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Regional tjg und Staatsoperette bringen als Koproduktion „The Black Rider“ heraus
Nachrichten Kultur Regional tjg und Staatsoperette bringen als Koproduktion „The Black Rider“ heraus
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20:00 15.03.2018
Amtsschreiber Wilhelm (Moritz Stephan) verliebt sich in die Försterstochter Käthchen (Marie Hänsel).
Amtsschreiber Wilhelm (Moritz Stephan) verliebt sich in die Försterstochter Käthchen (Marie Hänsel). Quelle: Marco Prill
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Dresden

Offenbar hat es das noch nicht gegeben, dass bei einer Premiere im Kulturkraftwerk die Bühne vom theater junge generation (tjg) quasi um einen Orchestergraben erweitert wird. Was diesmal aber auch gar nicht verwunderlich wirkt, wo doch nun erstmals im neuen Domizil eine Koproduktion mit der unmittelbar „benachbarten“ Staatsoperette realisiert wird. Dafür haben sich beide Theater justament auf „The Black Rider“ geeinigt. Jenes legendäre Stück, welches mit der Musik von Tom Waits und dem Text von William S. Borroughs von Robert Wilson in Szene gesetzt wurde. Die Uraufführung fand am 31. Mai 1990 am Thalia-Theater in Hamburg statt.

Wer auch immer sich auf eine Inszenierung dieses so erfolgreichen Werkes einlässt, begibt sich in Anbetracht berühmter Vorgänger quasi auf vermintes Gelände. Doch das Werk verträgt durchaus unterschiedliche Sichtweisen, wenn sie in sich stimmig sind. Da wird sich mancher gewiss auch noch an die Version von 1997 im Dresdner Schauspielhaus in der Regie von Klaus-Dieter Kirst erinnern, und besonders wohl an Andrea Thelemann und Tom Quaas. Die Inszenierung nunmehr im Kulturkraftwerk nutzt die Gunst der Stunde und des Ortes, stützt sich auf jene künstlerischen Potenzen, die da unter einem Dach beieinander sind. Geht es doch auch um ein Musiktheaterstück, was Chance und Schwierigkeit zugleich darstellt.

Wie dieses Experiment in Dresden ausgeht, ist bereits heute Abend bei der Premiere zu erfahren. Da nimmt im „Orchestergraben“ die etwas andere Magic-Bullets-Band ihren Platz ein und spielt unter der Musikalischen Leitung von Peter Christian Feigel. Für diese nicht gerade alltägliche Zusammenarbeit wurde eigens ein musikalisches Arrangement geschaffen, das sich „an der Orchestration der Uraufführung orientiert“. Darauf verweist der Dirigent im Theaterblatt „Buffo“ und betont, die Musik von Tom Waits sei alles, „nur nicht glatt, angepasst, vorhersehbar und gar dem Ideal ungebrochenen Schönklangs folgend“.

Keine Frage, eine solche Aufführung ist herausfordernd auch für die tjg-Schauspieler, die einen beträchtlichen Teil der Gesangspartien übernehmen. Und nicht minder für die Sänger und Musiker der Staatsoperette. Da stoßen Theaterwelten, Theaterstrukturen aufeinander. Man darf gespannt sein. Auch darauf, wie es dem holländischen Regisseur Jos van Kan gelingt, das Erfolgsstück für ein eher junges Publikum spannungsreich zu inszenieren. Wobei letztlich bei einem so drangvollen „Mehrspänner“ in allen Aufführungen besonders auch der Dirigent die Zügel in der Hand behält.

Ein gutes Omen ist zudem, dass für die Ausstattung Grit Dora von Zeschau verantwortlich zeichnet, Chefbühnen- und Kostümbildnerin des tjg. Bei ihr fällt immer wieder auf, und das nun schon seit geraumer Zeit, wie die in Dresden geborene und auch ausgebildete stets eigenwillige, sich einprägende Gestaltungen herausbringt. Das Wort grenzüberschreitend passt da wohl in jeglicher Hinsicht. Und „The Black Rider“ erweist sich als besonders „harte Nuss“, wo die Uraufführung auch stets weiter im Blickfeld bleibt.

An Robert Wilson, so Grit Dora von Zechau, komme man einfach nicht vorbei. Mit seiner Raumsprache, seiner Reduziertheit habe sie sich schon immer auseinandergesetzt. Und zugleich reize es sie, das Ganze aus heutiger Sicht auch mehr ironisch zu brechen. Was sich am ehesten bereits in der Musik von Tom Waits finden lasse. Das sei ihr Zugang gewesen, eine Bühnenwelt zu entwerfen, die einerseits Wilson zitiere, auch in seinen expressiven Mitteln, sie andererseits aber ebenso persifliere. Daraus ergebe sich eine Art assoziierte, abstrahierte „Stummfilmebene“ in Schwarz-Weiß wie auch eine Showebene mit Flittervorhängen und Lichteffekten.

„Das sind Brüche, wie sie ja auch in dieser speziellen Dresdner Aufführung und Besetzung eine Rolle spielen. Ich will keinesfalls kaschieren, eher etwas herausstellen, arbeite dabei besonders mit einfachen geometrischen Formen. Das schafft auch für den Regisseur, der viel mit Tableaus erzählt, eine Art von Rahmen, in die er seine „Bilder“ einfließen lassen kann, bei denen es ja auch um Rituale und Traditionen geht. Das Ganze ist in sich recht bewegt. Und die Formen lassen sich auch aufbrechen, verschieben. Farbe habe ich dabei sehr bewusst und sparsam eingesetzt.“

In Hinblick auf die Ursprünge vom „Freischütz“ hat man sich wohl längst darauf geeinigt – das ist keine Neuigkeit, aber man erinnert sich halt gar zu gern an diese liebenswerte Tatsache, dass auch die Spuren zu „The Black Rider“ justament durch die Wälder und Auen Sachsens führen. Wer dabei an das Libretto von Friedrich Kind zu Webers „Freischütz“ (uraufgeführt am 18. Juni 1821 in Berlin) denkt, liegt nicht falsch. Aber auch Kind bezieht sich wie ebenso nachweisbar Burroughs für „The Black Rider“ auf die bekanntlich nach einer Volkssage erzählten Geschehnisse, erschienen im Anfang des 19. Jahrhunderts herausgegebenen mehrbändigen „Gespensterbuch“ von August Apel und Friedrich Laun (Friedrich August Schulz). Über jene teils kuriosen Geschichten und Biografien findet man auch im Buch von Klaus Günzel zur „Romantik in Dresden“ höchst amüsanten Lesestoff.

„The Black Rider – The Casting of the Magic Bullets“, theater junge generation im Kraftwerk Mitte; Premiere 16. März, 19.30 Uhr. Weitere Termine: 17. und 20. bis 24. März.

www.tjg-dresden.de

Von Gabriele Gorgas