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Medien & TV Game of Thrones Staffel 8 Folge 6: So war das große Finale „The Iron Throne“
Nachrichten Medien & TV Game of Thrones Staffel 8 Folge 6: So war das große Finale „The Iron Throne“
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09:53 22.05.2019
Königin der Asche: Noch immer glaubt Daenerys (Emilia Clarke), mit ihren Getreuen die „bessere Welt“ erbauen zu können. Doch ist sie nur eine weitere Tyrannin, die alle moralische Legitimation verloren hat. Quelle: -/Courtesy of HBO/Sky/dpa
Los Angeles

Ein letztes Mal klingelte mitten in der Nacht der Wecker. Ein letztes Mal machte man sich nachts um drei einen Kaffee, schlich zum Fernseher, stellte Sky ein und muckelte sich in eine Decke. Ein letztes Mal erklang die hymnische Melodie von Eis und Feuer. Oh, dachte man sich, Nikolaj Coster-Waldau (Jaime) und Lena Headey (Cersei) werden noch im Vorspann erwähnt. Sapristi! Sind die Lennister-Twins doch nicht von den Trümmern des Roten Bergfrieds erschlagen worden? Oder ist Bran am Ende doch der Nachtkönig und hat sie wieder aufgeweckt?

Game of Thrones Staffel 8 Folge 6: Der erste Gedanke – nie wieder Targaryens?

Die Frage, die man sich stellte, während sich im Vorspann der (ramponierte) Rote Bergfried aus der Landkarte in die Höhe schraubte: Würde das Volk von Westeros nach Daenerys großem Flammenwurf noch einmal einem Targaryen vertrauen, und sei er noch so nett und sexy wie Jon Schnee/Aegon?

Die letzte überlebende Dame des Hauses, Daenerys, hatte ihren Drachen in Episode 5 so lange im Tiefflug über Königsmund geritten, bis ihm die Feuerspucke ausging – und danach waren Tausende und Abertausende tot. Und das nur, weil die Westerosi sie nicht richtig liebhatten und die böse Königin Cersei (ohne Zutun der einfachen Leute der Stadt) Danys beste Freundin Missandei einen Kopf kürzer gemacht hatte. Da wurde die Unverbrannte dünnhäutig, persönlich und – verheerend.

Und war damit schon die zweite Targaryen, die innerhalb der Lebensspanne der meisten Bewohner des Kontinents Flammen mörderisch gegen ihre Untertanen gerichtet hatte. Dass der von seinen Getreuen hochverehrte Jon in der fünften Folge seine Stark/Targaryen-Herkunft quasi publik gemacht hat, könnte sich jetzt als Bumerang erweisen. Es könnte Jon/Aegon II. jetzt nicht nur den Thron kosten (den er ja eh nicht will) sondern auch den Kopf. Aller irren Targaryenkönige sind drei? Lieber nicht, oder?

Game of Thrones Staffel 8 Folge 6: Wie die letzte Folge war (Ab jetzt: Spoiler!)

Dramatisch, melancholisch, beglückend, nicht immer plausibel – gegen Ende mit leichten Schlieren von Humor durchzogen. Und wieder wars zu kurz. 75 statt 90 Minuten. Eine zerbrochene Folge: Erste Hälfte: Die Nachwehen der Schlacht um Königsmund. Zweite Hälfte: Neuordnung des Reichs einige Zeit später – Klärung des Schicksals der Überlebenden.

Game of Thrones Staffel 8 Folge 6: Wer stírbt?

Nur eine Person ist des Todes: Daenerys Targaryen. Sie stirbt mitten in einer leidenschaftlichen Umarmung von Jon Schnee, der sie in der Ruine des Thronsaals mit einem Dolch ersticht. Ein kurzes Aufflackern von Ungläubigkeit im Blick der Drachenkönigin, dann ein dünnes Rinnsal von Blut aus Nase und Mund. Sie war nicht mehr zu retten – wir wussten das.

