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Regional tjg-Puppenspielerin Ulrike Schuster ist erstmals im Kino zu sehen
Nachrichten Kultur Regional tjg-Puppenspielerin Ulrike Schuster ist erstmals im Kino zu sehen
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12:39 22.10.2019
Ulrike Schuster Puppenspielerin und Darstellerin TJG Dresden Quelle: Anja Schneider
Dresden

Das neue Integrationsgesetz ist da. Jedenfalls in einer Fiktion, die uns der Film „Heimsuchung“ vorführt, Kinostart ist am 24. Oktober. Darin verpflichtet ein Gesetz deutsche Bürger, Geflüchtete in ihrem Zuhause aufzunehmen. Eine der Hauptdarsteller ist Ulrike Schuster. Die gebürtige Weimarerin ist seit 1998 Puppenspielerin am Dresdner Theater Junge Generation (tjg).

Im Interview mit den DNN erzählt die 50-Jährige von ihrer Arbeit mit Puppen, den Unterschieden in der Film- und Theaterwelt und dem Erlebnis, eine rassistische Wutbürgerin mit extremen Ansichten zu spielen.

Wie würden Sie Ihre Arbeit als Puppenspielerin definieren?

Ulrike Schuster: Ich bin Spielerin in Inszenierungen, in denen die Darstellung im Kern durch Animation von totem Material stattfindet und die Handlungsträger Puppen oder Objekte sind. Puppenspiel setzt sich aus drei Komponenten zusammen: Aus bildender Kunst, dem Rhythmus zwischen Mensch und Material und natürlich der Animation.

Was meinen Sie mit Animation?

Ohne einen Darsteller ist eine Puppe nur ein lebloses Objekt. Unsere Aufgabe ist es, diesem Material ein möglichst glaubhaftes Leben einzuhauchen. Diesen Akt nennt man Animation.

Welche Spielweise wird am häufigsten im Puppentheater am Theater Junge Generation verwendet?

Definitiv die offene Spielweise. Darin haben sowohl der Darsteller als auch die Puppe eine Rolle, weil sie nebeneinander auf der Bühne erscheinen und eine Einheit bilden. Dadurch kommt eine Interaktion zwischen den beiden zustande, man kann es auch Zwiesprache nennen, die für das Publikum eine Bedeutung hat. In einer offenen Spielweise kann der Zuschauer den Spieler nicht ignorieren. So stellt sich auf der anderen Seite auch für uns die Frage, welche Position wir als Darsteller einnehmen.

„Ich finde es spannend, dass diese Stadt sehr viele Reibungspunkte hat“

Können Sie das anhand eines Beispiels genauer erklären?

Im Momentan läuft die Inszenierung „Ich bin Kain“. Darin sind die Puppenspieler auch gleichzeitig die Beobachter der Geschichte. Es geht unter anderem um Glauben und um die Frage, ob da jemand über mir ist oder nicht. Zum Beispiel erlebt man als Zuschauer ein von uns bewusst gesetztes Bild: Die Puppe sitzt auf der Schaukel und denkt über ebenjene Frage nach. Und über ihr ist der Darsteller, der die Puppe animiert. Mit solchen Effekten für den Zuschauer experimentieren wir häufig.

Sie sind seit 1998 am tjg. Warum sind Sie in all den Jahren geblieben?

Ich war nicht durchgängig am tjg engagiert, sondern habe insgesamt drei Pausen eingelegt. Allerdings war ich in dieser Zeit nicht andernorts beschäftigt. Das tjg hat ein großes Puppenspielerensemble, und in den Jahren konnte ich viele verschiedene Handschriften kennenlernen. Das Haus wählt mit viel Bedacht aus, welche Regisseure samt ihrer Ideen inhaltlich zum Konzept passen: Probleme der Gesellschaft und im Speziellen der Kinder und Jugendlichen.

Sie kommen aus Weimar und haben in Berlin studiert. Warum haben Sie sich ausgerechnet für Dresden entschieden?

Ich finde es spannend, dass diese Stadt sehr viele Reibungspunkte hat. Einerseits hat Dresden ein herausragendes kulturelles Angebot zu bieten, andererseits nehme ich auch stark die politische Situation hier wahr und die weit auseinandergehenden Meinungen. Für mich ist das der richtige Ort, um Jugendliche zu erreichen, die uns irgendwann als Erwachsene ablösen und dann die Entscheidungen für uns treffen.

