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Medien & TV Das sagt der Regisseur des umstrittenen Stuttgart-„Tatorts“ zum Film
Nachrichten Medien & TV Das sagt der Regisseur des umstrittenen Stuttgart-„Tatorts“ zum Film
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15:53 01.10.2019
„Tatort: Hüter der Schwelle“: Thorsten Lannert (Richy Müller, links) und Sebastian Bootz (Felix Klare) wissen nicht, was sie im Keller ihres Hauptverdächtigen erwartet, haben aber böse Vorahnungen ... Quelle: SWR - Das Erste/SWR/Benoît Lind

Kreidekreise, dunkle Magie und Hexenjäger – im „Tatort: Hüter der Schwelle“ geht es mystisch zu. Einigen Zuschauern definitiv zu mystisch und klamaukig. Gedreht hat den ersten SWR-„Tatort“ der Saison Piotr J. Lewandowski. Für den 44-Jährigen ist der Film eine Premiere – es ist sein erster „Tatort“. Er erklärt im Interview, was ihn an diesem Film gereizt hat, welche Herausforderungen es zu bewältigen galt und was er selbst von der Geschichte hält.

Für Sie ist „Hüter der Schwelle“ Ihr erster „Tatort“ – wie fühlt sich das an, einen Film zur bedeutendsten deutschen Krimireihe beitragen zu dürfen?

Das ist auf jeden Fall eine Ehre und eine große Herausforderung für mich. Diesen „Tatort“ machen zu dürfen war eine wunderbare Aufgabe. Ich liebe solche Aufgaben. Das Drehbuch finde ich fantastisch, mich hat die Geschichte sehr gefesselt. Sie mag etwas untypisch sein, aber mich reizen solche Geschichten mehr als alles andere. Ich wusste sofort, ich muss das machen.

Welche Herausforderungen mussten Sie denn bewältigen?

Das Format „Tatort“ ist sehr beliebt. Man will die Zuschauer ja nicht enttäuschen, sondern ihnen etwas zeigen, das ihnen besonders Spaß macht. Gleichzeitig aber möchte man auch etwas Neues präsentieren. Und auch mich selbst wollte ich nicht enttäuschen – ich wollte etwas Besonderes machen.

Wie sehen Sie selbst den „Tatort“ – mit Blick auf Publikumsreaktionen?

Das ist eine sehr gute Frage. Wir hatten eine Vorpremiere in Stuttgart, vor über 5000 Menschen. Ich habe mir die Reaktionen der Menschen angesehen. Alle sind bis zum Schluss geblieben, trotz Open-Air mit widrigen Wetterbedingungen, und haben mitgefiebert. Das war richtig toll, ein besonderer Moment für mich. Trotzdem glaube ich auch, dass der Film polarisiert. Es ist schon eine ungewöhnlichere Geschichte.

Der „Tatort: Hüter der Schwelle“ beschäftigt sich mit einem Ritualmord. Wie kam es zu dieser Idee?

Die Idee hatte der Drehbuchautor Michael Glasauer, der sich mit dem Thema sehr gut auskennt und sich damit sehr intensiv befasst. Ich fand daran sehr viele Ansätze, die für mich interessant sind – die Atmosphäre, diese mystische und magische Welt. Über diese Themen wollte ich ohnehin einen Film erzählen – da hat das Drehbuch einfach perfekt gepasst.

Hexenverbrennungen werden in „Hüter der Schwelle“ historisch korrekt als Phänomen der frühen Neuzeit dargestellt. Wie konnten Sie der Versuchung widerstehen, diese doch im Mittelalter zu verorten?

Die Geschichte spielt auf zwei Ebenen – es gibt die eine, die vor 400 Jahren stattgefunden hat und damals nicht zu Ende erzählt worden ist. Die Figur Luxinger (André M. Hennicke, 61) glaubt daran, dass diese Geschichte zu Ende erzählt werden muss. Wir haben diese Vorgeschichte – glaube ich – sehr poetisch erzählt. Am Ende ist es aber Michael Glasauer zu verdanken, dass die historischen Bezüge stimmen. Ich habe mich da nur wenig eingemischt, es ist sein Buch.

Wo haben Sie sich Freiheiten bei der Darstellung genommen?

Die Rituale oder Sessions, die heutzutage auch noch stattfinden, habe ich filmisch ein bisschen anders dargestellt. Diese sind in Wirklichkeit oft recht unspektakulär und nicht so dramatisch, wie wir das im „Tatort“ zeigen. Als Regisseur müssen Sie Ihren Zuschauern aber etwas anbieten – hätten wir diese Rituale eins zu eins übernommen, wäre das visuell nicht sehr spannend gewesen.

Auf dem deutschsprachigen Fernseholymp sind Sie gewissermaßen angekommen – was kommt für Sie als Nächstes?

Ich habe vor ein paar Wochen mit dem SWR meinen Kinofilm „König der Raben“ abgedreht, an dem ich sehr lange gearbeitet habe. Aktuell sind wir da im Schnitt. Außerdem habe ich ein paar sehr schöne Angebote bekommen und bin gerade dabei, einige neue Drehbücher zu lesen. Mal sehen, was noch so kommt.

Macht sich das für Sie schon bemerkbar, dass Sie diesen „Tatort“ drehen durften? Sie sprachen von neuen Angeboten, die Sie erhalten haben.

Ja, ich glaube schon. Es wundert mich zwar ein bisschen – ich dachte, man müsse erst gesehen haben, okay, der kann auch einen Krimi erzählen –, aber eher das Gegenteil ist der Fall: Schon seit bekannt ist, dass ich einen „Tatort“ realisiere – und da reden wir von einem sehr frühen Zeitpunkt in der Produktion –, kommen die Angebote.

RND/pcl/spot

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