Trotz der vielen Toten, trotz der von Daenerys angeordneten Hinrichtungen der besiegten Lennister-Soldaten durch die Unbefleckten, scheint ihr Neffe/Geliebter Jon in der letzten Folge „No One“ zunächst loyal gegenüber „meiner Königin“ bleiben zu wollen, auch wenn sein schwermütiger Blick auf heftige Kämpfe in seinem Inneren schließen lässt.

Tyrion Lennister öffnet Jon die Augen mit einem Verweis darauf, dass Daenerys wohl auch ziemlich rasch Jons widerspenstige Cousine Sansa letal zähmen würde. Nach einem weiteren Gespräch über die gemeinsam zu bauende „bessere Welt“, bei dem die weltfern lächelnde Daenerys ihm ihren Cäsarenwahn vollständig offenbart, scheint Jon keinen Ausweg mehr zu sehen: Kuss und Schluss!

Game of Thrones Staffel 8 Folge 6: Die besten Bilder

Apokalyptische Eingangssequenz: Tyrion watschelt durch Königsmund, das aussieht wie Pompeii nach dem Angriff eines fliegenden Vesuv. Er blickt angstvoll nach allen Seiten, man spürt die Last der (Mit-)Verantwortung. Der Anblick ist unbeschreiblich, der Gestank ebenfalls (als Zuschauer meint man, ihn zu riechen). Ein schwerverbrannter Mensch wankt Tyrion entgegen, seine Schmerzen müssen unvorstellbar sein, und doch ist er ganz still. Überhaupt hört man in der Stadt nur noch das Fauchen der Feuernester.

Die düsterste Szene: Grauer Wurm, inzwischen, um mit Carl Zuckmayer zu sprechen, des Teufels General, richtet entwaffnete Lennister-Soldaten ohne Prozess hin. Den Einwand von Ser Davos („Besiegter können sie doch nicht sein“) kontert Grauer Wurm: „Sie atmen noch.“

Die epischsten Szenen: a. Daenerys in Schwarz auf der Siegertreppe zum Roten Bergfried. Sie sieht in schwarzem Rüstzeug fast aus wie Madonna am vorigen Samstag beim Eurovision Song Contest (nur ohne Augenklappe und Glitzer), und wenn hinter ihr Drache Drogon die Lederschwingen ausbreitet, meint man einen Moment lang, Daenerys selbst habe (Teufels-)Flügel. Das linksseitig über die Mauerruinen aufgespannte riesige Banner der Targaryens erinnert dabei an die schwarze Terrorflagge des IS. b. Tyrion, der vor Daenerys sein Beraterabzeichen, die Nadel der „Hand“, in die Asche wirft wie einst Gary Cooper den Sheriffstern in „High Noon“. c. Drogon, der sich unter einer Decke aus Asche und Schnee erhebt, um Jon zu beschnüffeln und ihn dann – dank seines Targaryenbluts – zu Daenerys passieren zu lassen und sich wieder einzurollen.

Die traurigsten Szenen: a. Tyrion, der seine toten Geschwister Jaime und Cersei aus den Ziegelsteinen des Bergfrieds gräbt und in Tränen ausbricht (deshalb also die Erwähnung der beiden Darsteller im Vorspann). b. Drogon, der seine tote Mutter beweint, der herzzerreißend brüllt, aber den Mörder Jon offenbar nicht töten kann – wieder das Targaryenblut! – und der stattdessen mit Dauerfeuer den (verfluchten) Eisernen Thron schmilzt, dann die tote Daenerys zärtlich in seine Klaue nimmt, sich in die Lüfte erhebt und dem „Game of Thrones“ den Rücken kehrt.

Game of Thrones Staffel 8 Folge 6: Das schönste Zitat

Kam wieder von der Bonmot-Fabrik Tyrion. Als Jon ihn in seiner Todeszelle besucht, gesteht der Zwerg dem unwilligen Königsanwärter seine falsche Einschätzung von Daenerys: „Jetzt kann Varys‘ Asche zu meiner Asche sagen: Siehst du, ich habs dir gesagt.“

Game of Thrones Staffel 8 Folge 6: Wer wird König?

