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13:57 28.10.2019
Eigenartige Wesen tauchen auf der Bühne auf. Wie begegnet man ihnen am besten? Quelle: Foto: Marco Prill
Dresden

Wie würden wir reagieren, wenn in unserer Nachbarschaft ein UFO landet? Ihr sagt: So ein Quatsch! Ihr denkt: Was für eine Frage! Es ist jedoch genau diese Versuchsanordnung, die der israelische Regisseur Ariel Doron in seinem neuen Stück am Theater Junge Generation (tjg) in den Raum setzt. Ob es sich allerdings um ein UFO handelt, lässt sich nicht mit Sicherheit sagen. Denn „Ecotone“ spielt auf verstörende Weise mit dem Uneindeutigen, Unsicheren.

Es ist dunkel in dem leeren Raum, ein silbernes Band trennt das Publikum von einem großen weißen Tuch. Ein tiefer, durchdringender Ton setzt ein, dunkel, bedrohlich (Sounddesign: Moritz Schwerin), das Tuch wächst langsam zu einem Zelt, bläht sich auf, beginnt sich zu bewegen, kippt, springt, neigt und biegt sich, nimmt den Raum ein, sprengt das silberne Band, öffnet die Grenze. Was stellt das dar? Wie kann ich es deuten? Was wird als nächstes passieren? Wie soll ich mich dazu verhalten? Die Fragen der Zuschauer laufen ins Leere.

Erst recht, als nach und nach fünf seltsame Wesen das Zelt verlassen, rollen, schlurfen, sich anschleichen, springen, verharren, sich aufrichten, knurren, sich vorbeugen, einen Rüssel ausfahren, betasten, schnüffeln, Berührung suchen (großartig für Bühne und Kostüme: Anni Josephine Enders). Sind es Außerirdische, Fabelwesen, Phantasietiere? Sind sie friedlich oder aggressiv? Und vor allem: Was wollen sie?

Helfen uns die Regeln und Konventionen unseres Zusammenlebens, auch mit diesen fremden Wesen in Kontakt zu treten? Nützt es etwas, ihnen die Hand zu reichen, über ihr weiß-silbernes Gewand zu streichen, ihnen einen Schuh zu schenken? Die Ratlosigkeit im Publikum ist mit Händen zu greifen, hin und wieder ist ein Kichern zu hören, aber vor allem herrscht Unsicherheit, wenn ein Wesen sich nähert, ungeduldig trippelnd und erwartungsfroh, und wir – fast verzweifelt schon – mögliche Reaktionen auf diese Erwartung durchspielen und scheitern. Haben wir zu wenig Phantasie?

Ecotone“ – deutsch: „Ökoton“ – ist die Bezeichnung für einen Übergangsbereich zwischen zwei unterschiedlichen Landschafts- oder Ökosystemen. In seinem Stück „Ecotone“ bringt Ariel Doron diesen Grenzbereich, in dem wir aus der vertrauten Komfortzone heraustreten, nicht als Geschichte auf die Bühne, sondern setzt das Publikum der Erfahrung des Fremden unmittelbar und erbarmungslos aus.

Die Verstörung, mit der die Zuschauer aus der komplett nonverbalen theatralen Installation gehen, ist gewollt. Welche Botschaft sie aus dieser Erfahrung mitnehmen, bleibt in der Verantwortung jedes Einzelnen.

nächste Aufführung: Montag, 19.30 Uhr

www.tjg-dresden.de

Von Birgit Andert

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