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09:09 07.09.2019
Die Fassade der Südseite des Barockschlosses Wachau. Quelle: orlakultur.de
Wachau

Gäbe es einen Preis für das hübscheste Dorf rund um Dresden, dann hätte Wachau sicherlich gute Chancen. Ein paar Kilometer nördlich von Radeberg schmiegt es sich zwischen drei kleine Erhebungen. Ziemlich mittig, umflossen von dem Flüsslein Orla liegt das malerische Barockschloss Wachau. Ab 1730 von Magdalene Sophie Elisabeth von Schönfeld als Wasserschloss auf einer künstlich angelegten Insel erbaut, hat es – insbesondere in den vergangenen 100 Jahren eine wechselvolle Geschichte hinter sich, in deren Folge fast das gesamte Inventar verloren ging. Ab 1994 begannen schließlich die Sanierungsarbeiten an Dach und Fassade, so dass das Schlösschen heute zumindest äußerlich in altem Glanz erstrahlt.

Das Schloss wird voraussichtlich noch in diesem Jahr an einen Investor verkauft, der es gemeinsam mit dem Rittergutsgelände entwickeln wird.

Betritt man das Schloss durch das südliche Eingangsportal, öffnet sich der Blick in ein schmuckloses Foyer. Jenes nüchterne Weiß ist der ideale Einstieg für eine zeitgenössische Kunstpräsentation. Beginnend im Foyer hat der in den Niederlanden lebende Künstler Andreas Hetfeld fast alle begehbaren Bereiche des barocken Wasserschlosses in einen Ort zwischen Zeit und Ewigkeit verwandelt: Entfaltung (Vol. 2).

Landmarke für die Lausitz

Direkt im Eingangsbereich, dem „Raum der Hoffnung“, präsentiert die Kuratorin Sabine Zimmermann-Törne gemeinsam mit dem von ihr initiierten Kulturverein ORLA e.V. zwei auf Strommastfragmenten sitzende Drahtfiguren. Diese waren 2018 aus der Zusammenarbeit mit Andreas Hetfeld entstanden. Gemeinsam hatten Künstler und Verein die Vision für eine Großskulptur im öffentlichen Raumentwickelt, die eine hoffnungsvolle Landmarke für die Lausitz bilden könnte, da sie weithin – sogar von der Autobahn sichtbar sein würde.

In der Beletage des Schlosses folgt direkt die nächste Überraschung. Hier hat Hetfeld den überaus gut erhaltenen, reich verzierten „Weißen Saal“ des Schlosses in einen „Raum des Lebens“ umbenannt, in dem er ein großes Metall-Ei assoziativ mit sinnlichen Fotoarbeiten von älteren nackten Menschen, die genau in einer jener metallenen Eihälften liegen, kombiniert. Und auch die leisen Arbeiten in den abgedunkelten Nebenräumen sensibilisieren nachhaltig unseren Umgang mit den Erinnerungen unserer Väter und Großväter.

Neben Hetfelds Blick auf die fragile Balance zwischen Mensch und Natur, dem Fragen nach Kreisläufen, dem Werden, Vergehen und Transformieren interessiert sich Hetfeld auch für die Frage, auf welche Art und Weise wir unsere Heimat und unsere Schutzräume gestalten sollten. Eindrückliches Zeugnis jener Auseinandersetzung ist das „Stacheldrahtnest“ im erstaunlich gut erhaltenen „Maurischen Zimmer“ des Schlosses.

Raum der Sehnsucht

Die nachhaltigste Wirkung erzielt schließlich die soundgewaltige Großinstallation „Raum der Sehnsucht“ im Dachgeschoss des Schlosses, wo Hetfield inmitten des Dachgebälks ein Heer aus stilisierten Barken geschaffen hat, wobei die am hellsten erleuchtete Barke die Seele seiner früh verstorbenen Frau hinwegzutragen scheint.

