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Regional Zwischen Harmonie und Horror: Das neue Werk der wohl jüngsten Filmemacher Dresdens
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16:27 17.02.2020
Nicht nur Brüder im Geiste: die Filmemacher Jacob (l.) und Julian Wallner. Quelle: Dietrich Flechtner
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Dresden

Absurd, widerlich, schockierend: So beschreiben die Dresdner Brüder Jacob und Julian Wallner ihren neuen Kurzfilm „Homunculus“. Und grinsen dabei sagenhaft belustigt.

„Ich hatte schon immer eine Affinität zu Horror und Skurrilität“, erzählt Julian. Mit 19 Jahren ist er der Ältere und gleichzeitig der Gebrüder kreatives Hirn: Julian führt Regie, schreibt Drehbücher und komponiert Filmmusik. Sein Bruder Jacob hingegen ist, im zarten Alter von 16 Jahren, der Technikversierte und zuständig für Kameraführung, Licht, Schnitt – kurzum alles rund um den Dreh.

Die Brüder stehen erst mit einem halben Bein im Filmgeschäft. Sie sind blutjung, äußerst zielstrebig und ohne jeden Zweifel talentiert. Das haben sie nicht zuletzt mit ihrem ersten Kurzfilm „Karl und Kasimir“ dargelegt. Eine der beiden Hauptrollen darin übernahm der Dresdner Schauspieler Wolfgang Stumph. Für ihre Produktion erhielten die Brüder den Preis „Beste Kamera“ beim Thüringer Kurzfilmfestival „FILMthuer“ im November 2019 in Jena.

Zuspruch motivierte zum Weitermachen

„Die Umsetzung unseres ersten Kurzfilms war eine unglaublich persönliche Angelegenheit“, sagt Julian. Das Skript von „Karl und Kasimir“ stammt von ihrem Vater Heinz Drewniok, ein bekannter Dresdner Theatermacher, Autor und Schauspieler, der bereits im Jahr 2011 starb. Deshalb hat die Produktion einen hohen emotionalen Wert für Julian und Jacob. „Unser Halbbruder hat mir an meinem 18. Geburtstag ein Buch mit Stücken unseres Vaters geschenkt. Beim Lesen sind wir zufällig über ,Karl und Kasimir’ gestolpert“, erzählt Julian.

Von da an war klar: Diese Handlung wollen sie adaptieren. „Darin gab es tolle Charaktere, und die Geschichte an sich ist auch spannend“, sagt Jacob. In den 70er- und 80er-Jahren wurde das Stück auf mehreren Bühnen aufgeführt. Im Zuge der Ostinale in Senftenberg vom 14. bis 16. Februar gibt es „Karl und Kasimir“ noch einmal für Interessierte zu sehen.

Der hohe Zuspruch für den Kurzfilm kam unerwartet, motivierte auf der anderen Seite jedoch zum Weitermachen. Denn anstatt sich auf den geernteten Lorbeeren auszuruhen, steht bereits das nächste Projekt auf der Tagesordnung. Doch dieses Mal wollte das Duo etwas völlig Neues ausprobieren; abstrakt und surreal sollte es sein. „Während wir in ,Karl und Kasimir’ den Fokus auf die Schauspieler gesetzt haben, arbeiten wir in ’Homunculus’ hauptsächlich mit Symbolik“, erzählt Julian, „etwa mit der Symbolik der Geburt.“ Der neue Kurzfilm erscheint voraussichtlich im Mai oder Juni.

Düster, ekelerregend, unangenehm

Die Homunculus-Experimente gab es tatsächlich, wie die Brüder bei einer Recherche festgestellt haben. Sie stammen aus dem 13. Jahrhundert und wurden von Alchemisten durchgeführt. Auf YouTube finden sich allerlei Nachahmer, die ihr Experiment per Video festhalten. „Wir waren davon fasziniert und gleichzeitig angewidert“, erinnert sich Jacob.

Inhaltlich halten sich die Brüder eher bedeckt – um der Wahrung des Überraschungseffekts willen. Doch so viel verraten sie vorab: Es wird düster, ekelerregend und unangenehm. Julian spricht sogar von „psychologischem Horror“.

„Wir wollen kein gutes Gefühl vermitteln“, sagt der 19-Jährige entschieden. Stattdessen kritisieren die Brüder den unbewussten Umgang mit sozialen Netzwerken der Generation Z und die Informationen, die sie daraus, teils völlig unreflektiert, beziehen. „Homunculus“ – was übrigens einen künstlich erschaffenen Menschen im Bereich der Alchemie beschreibt – ist die filmisch visualisierte, nonverbale Aufforderung an die Zuschauer, das eigene digitale Konsumverhalten zu hinterfragen.

Kamera spielt wichtige Rolle

Auch konzeptuell ist der Kurzfilm gründlich durchdacht: Die Musik wird eine durchgängige Geschwindigkeit von 160 bpm (beats per minute) haben – was dem Herzschlag eines Fötus entspricht. Auch die Kamera spielt eine wichtige Rolle im Film, der ohne jegliche Konversationen auskommt, und spiegelt den psychischen Verfall des Protagonisten symbolisch wider.

Und was treibt das junge Filmemacher-Duo sonst? Ursprünglich wollte sich Julian an der Filmuniversität Babelsberg bewerben, entschied sich dann aber für einen pragmatischeren Weg. Er studiert im ersten Semester Lehramt in den Fächern Kunst und Englisch, möchte zunächst eine „bodenständige und sichere“ Ausbildung absolvieren. Danach steht ein weiteres Studium – entweder in Babelsberg oder Ludwigsburg – auf dem Plan.

Sein Bruder Jacob besucht derzeit die elfte Klasse und möchte nach seinem Schulabschluss Kameraführung in Ludwigsburg studieren. Seit seinem 13. Lebensjahr saugt der Schüler enthusiastisch jegliches Wissen rund um Videoproduktion auf. Neben der Schule nimmt er seit einiger Zeit Aufträge an, etwa zur Produktion von Musikvideos oder Imagefilmen.

Spenden für Dreharbeiten benötigt

Für das Medium Film haben sich die Brüder bewusst entschieden. „Ich habe immer den idealen Weg gesucht, Geschichten darzustellen und meine Fantasien umzusetzen, zum Beispiel mit Kunst und Malerei, auch durch Zeichnen, Musik oder durch Filme. Doch visuell ist Film das beste Medium, etwas auszudrücken“, erzählt Julian mit leuchtenden Augen.

Die Dreharbeiten für „Homunculus“ laufen am Montag an. Für die Umsetzung sind Jacob und Julian Wallner jedoch auf Spenden angewiesen. Bezahlt werden müssen unter anderem Catering und Schauspieler. Das Sammelziel: 2000 Euro. Wer die Brüder unterstützen möchte, kann das via Mail erledigen und sich wenden an: gebruederwallner@gmail.com.

Von Sabrina Lösch

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