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Medien & TV „Tagesschau“-Chef: Darum wurde nicht über den Mord in Offenburg berichtet
Nachrichten Medien & TV „Tagesschau“-Chef: Darum wurde nicht über den Mord in Offenburg berichtet
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11:01 20.08.2018
Am Freitag hat ein 26-jähriger Mann einen Hausarzt in einer Praxis erstochen. Quelle: Benedikt Spether/dpa
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Offenburg

Ein Fall, über den man berichten muss? Ein Mann hat am Freitag in Offenburg auf einen 51-jährigen Hausarzt eingestochen. Der Mediziner starb an seinen Verletzungen. Der Täter soll ein 26-jähriger Asylbewerber aus Somalia sein. Die „Tagesschau“ hat nicht über den Mord berichtet – und erntete dafür von Zuschauern Kritik. Nun hat sich Kai Gniffke, Chefredakteur von ARD-aktuell, im „Tagesschau“-Blog zu Wort gemeldet und das Warum erklärt.

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„Wir berichten in der Tagesschau über Dinge von gesellschaftlicher, nationaler oder internationaler Relevanz. Dinge, die für die Mehrzahl der rund 83 Millionen Deutschen von Bedeutung sind“, stellt Gniffke im „Tagesschau“-Blog klar. Dabei könne die Tagesschau nicht über jeden Mordfall berichten.

Sollten die Medien über einen Mordfall berichten, wenn es sich beim Tatverdächtigen um einen Asylbewerber handelt? Dies ist eine Frage, die Gniffke ebenfalls beantwortet: „Aus meiner Sicht sollten wir das dann tun, wenn Asylbewerber überproportional an Tötungsdelikten beteiligt wären. Das ist, soweit wir es recherchieren können, nicht der Fall. Deshalb haben wir uns gegen die Berichterstattung entschieden.“

Nach der Messerattacke hat die AfD zu einer Mahnwache aufgerufen

Am Samstag haben sich mehrere Hundert Menschen nach der Messerattacke zu Demonstrationen in Offenburg versammelt. Die AfD hatte zu einer Mahnwache aufgerufen. Sie fordert den Rücktritt von Oberbürgermeisterin Edith Schreiner (CDU). Die Linke Jugend hatte daraufhin eine Gegendemonstration angemeldet. Beide Seiten seien am Nachmittag auf dem Marktplatz in Offenburg zusammengetroffen – mit jeweils rund 300 Teilnehmern, sagte ein Polizeisprecher. Es sei friedlich geblieben.

Offenburgs Oberbürgermeisterin Edith Schreiner hatte nach der Tat zur Besonnenheit aufgerufen. „Dass das Tötungsdelikt in unmittelbarer Nähe die Offenburger Bürgerinnen und Bürger bewegt, ist nachvollziehbar und menschlich“, hatte Schreiner erklärt. „Doch gerade deshalb appelliere ich an die Offenburger Bürgerschaft, sich besonnen zu verhalten und von Pauschalisierungen abzusehen.“

Von RND/dpa/goe

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