Prof. Monika Grütters (mi.), Bürgermeister Veit Künzelmann (re.) und Sabine Zimmermann-Törne (Kuratorin der Ausstellung, li.) am Stacheldrahtnest von Andreas Hetfeld im „Maurischen Zimmer“ des Barockschlosses in Wachau. Quelle: Rene Plaul

Zum Tag des offenen Denkmals am 8. September findet die offizielle Finissage der Kunstausstellung „Entfaltung ((Vol2))“ im Wachauer Barockschloss statt. Die Ausstellung wird allerdings erst im Oktober zurückgebaut, so dass die Kuratorin Sabine Zimmermann-Törne bis 30. September einzelne Führungen auf Anfrage für Gruppen ab 12 Personen ermöglichen wird. Führungsanfragen sind unter post@orlakultur.de möglich.

Bereits Ende August konnte die Kuratorin die Bundesstaatsministerin für Kultur und Medien, Prof. Monika Grütters durch die Ausstellung führen. Während des anschließenden Gesprächs kamen Frau Grütters und die anwesenden Gäste auch auf Erinnerungskultur und die identitätsstiftende Kraft von Kunst zu sprechen. Im Rahmen dessen wurden ihr einige Werke des Wachauer Künstlers Werner Juza vorgestellt, darunter das umweltkritische Ölgemälde „Der Ornithologe Dr. B“ von 1981.

Werner Juza: „Der Ornithologe Dr. B.“, Öl auf Holz, 1981 (Abb. beschnitten) Quelle: Werner Juza

Dieses hatte dazumal auf der IX. Kunstausstellung der DDR in Dresden 1982/83 den Publikumspreis erhalten. Grütters, von Juzas Œuvre sichtlich beeindruckt, bekundetet, dass sie ein großes Potential darin sähe, 30 Jahre nach der politischen Wende mit frischem Blick die Kunst und Errungenschaften der DDR zu erforschen und zugänglich zu machen und erklärte, dass man sich an Kunst ihrer Ansicht nach ruhig und gern reiben dürfe, weil erst die kritische Auseinandersetzung kulturellen Austausch stiften oder diese zu etwas Neuem führen würde.

Juza-Archiv für Wachau

Damit traf sie den Nerv der Zeit, schließlich arbeitet die Kuratorin und Kunstvermittlerin Sabine Zimmermann-Törne gemeinsam mit der Gemeinde Wachau aktuell an einem zweiten künstlerisch wichtigen Ausblick für den Kunststandort. Denn Wachau ist seit über 70 Jahren die Wahlheimat des Malers und Grafikers Werner Juza (*1924). Einige Erinnerungssequenzen des interessanten Zeitzeugen und Künstlers großer Wandgemälde, wie etwa dem 120 Quadratmeter großen Wendebild „Versöhnung“ im Haus der Kirche in Dresden (Festsaal der Dreikönigskirche), werden ebenfalls im Wachauer Barockschloss gezeigt. Neben seinen darüber hinaus stets präsenten Arbeiten in zahlreichen sächsischen Kirchen, wird auch die im Oktober eröffnende Sonderausstellung „Das Ende der Eindeutigkeit. Malerei aus der X. Kunstausstellung der DDR“ in der Städtischen Galerie Dresden ein Gemälde Werner Juzas präsentieren. Die Gemeinde hofft nun, ein Forschungsarchiv des Künstlers am Ort etablieren zu können und arbeitet, unterstützt durch LEADER-Mittel, derzeit gemeinsam mit der Familie an einem ersten Schritt zur Erfassung des im Atelier vorhandenen malerischen Œuvres.

Die Barockschloss Wachau mit der Ausstellung „Andreas Hetfeld. Entfaltung (Vol 2)“ ist zum Tag des offenen Denkmals (Sonntag, 8.9.) von 11 bis 17 Uhr geöffnet.

Bis 30. September sind Führungen auf Anfrage an post@orlakultur.de möglich.

Von Susanne Magister

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