Zwar ist Brandon Stark nicht, wie eine der abstrusesten und weidlich diskutierten Fanthesen hartnäckig wissen wollte, der Nachtkönig. Dafür ist er ab sofort der König der Sieben Königslande. Und zwar gewählter König. Ab jetzt keine Dynastien mehr, stattdessen die Herrschaft des Besten.

Der erste Schritt in die „bessere Welt“ ist also getan. Wahrscheinlich gibt es in Königsmund auch über kurz oder lang ein Parlament. Der auf mystische Weise allwissende König „Bran, der Gebrochene“ nimmt die Wahl mit seinem jenseitigen Lächeln und einer etwas überheblichen Gegenfrage an: „Hätte ich sonst den ganzen Weg auf mich genommen?“

Game of Thrones Staffel 8 Folge 6: Was wird aus Jon Schnee?

Grauer Wurm fordert das Leben des Königinnenmörders, Sansa und Arya seine Freilassung. Es endet mit einem harten Kompromiss – Jons Verbannung zur Nachtwache an die Mauer, die er auf sich nimmt (er wäre dann immerhin der 1000., sozusagen der Jubiläumslordkommandant.

„Wir werden uns wohl nicht mehr wiedersehen“, verabschiedet Jon sich von Tyrion. Der aber eines Tages noch einmal (wie in der ersten Staffel) „über die Mauer schiffen“ will.

In der Schwarzen Festung trifft Jon auf Tormund Riesentod und seinen Schattenwolf Geist, dem er sogleich – all die nach der vorletzten Episode empörten Tierschützer können auch ihre Schnappatmung einstellen – Herrchens ganze Liebe in Streicheleinheiten zuteil werden lässt. Zwar stimmt den Zuschauer Jons Schicksal traurig, das letzte Bild der Serie aber gehört ihm – und es ist kein schlechtes.

Game of Thrones Staffel 8 Folge 6: Und die anderen?

Grauer Wurm segelt mit den Unbefleckten zur Insel Naath, der Heimat seiner geliebten (toten) Missandei.

Sansa Stark proklamiert das Königreich des Nordens neu und wird in ihrer letzten Szene als dessen Königin gekrönt – sie sieht atemberaubend gut aus.

Arya Stark wird von Jon eingeladen, ihn an der Mauer zu besuchen. Sie lehnt ab, will Westeros verlassen, um auf See ihr eigenes Abenteuer zu finden.

Tyrion Lennister hat wahrlich das Hand-Abo – er wird nun auch der engste Berater von König Bran.

Samwell Tarly wird Erzmaester von Königsmund und legt König Bran „Das Lied von Eis und Feuer“ vor, einen Folianten von Erzmaester Ebrose (aus der Zitadelle von Altsass) über die Kriege seit dem Tod König Robert Baratheons. Darin wird wohl ungefähr das zu lesen sein, was wir Zuschauer acht Staffeln lang gefeiert und bekrittelt haben. Und davon kann George R. R. Martin jetzt locker abschreiben, wenn er die letzten beiden noch ausstehenden „Lied von Eis und Feuer“-Romane vollenden will.

Ser Bron wird wie versprochen Lord von Rosengarten – und Meister der Münze. Als erstes will der alte Schwerenöter die „verbrannten Bordelle“ von Königsmund wieder aufbauen.

Brienne von Tarth schreibt die Biografie ihres geliebten Jaime in der Herrscherchronik von Westeros um. Aus dem übel beleumundeten „Königsmörder“ wird nach Einsatz von mittelalterlichem Tintenkiller ein edler Ritter, der „starb, als er seine Königin beschützen wollte“.

Ser Davos von Sewerth, der „Zwiebelritter“, wird Meister der Schiffe und plädiert dafür, dem Aufbau der Flotte Vorrang zu geben vor dem der Bordelle. Pflicht vor Vergnügen – Davos ist einer, der schon immer Prioritäten zu setzen verstand.

