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Medien & TV „Franken“-Tatort: Wagner hören und sterben
Nachrichten Medien & TV „Franken“-Tatort: Wagner hören und sterben
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07:31 23.02.2019
Pünktlichkeit ist seine Masche: Thomas Peters (Thorsten Merten, links) wartet die volle Stunde ab, um Katrin Tscherna (Katharina Spiering) zu erschießen. Quelle: Foto: Hendrik Heiden/BR
Bayreuth

Der Titel ist natürlich nicht ernst zu nehmen. „Ein Tag wie jeder andere“ bezieht sich auf eine Aussage von Kommissarin Ringelhahn. Sie sagt diesen Satz, als sie gerade einen Mann erschossen hat, und zwar in einer Loge des Bayreuther Festspielhauses, zu den Klängen der Wagner-Oper „Die Walküre“.

Den dritten Mord im Festspielhaus kann die Polizei verhindern

Dieser Tag ist ganz gewiss kein Tag wie jeder andere, und einen Fall wie diesen hat es selbst in der fast fünfzigjährigen Geschichte des ARD-Sonntagskrimis noch nicht gegeben. Die Handlung beginnt mit einem Mord: Pünktlich um 14 Uhr erschießt ein Anwalt (Thorsten Merten) mitten in einer Verhandlung einen Richter. Dann macht er sich auf den Weg zur Bayreuther Universität, zerrt eine Chemikerin aus ihrem Labor, wartet bis exakt 15 Uhr und begeht die nächste Hinrichtung.

Eigentlich sollte ein Opernbesucher sein drittes Opfer sein, doch mittlerweile ist die Polizei dem Mörder auf die Schliche gekommen und gerade noch rechtzeitig aufgetaucht, um die Tat zu verhindern; damit endet der erste Akt des Films. Der zweite gilt den unbeantworteten Fragen: Warum mussten der Richter und die Chemikerin sterben, was ist die Verbindung zwischen den drei Menschen? Warum hat der Mann die Morde zur vollen Stunde begangen? Und weshalb hat er seine Opfer nicht erschossen, wo er sie vorgefunden hat, sondern an einer bestimmten Stelle?

Das „Tatort“-Duo Yesilkaya und Marka sorgt für Krimi-Sternstunden

Das Drehbuch zur fünften Franken-Episode ist von Erol Yesilkaya, Regie führte Sebastian Marka. Das Duo sorgt seit einiger Zeit regelmäßig für herausragende Krimiunterhaltung. Ihre Zusammenarbeit beim „Tatort“ hat mit dem letzten Auftritt von Joachim Król als Frankfurter Kommissar begonnen („Das Haus am Ende der Straße“, 2015). Mit dem 2016 ausgestrahlten Film „Die Wahrheit“, einem verstörenden Krimi über die Machtlosigkeit der Polizei und einer der besten „Tatort“-Beiträge aus München, hat das Duo sein Meisterstück abgeliefert.

Es folgte der Serienmörder-Thriller „Es lebe der Tod“, ein Tukur-„Tatort“, und vor einem Jahr „Meta“. Die „Film im Film“-Konstruktion trieb ein cleveres Spiel mit dem „Tatort“-Team aus Berlin.

„Ein Tag wie jeder andere“ ist inhaltlich zwar nicht ganz so ausgefallen, aber der perfide Rache-Thriller ist erneut ausgefeilt und originell. Ringelhahn, Voss (Fabian Hinrichs) und ihr Team finden schließlich heraus, was Täter und Opfer miteinander verbindet: Vor Jahren hat Molkereibesitzer Koch (Jürgen Tarrach) mit Dioxin vergiftete Milch in Umlauf gebracht. Dafür ist er jedoch nie bestraft worden, weil ihn sein Anwalt dank einer bizarr anmutenden gesetzlichen Regelung vor einer Verurteilung bewahren konnte. Dieser Anwalt, Peters, ist der Mörder, den Ringelhahn stoppen konnte.

Geschickte Konstruktion bis sich die Handlungsstränge kreuzen

Ähnlich wie bei „Meta“ liegt der Reiz der Geschichte auch diesmal im Spiel mit unterschiedlichen Ebenen. Nach dem ersten Mord bringt das Drehbuch ein Ehepaar (Stephan Grossmann, Karina Plachetka) ins Spiel, das sich über einen positiven Schwangerschaftstest freut. Fortan wird der Film immer wieder kurz zu den beiden werdenden Eltern zurückkehren. Es dauert eine Weile, bis klar wird, dass es sich um Rückblenden handelt.

Schließlich kreuzen sich die Handlungsstränge: Das Baby ist im Mutterbauch gestorben, weil die Frau von der Dioxinmilch getrunken hat. Die Ehe ist an diesem Schicksalsschlag zerbrochen. Die Mutter ist ausgewandert, der Vater hat sich von einer Brücke gestürzt; aber im Grunde geht die Geschichte jetzt erst richtig los. Immer wieder sorgen Yesilkaya und Marka für Überraschungen, weil sie stets nur einen Teil der Wahrheit offenbaren. Schließlich finden die fränkischen Ermittler dann heraus, warum der Anwalt die Morde begangen hat.

Eine Szene erinnert an den Kinothriller „Das Schweigen der Lämmer“

Das Lichtkonzept setzt klare Akzente und sorgt dafür, dass der Anwalt von Beginn an zur finsteren Figur wird. Ausgeklügelt ist die Lichtsetzung bei der Vernehmung eines schwerbehinderten Hintermanns, der mit seinem Rollstuhl aus dem undurchdringlichen dunklen Hintergrund der Zelle nach vorn ins Licht fährt. Die Szene erinnert an die Gespräche zwischen der jungen FBI-Agentin und dem Serienmörder Hannibal Lecter in „Das Schweigen der Lämmer“. Zum verblüffenden Ende wird es dem Mann gelingen, einen Mord zu begehen, obwohl er in einer Zwangsjacke steckt. .

Von Tilmann P. Gangloff

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