„Es war schwieriger, als ich dachte.“

Sie möchten also Einfluss nehmen. War das auch ein Grund für Sie, im Film „Heimsuchung“ mitzuwirken?

Ja, sicher. Mir gefielen die Idee der Zuspitzung der Situation, die unerwarteten Wendungen in der Handlung und das groteske Setting. Der Film spielt mit der Frage, wie die Gesellschaft mit der Situation umgeht, dass so viele Menschen in Not, auf der Suche nach Sicherheit und vielleicht einer neuen Heimat sind. Darauf gibt es immer noch keine Antworten. Diese liefert auch der Film nicht, aber er fordert uns heraus, weiter danach zu suchen.

Wie war es für Sie, in die nicht ganz einfache Rolle der Frau Rau zu schlüpfen?

Es war schwieriger, als ich dachte. Ich habe nämlich ganz andere Ansichten als Frau Rau, die eine extreme Antihaltung hat. Deshalb war es eine Herausforderung, diesem Charakter irgendwelche Anhaltspunkte zu entnehmen, an die ich anknüpfen könnte. Ich habe dann versucht, mich anhand ihrer Ängste in ihre Rolle hineinzuversetzen und ich hoffe, dass mir das gelungen ist. Außerdem bin ich keine routinierte Filmschauspielerin. Das war meine erste Erfahrung mit einem Filmdreh.

Ulrike Schuster spielt im Film "Heimsuchung" die Rolle der Frau Rau. Quelle: Filmausschnitt / 1meter60 Film

Wie ist es dazu gekommen, dass Sie in diesem Film mitgewirkt haben?

Der Regisseur und die Produzentin des Films, Wolfgang und Yvonne Andrä, kommen auch aus Weimar, daher kenne ich die beiden schon sehr lange. Yvonne und ich waren schon zu Schulzeiten befreundet und haben immer gegenseitig unsere künstlerischen Arbeiten beobachtet. Der Film wurde vor anderthalb Jahren gedreht, und damals ist Yvonne auf mich zugekommen, weil sie überzeugt davon war, dass ich für diese Rolle geeignet bin.

Der Trailer zum Film

Gibt es Parallelen zwischen der Arbeit am Filmset und jener im Puppentheater?

Sowohl im Film als auch auf der Bühne werden Situationen in Szene gesetzt, Gegensätze verhalten sich zueinander. Es soll Empathie erzeugt und zum eigenständigen Denken angeregt werden. Insofern ja. Die spezifischen Mittel, dies zu erreichen, sind allerdings doch recht verschieden.

Worin liegen die Unterschiede in den jeweiligen Arbeitsweisen?

Ein entscheidender Unterschied zur Arbeit am Theater war für mich die Entwicklung der Rolle. Für den Film habe ich mich im Vorfeld intensiv mit der Rolle der Frau Rau auseinandergesetzt. Es gab einige Treffen vor dem eigentlichen Dreh, bei denen wir Darsteller mit verschiedenen Situationen konfrontiert wurden, an denen wir unsere Charaktere ausprobieren und trainieren konnten. Denn als die Dreharbeiten losgingen, gab es nicht allzu viel Zeit zum Rumprobieren. Das war für mich ungewohnt. Ab dem ersten Drehtag musste die Figur präsent sein. Im Theater erarbeite ich mir eine Rolle über einen Probezeitraum von etwa sechs Wochen. Während dieser Zeit lerne ich die Puppe in ihren bildnerischen und technischen Möglichkeiten erst kennen.

Können Sie sich vorstellen, wieder in einem Film mitzuspielen?

Ja, sehr gut sogar. Auf diese Erfahrungen, die ich da beim Dreh von „Heimsuchung“ gesammelt habe, möchte ich weiter aufbauen. Ich würde aber nie das eine gegen das andere eintauschen.

Preview: Mittwoch, 20 Uhr, im Kino im Dach, Schandauer Straße 64, mit Regisseur Wolfgang Andrä und Darstellerin Ulrike Schuster

Von Sabrina Lösch

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