davon lebt, Harmonie und Heiterkeit auszustrahlen. Ich fand es auch spannend - gerade weil es ein MDR-„Tatort“ ist - was der Sender dazu sagt. Schließlich steht der Sender ja auch für Schunkel-Shows. Die waren aber erstaunlich kooperativ und haben uns machen lassen. Wir durften sogar die Goldene Henne nutzen.

Es geht um schwule Volksmusiker - ist das so ungewöhnlich?

Für mich ist die Volksmusik und die Schlagerwelt - neben dem Profifußball - eine der wenigen Arenen, wo Schwulsein immer noch ein Thema ist. Es gibt ja wenige offen schwule Volksmusiker. Ich glaube in der Tat, das wäre problematisch für viele Fans. Das ist schon noch ein Verkaufsargument, wenn man behauptet, dort gibt es ein Stück heile Welt und klassische Gesellschaftsstruktur, die es in anderen Bereichen nicht mehr gibt. Die es auch in der Volksmusik eigentlich nicht mehr gibt. Das ist für mich der Hauptkonflikt.

Sie haben die Liedtexte für die Schlager selbst geschrieben?

Mir war wichtig, dass wir keine Parodie und keine Verarsche der Schlagermusik machen, sondern dass wir versuchen, so nah wie möglich an Volksmusik heranzukommen. Im Idealfall haben wir etwas kreiert, was auch wirklich funktionieren in der Volksmusik würde. Das Sachsenlied hat, denke ich, Ohrwurm-Potenzial.

Wo sehen Sie Ihren Film in der großen „Tatort“-Familie?

Wir haben versucht, einen humorvolleren „Tatort“ zu machen, ohne dass wir nun die Kollegen aus Münster rechts überholen wollen. Mir war wichtig, dass man die Gewalt und das Brutale, was der Film ja auch hat, durchaus ernst nehmen kann. Und dass auf der anderen Seite dennoch ironische und lustige Elemente drin sind - vielleicht ein bisschen anders als im klassischen Tatort. Das war eben der Versuch, eine eigene Farbe zu finden in dieser großen „Tatort“-Familie.

Ihr „Tatort“ hat das erste weibliche Ermittlerteam. Was ist das Besondere daran?

Ein rein weibliches Ermittlerteam, das fand ich spannend. Es ist nicht das Ziel, dass sie sich untereinander anzicken oder in eine Stutenbissigkeit verfallen. Es sind normale, durchschnittliche Frauen, die normale, durchschnittliche Probleme haben. Mir war es wichtig, dass sie überhaupt ein Privatleben haben. Das ist für viele Ermittlerfiguren ja eher ungewöhnlich. Die wollen auch mal nach Hause, die wollen auch mal Feierabend haben. Ich wollte ein bisschen Normalität in die Ermittlerfiguren bekommen - ohne dass es gleich langweilig wirkt.

Sie haben sich als Autor von „Stromberg“ einen Namen gemacht. Ist der „Tatort“ Ihr erster Ausflug ins Genre der Krimis?

Ich hab vor ein paar Jahren eine Serie gemacht, die „Dr. Psycho“ hieß. Das war der Versuch, Krimi mit Komödie zu kombinieren, ein paar Jahre vor „Mord mit Aussicht“ und ähnlichen Formaten. Insofern war der „Tatort“ für mich keine Premiere. Der „Tatort“ mit 90 Minuten hat aber schon noch mal eigene Anforderungen. Man muss den Fall ernst nehmen, damit sich am Ende, bei allem Humor, trotzdem Spannung ergibt. Das war, im Vergleich zu meinen bisherigen Projekten, wahrscheinlich die größte Veränderung. Aber man wächst ja mit seinen Herausforderungen.

Ralf Husmann, Jahrgang 1964, ist Drehbuchautor und Buchautor. Er schrieb unter anderem für Comedy-Produktionen wie „Die Harald Schmidt Show“ oder „Stromberg“.

dpa

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