Game of Thrones Staffel 8 Folge 6: Drogons Schicksal

Prächtiger Drache! Diese Augen! Diese Stacheln! Diese Schwingen! Er wäre der Star in einem Westeros-Themenpark „Dragon Island“ gewesen. Mit Folge 5 waren Ehrfurcht und Bewunderung aber in Angst und Hass umgeschlagen. Keine Chance, Drogon!

Doch dann geht es noch relativ gut aus für den großen Schwarzen. Man habe ihn „nach Osten fliegen sehen“, heißt es in der konstituierenden Sitzung des neuen Kleinen Rates. Mit seiner toten „Mutter“ in den Krallen fliegt er aber wahrscheinlich nicht nach Essos, um dort wieder Schafherden und kleine Hirtenmädchen zu fressen. Sondern direkt in den Dunst der Märchen und Legenden hinein. Drogon, da sind wir uns sicher, wird nicht mehr gesehen werden. Aber noch in Hunderten von Jahren wird man von ihm erzählen.

Game of Thrones Staffel 8 Folge 6: Alles noch mal von vorn?

Die gesamte achte Staffel noch einmal neu schreiben und drehen – das forderte nach Folge 5, „The Bells“, eine Fan-Petition an die Serienmacher David Benioff und D. B. Weiss, die natürlich sogleich von Hunderttausenden Fans aus der Armee der Unzufriedenen (nervtötender als die Armee der Toten) unterschrieben wurde. Am besten mit einem Drehbuch von Hinz und Kunz, die das schon lange besser können als die beiden Stammautoren, die für Staffel 8 von den „GoT“-Hardcore-Afficionados kaum mehr Publikumspunkte bekamen als das deutsche Duo Sisters beim Eurovision Song Contest.

Abgesehen davon freilich, dass diese Forderung allein aus Kostengründen Mumpitz ist, sind Benioff und Weiss mit dem Kopf wahrscheinlich längst bei ihrem „Star Wars“-Film.

So bleibt das Gefühl, alles sei zuletzt ein wenig zu rasch und oberflächlich erzählt worden. Trost: Bei einer zweiten Sichtung der Folgen ist man schon weit zufriedener, erkennt die hohe Sorgfalt trotz der Geschwindigkeit. „GoT“ war bis zuletzt die beste aller Serien!

Game of Thrones Staffel 8 Folge 6: Diese Schulden bleiben

Von den versprochenen 540 Minuten (sechs Folgen à 90 Minuten), sind die „GoT“-Macher uns am Ende satte 148 Minuten schuldig geblieben. Wir rechnen also fest mit einer „Extended Edition“ dieser Staffel auf Konserve. Auch Peter Jacksons viel zu hurtig erzählter dritter „Herr der Ringe“-Film gewann schließlich deutlich durch die längere DVD-Version, die viel unerklärt Gebliebenes schlüssig machte. Nicht zuletzt wäre damit auch noch mal richtig Geld zu verdienen.

Game of Thrones Staffel 8 Folge 6: Und jetzt? (Wir armen Zuschauer)

Ausgiebig traurig sein. Alles noch einmal am Stück gucken. Endlich die (fantastische Buchvorlage) lesen, deren letzte beide Bände sich jetzt vermutlich wie von selbst zu Ende schreiben und sehr bald schon – solange das Echo des Serienerfolgs noch am Hallen ist – auf den Markt kommen werden – wetten?

Nein, auf das angekündigte Spin-off mit Naomi Watts darüber, was vor Zehntausend Jahren in Westeros und umzu geschah, sind wir eigentlich nicht so richtig gespannt. Wir schlagen vielmehr eine Serie vor, die uns erzählt, was Arya auf ihrem Segeltrip nach Westen erfährt.

Schließlich segelt Arya dorthin, wo es keine Karten mehr gibt, und von wo bislang noch nie ein Schiff zurückgekehrt ist. Das ist seit „Raumschiff Enterprise“ der Stoff, aus dem die Serien sind.

Von Matthias Halbig/RND

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