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Regional Zum Ende des Festivals Festival „Appia Stage Reloaded“ in Hellerau
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16:40 24.09.2019
Design-Studenten aus Dresdens chinesischer Partnerstadt Hangzhou auf der Appia-Bühne mit „Raumübungen“ des Bauhauses. Quelle: Gabriele Gorgas
Dresden

Wie viel wissen wir eigentlich wirklich, was vor über 100 Jahren in Hellerau geschah, wie sich die Sehnsucht nach der Ganzheitlichkeit des Menschen neu formte und 1911/12 jene Bildungsanstalt Emile Jaques-Dalcroze erstand, die uns bis heute immer wieder Rätsel aufgibt. In Bezug auf das Tessenow-Bauwerk ebenso wie auf das Schulgeschehen, auf die Festspiele, Personen, Begegnungen oder Nachwirkendes. „Ein Werk wurzelt immer in der Persönlichkeit seines Schöpfers“ hatte einst der Bühnenreformer Adolphe Appia in seiner Schrift „Die Musik und die Inszenierung“ geäußert. Das beweist sich damals wie heute.

Für viel zu kurze Zeit wieder aufgelebt: Der Große Saal

Es ist also gewiss kein Fehler, sich auf Vergangenes zu besinnen und dabei Gegenwärtiges zu begreifen. Das am Wochenende im Festspielhaus beendete Festival „Appia Stage Reloaded“ – eine Art zweiter Schritt nach der ersten Rekonstruktion 2017 – hat uns wieder etwas klüger gemacht. Und auch begreifen lassen, dass der für viel zu kurze Zeit wieder aufgelebte Große Saal in der von Adolphe Appia und Alexander von Salzmann geprägten Eigenart doch immer etwas ganz Besonderes bleiben wird.

Am deutlichsten wurde das wohl jetzt bei „tension, break, pattern, intrigue“ mit den in Dresden wirkenden Tänzer-Choreografen Cindy Hammer, Joseph Hernandez, Johanna Roggan und Anna Till. Diese waren auch schon 2017 mit dabei. Sie haben Fragen gestellt, sich den Raum erobert und das Publikum auf ihre Weise mit einbezogen. Eine erfrischende, immer wieder zu variierende Arbeit, ohne Verfallsdatum.

Diese Art von Offenheit und kommunizierender Kunst gehört in Hellerau einfach mal dazu. Das war und ist stets zu spüren. Davon zeugte auch das wunderbar spielerische „home sweet home“-Projekt im Nancy Spero Saal, wo die Besucher unser aller Dresden gewissermaßen neu und kreativ erfinden konnten. Das haben sie auch ganz offensichtlich mit Freude, Fantasie und diversen Materialien getan. Zum Beispiel Walfische aus der Elbe ins Aquarium „verlagert“, eine „Geld-Waschanlage“ assoziiert, begehbare Straßen fabuliert oder ein „Schwarzes Brett“ mit Suchanzeigen, Bekenntnissen, Aufrufen „vollgepflastert“. Sehr sympathisch, völlig verkehrsberuhigt und anregend.

Emile Jaques-Dalcrozes Vsionen sind da

Im Großen Saal waren übrigens auch Design-Studierende aus Dresdens chinesischer Partnerstadt Hangzhou zu erleben, die auf der Appia-Bühne Szenen und Gestalten vorgestellt haben, welche sich auf die „Raumübungen“ des Bauhauses beziehen. Ein Projekt im Programm „Bauhaus Open Stage“ unter Leitung von Torsten Blume zu Gast bei „Appia Stage Reloaded“ mit chinesischen Gästen. Das war in jeder Weise anschaulich, hat den Spiel-Raum in Hellerau bestens erleben lassen.

Was ebenso Christine Straumer gelungen ist mit ihren Studierenden im Studiengang Rhythmik an der Hochschule für Musik Dresden. Die Professorin sorgt seit jeher mit weiteren hervorragenden Lehrkräften dafür, dass sich quasi an „historischer Stelle“ Studierende mit Rhythmik praktisch auseinandersetzen und dass sich in Dresden, Dresden-Hellerau seit bald zwei Jahrzehnten Rhythmiker international wie national bei Kursen begegnen. Dabei bleibt Emile Jaques-Dalcroze keine pure historische Erinnerung – seine Visionen sind da praktisch und zeitgemäß zu erfahren.

Was beim Festival 2017 noch weitgehend fehlte, quasi die ausschließliche Begegnung mit dem Appia/Salzmann-Saal, war nun mit insgesamt sieben Offerten als „Blaue Stunde“ stärker markiert. Wobei es schon besser scheint, diesen auch mit einer Aufführung zu erleben. Es ist eben nur die halbe Freude, wenn (mit Ausnahmen) nur mal so die irre Lichtpalette „durchgespielt“ wird (wo man sich natürlich auch entspannen kann), dabei aber der bahnbrechende Licht- und Bewegungsraum, um den es bei dem Festival in Hinblick auf „100 Jahre Bauhaus“ besonders ging, als solcher nur bedingt erkennbar ist.

Dafür gab es aber auch noch viele andere Gelegenheiten in diesen gerade mal zwei Wochen. Und es hat an neugierigen Besuchern vor allem im Umfeld der Vorstellungen und Konzerte nicht gemangelt. Der fast schon aussichtslose Kampf um Karten speziell für „Geometrisches Ballett“ war für manche allerdings dann schon frustrierend. Da hätte sich eine dritte Aufführung durchaus gelohnt.

Wobei es ja nicht unmöglich ist, die Arbeit irgendwann erneut ins Festspielhaus zu bringen. Der Bezug zu „100 Jahre Bauhaus“ könnte dann auch ein anderer sein. Und mit dem weitgehend unabhängigen „Lichtdesign“ von Ted Meier sowie ein paar nachempfundenen Appia-Podesten, die sich gewiss noch im Hause finden lassen, wäre das wohl auch ohne rekonstruierten Saal möglich.

www.hellerau.org

Von Gabriele Gorgas

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