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Medien & TV Tagebuch zur Flüchtlingsarbeit in Dresden
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19:05 21.12.2017
Kurz vor Weihnachten in Dresden in der Erstaufnahmeeinrichtung für Flüchtlinge, ein Kurs zur Erstorientierung. Julia Tsyntsar aus der Ukraine hält eine Stunde über Mobilität in Deutschland und Sachsens Staatsministerin für Gleichstellung und Integration Petra Köpping (2.v.l.) hospitiert Quelle: Dietrich Flechtner
Dresden

Im August 2015 kamen über Nacht mehr als tausend Flüchtlinge in das Aufnahmelager an der Bremer Straße in Dresden. Schräg gegenüber, auf dem stillgelegten Äußeren Matthäusfriedhof, begannen Leute, sich um sie zu kümmern. Initiator Stefan Mertenskötter, der frühere Leiter des Umweltzentrums, spricht von spontaner „Nachbarschaftshilfe“, ohne Programm, die dann zur Flüchtlingshilfe wurde: „Wir sind so reingewachsen.“

Gabriele Werner, von 1988 bis zum Eintritt ins Rentenalter 2009 Kustodin in der Gemäldegalerie Neue Meister, war von Anfang an dabei und hat Tagebuch darüber geführt. Diese bis Sommer 2017 reichenden Notizen hat sie jetzt als Buch veröffentlicht und es erstmals in der Unterkirche der Frauenkirche vorgestellt.

Im Mittelpunkt stehen die so genannten ABC-Tische: Sprachlernhilfe für Flüchtlinge, auch in Museen in der Altstadt. Ein Beispiel aus der Fülle ehrenamtlichen Engagements, aber ein ungewöhnliches. Das gibt diesen Aufzeichnungen etwas Besonderes: Im Albertinum lernen Männer aus Afghanistan erste Worte vor Gemälden deutscher Romantiker. Ein Bild von Ernst Ferdinand Oehme, das eine Wasserfläche zeigt, weckt traumatische Erinnerungen. Mit Händen und Füßen beschreibt ein Mann, wie sie von Schleusern vor der Küste aus dem Boot geworfen wurden, Kleinkinder ertranken. Man kann Abendland und deutsche Kultur auch vermitteln, statt um ihren Untergang zu fürchten.

Der Buchtitel „Jacobs Heimkehr nach dem Gelobten Lande“ ist der Titel eines Bildes, das Carl Gottfried Peschel 1845 malte. Das und die biblische Jakobs-Geschichte verbindet die Tagebuchschreiberin mit dem Schicksal des syrischen Flüchtlings Yakoop, über das wir das Meiste erfahren. Nach langer Zeit der Ungewissheit kann dessen Frau Maram ihm nach Dresden folgen, er sieht zum ersten Mal seine Tochter Maria.

Aus der anonymen Menge lernen wir Flüchtlinge mit ihren Namen und ihren Geschichten kennen. Wer sich ein differenziertes Bild davon machen will, was sich in den letzten zwei Jahren in Sachen Migration in Dresden getan hat, bekommt es hier. Es ist ein wichtiges Zeitdokument, das einlädt, die rosarote und die tiefschwarze Brille beiseite zu legen und die Vorgänge in all ihren Widersprüchen wahrzunehmen.

Die beeindruckende wie verblüffende Selbstorganisation der Helfer zum Beispiel: „Sie sind nicht bestellt, sie sind einfach da.“ Unter den Flüchtlingen sind Analphabeten, Männer, die sich Illusionen machen; aber auch qualifizierte, intelligente, hoch motivierte mit riesigem Lerneifer.

Gabriele Werner verschweigt nichts, nicht, dass anfangs keine Frauen kommen, dass manche Männer Höflichkeit und Pünktlichkeit vermissen lassen, es Zwist zwischen Afghanen und Syrern, Schiiten und Sunniten gibt, in einer Moschee fragwürdige Broschüren verteilt werden, die den Islam über Christentum und Rechtsstaat stellen. Sie notiert, wie sie einen Eritreer wegschickt, der ihr nur auf den Busen starrt, wie sie auf der Straße von einem betrunkenen Ausländer angepöbelt wird.

In den Behörden lernt sie korrekte Mitarbeiter kennen, aber auch unfreundliche. Die Flüchtlinge wursteln sich tapfer durch das Dickicht der Formulare, brüten über amtlichen Schreiben, deren Bürokratendeutsch selbst die Helferin nicht versteht. Sie amüsiert sich über Ratschläge aus dem Goethe-Institut, arabischen Männern auf den Gemälden keine nackten Frauen zu zeigen.

Die Helfer handeln nach einem klaren Grundsatz. Statt auf Hautfarbe oder Religion zu achten, fragen sie: „Was willst du beitragen zur Gemeinschaft mit uns?“ Dies und ihre Erfahrungen, zu denen auch Unlösbares und Konflikte gehören, helfen uns, ein illusionsfreies Verhältnis zu Migranten zu finden.

Gabriele Werners Fazit jedenfalls macht sich und uns nichts vor: „So verstehe ich die Zuwanderung: nur ein geringer Teil der Schwimmer wird es schaffen, das Ufer zu erreichen, wo das neue Leben beginnt. Und damit sind die Angekommenen noch immer fern ihrer Heimat. Die größte Entscheidung wird sein, ein deutscher Staatsbürger zu werden und hier zu bleiben, oder an Kenntnissen reicher in sein Land zurückzukehren.“

Gabriele Werner: Jacobs Heimkehr nach dem Gelobten Lande. Verlag SchumacherGebler. 168 Seiten, 16 Euro

Von Tomas Gärtner

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