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Regional Zwischen Erinnerung und Zwiespalt: Die Gala zum 50-jährigen Bestehen des Kulturpalastes
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11:46 07.10.2019
Die Festveranstaltung zum 50. im Festsaal wurde mit den Auftritten auf der Bühne vor dem Kulturpalast verzahnt. Quelle: Manfred Ertel
Dresden

Es war ein Abend, an dem nicht nur Künstler eigene Erinnerungen an den nun 50-jährigen Kulturpalast preisgaben, auch das Publikum dachte wohl an so manches persönliche Erlebnis im und um das Haus zurück. Das ging mir nicht anders! Da waren die vielen, unvergesslichen Konzerte der Staatskapelle und der Dresdner Philharmonie, große Dirigenten und Solisten – Karajan, Böhm, Masur, Kremer usw. Die Konzerte anlässlich des legendären „Janowski-Rings“ leuchten noch immer aus der Vergangenheit hervor.

Zeitweise wurde der große Saal als Kino genutzt bzw. diente das Foyer mit allen nur verfügbaren Tresen und Kassen als Vorverkaufsstelle für die Dresdner Musikfestspiele. Zusammen mit Gleichgesinnten hat man da so manche Nacht in einer Riesenschlange rund um den Palast gewickelt verbracht – um Karten für Gastspiele etwa der Mailänder Scala oder der Wiener Staatsoper zu bekommen, war ein solcher Aufwand nötig. Hier fanden Tanzturniere statt, das Dixieland-Festival, die Kindershow des Brückenmännchens, Konzerte von Chansoniers und Rockern und noch vieles mehr.

„Palast für die Menschen“

Nun ist der Dresdner Kulturpalast ein halbes Jahrhundert alt und – nach mancherlei Querelen – seit zwei Jahren u.a. wieder Heimstatt der Dresdner Philharmonie, ein „Palast für die Menschen“, wie Philharmonie-Intendantin Frauke Roth betonte. Und diese, nicht nur die Dresdner, haben den Kulturpalast angenommen und zeigen sich erfreut über die nun wunderbaren akustischen Verhältnisse und das gesamte Ambiente.

Das Jubiläum sollte glanzvoll mit einer Gala, die der MDR live übertrug, begangen werden. Eigentlich waren es zwei gleichzeitig stattfindende Ereignisse, nämlich vor und im Kulturpalast, die miteinander verzahnt wurden. Auf der Außenbühne gab es Rocklegenden, Schlager, Pop-Stars und mehr oder weniger durchdachte Worte der Moderatorin Kim Fischer, innen perfekt getimte Klassikhäppchen und das alles quietschbunt und abrupt miteinander gemischt.

Der Dresdner Kreuzchor war sowohl im Foyer als auch in der Gala im Festsaal des Kulturpalastes zu hören. Quelle: Dietrich Flechtner

Mit dieser wilden Mixtur dürften wohl viele Erwartungen enttäuscht worden sein – sowohl die der Zuhörer, die draußen ausschließlich ein buntes Pop-Spektakel wollten, und auch jene der Kartenkäufer, die sich innen ein ausgewogenes, eher klassisches Programm vorgestellt hatten. Der insgesamt sehr zwiespältige Eindruck des Abends wurde noch durch die unvermeidlichen Folgen der Live-Übertragung des MDR verstärkt mit der hektisch herumflatternden Aufnahmeleiterin, dem sich in ständiger Bewegung befindlichen Kamerateam, dem ewigen Auf und Ab der Leinwand im Saal, den Ungeschicklichkeiten im Programmablauf.

Unter diesen sehr unruhigen Bedingungen grenzt es schon an ein Wunder, das der Professionalität aller beteiligten Musiker zu danken ist, dass die künstlerischen Darbietungen im Saal auf einem durchweg guten Niveau stattfanden. Man hörte von allem ein bisschen, kaum ein vollständiges Werk.

Kreuzchor, Kinderchor und KultBlechDresden

Sicher als Reminiszenz an die Eröffnung des Kulturpalastes gedacht, ging es mit einer zur Light-Version gestutzten Fassung der „Ode an die Freude“ los. Der Dresdner Kreuzchor unter Kreuzkantor Roderich Kreile durfte später noch, klangschön und prächtig wie erwartet, den Eingangschor „Tönet, ihr Pauken! Erschallet, Trompeten!“ zu Johann Sebastian Bachs Glückwunschkantate für die sächsische Kurfürstin Maria Josepha beisteuern. Und auch dem Kinderchor der Dresdner Philharmonie war mit dem mit viel Begeisterung gesungenen ABBA-Song „Thank you for the music“ ein zweiter Auftritt beschieden.

KultBlechDresden ist ein hauptsächlich aus philharmonischen Bläsern bestehendes Ensemble, das hier vor allem mit der überaus schwungvollen Wiedergabe des berühmten 2. Walzers aus Schostakowitschs Suite für Variete-Orchester glänzte.

Ein kleines Stückchen großer Orchesterliteratur

Der Cellist Jan Vogler hat nicht nur durch seine Tätigkeit als Intendant der hiesigen Musikfestspiele eine enge Verbindung zum Kulturpalast. Zusammen mit der noch ganz jungen Cellistin Friederike Herold entfachte er ein virtuoses Feuerwerk im Allegro prestissimo von Jean Barriere. Seine sanft differenzierte Wiedergabe von Dvoráks idyllischer „Waldesruh“ lud zum Schwelgen und Träumen ein. Für eine farbenreiche, sich immer mehr steigernde Interpretation mit einer Toccata über „Allein Gott in der Höh‘ sei Ehr“ des Letten Aivars Laejs setzte sich Ivtea Apkalna, Dresdens lettische Palastorganistin 2019/20, ein.

Rasant ging es zunächst beim Philharmonischen Kammerorchester zu, nämlich im „Sommer“ aus Vivaldis „Jahreszeiten“. Danach agierte das Orchester auch als Partner der wunderbaren russischen Sopranistin Olga Peretyatko, die zweimal Mozart mitbrachte und nicht nur durch blitzblanke Koloraturen faszinierte, sondern auch durch die lyrische, innige Schönheit ihrer Stimme, wie sie besonders in der großen Donna Anna-Arie „Crudele! Non mi dir“ aus „Don Giovanni“ zu erleben war. Schließlich gab es noch ein kleines Stückchen großer Orchesterliteratur, bei dem sich die Dresdner Philharmonie unter Krzysztof Urbanski in entsprechend zahlreicher und spielfreudiger Besetzung präsentieren durfte: Orchesterpracht pur und unverstellt in Mussorgskis „Das große Tor von Kiew“ aus den „Bildern einer Ausstellung“.

Von Mareile Hanns

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