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Regional Zum 85. Geburtstag von Wolfgang E. HerbstSilesius
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20:08 07.01.2020
Wolfgang E. HerbstSilesius, porträtiert in seinem Garten. Quelle: Luc Saalfeld
Meißen

Der im Goldgrund in Meißen lebende und arbeitende Maler, Holzschneider und Poet Wolfgang E. HerbstSilesius ist eine Schlüsselgestalt für das Verhältnis von Ost und West. Weder dort noch hier zu Hause, ist er doch bei sich angekommen, vereinigen sich in ihm beispielhaft Einflüsse aus Ost-und Westkunst auf dramatische Weise. Im Osten geboren, im Westen sozialisiert, führte das Schicksal ihn schließlich in den Osten zurück, 1987-1991 lebte er in Rumänien, seit 2003 in Meißen. Gemeinsam mit seiner Lebensgefährtin Else Gold gründete er dort 2004 die Arbeitsgemeinschaft FEI SU SHI-AG.

Der am 7. Januar 1935 in Weißstein/Niederschlesien geborene Künstler lernte zunächst Bäcker und Schriftsetzer. Die initiale Begegnung mit der Kunst hatte er als Flüchtlingsjunge 1945 bei einem galizischen Bauern in Polen, bei dem er mit harter Arbeit sein täglich Brot verdienen musste und der ebenso geflüchtet und umgesiedelt worden war, wie er selbst: Beim täglichen Fahren aufs Feld gelangte er in einen Hohlweg mit einem Wiesenstück, auf dem rosa blühende Steinnelken leuchteten, die aus dem rostbraunen Erdreich hervorsprossen. Dieses unscheinbare Ereignis war der Anfang von allem, die Erweckung zur Malerei. Beim Rücklings-Liegen auf den umgebenden Wiesen am Abend erblickte er den hohen Himmel und verliebte sich in die Weite des Raumes und der Sterne.

Die Musik

Licht und Musik sind wesensverwandte Phänomene. Hochbegabt, studierte HerbstSilesius in München Gesang. Heute ist für ihn das romantische Liedschaffen von Robert Schumann und Franz Schubert von besonderer Bedeutung, wie sein grafischer Zyklus aus 24 Blättern zu Schuberts „Winterreise“ zeigt, den er häufig mit Liedaufführungen in Sachsen präsentierte. Immer ist für ihn die Musik das Bindeglied zwischen Kosmos und eigenem Tun gewesen, auch, indem er bis heute selbst auf der Knickbassflöte spielt oder früher ein begabter Gitarrist und Lautenist war, der das Angebot eines bedeutenden Lautenlehrers, in seinen Unterricht zu kommen, ausschlug. HerbstSilesius wollte die Vielfältigkeit und die volle Entfaltung, auch, als er sich entschied, nicht in die Klasse von Josef Beuys an der Kunstakademie in Düsseldorf einzutreten, sondern seine eigenen Wege ging und dort freie Grafik studierte.

Der Holzschnitt

Der Holzschnitt hat HerbstSilesius lebenslang begleitet. Vieles hat sich in ihm seitdem verändert, aber dem Holzschnitt hat er Treue bewiesen. Dabei ging es ihm immer darum, sich nicht festzufahren, nicht in einer Form stecken zu bleiben. HerbstSilesius mag das penetrante Festhalten an einer Technik oder einem künstlerischen Ausdruck nicht. Durch die Beschäftigung mit Literatur und dem eigenen Dichten vertiefte er sein grafisches Verständnis.

W.E. HerbstSilesius: Belehrung, Holzschnitt, Japanpapier, 2018. Quelle: Repro: Künstler

Im Holzschnitt vereinen sich Natur und Imagination, Baum, Strauch, Blüte und Mensch. Das Holz wird zum Medium des Naturhaften. Die Form ufert aus, drängt nach Ausdruck und fingert sich in den Raum. Plötzlich verschwimmen fassbare Formen, und es entsteht eine neue Gestalt, die fremd und ungewohnt erscheint, aber an Altes, Vormaliges erinnert. Eigene Titel und Verse kommentieren das jeweilige Bild, Poesie und Grafik kooperieren miteinander.

Die Malerei

Das Wohltuende an der Malerei von HerbstSilesius ist ihre Vertrautheit mit dem Gegenstand, die Nähe, die sich als Tiefe und Erkenntnis über die Dinge erweist. Seine Blumenstillleben verblüffen durch eine besondere Lebendigkeit, eine Beseeltheit der Form, die alle Kälte abgeworfen hat. Vor dem Betrachter entsteht ein Bild der Fülle und stiller Schönheit, das durch die Ölkreide verstärkt wird. Auch in der Hinterglasmalerei (Herbstbaum) vereint er Mythisches und reale, gegenwärtige Substanz im feurigen Bunt der Farben vor einem tiefblauen Hintergrund.

Malerei und Holzschnitt alternieren, ebenso Gegenständliches und Abstraktes. HerbstSilesius arbeitet in Schüben, handelt es sich doch um einen lang andauernden Prozess unbewusster Vorbereitung, der durch einen Impuls ausgelöst, in meist kurzer intensiver Beschäftigung mit dem jeweiligen Medium gipfelt. Dabei drückt sich sein besonderes Verhältnis zum Holz, im Beschaffen des Rohmaterials und dessen Bearbeitung als etwas sehr Lebendiges aus, wie auch das Musizieren in einer innigen Beziehung zum Klang in einer anderen Form der Kommunikation mit dem Material.

Die Dichtung

Viele seiner Titel offenbaren den Dichter, der er auch ist in einem Augenzwinkern. Immer dient die Titelsentenz als Wegzeichen beim Schauen, beim Eindringen in seine grafische Welt und als Schlüssel zum Verständnis. Das Gegenständliche ist oft Metapher, in Form umgesetzte Weltsicht, I-Punkt und stoffliche Substanz seiner Geistigkeit. Dabei arbeitet er mit der Paradoxie, die in aphoristischen Wortspielen versteckt ist.

Manches ist bitter-komisch, anderes verführt zum Urlachen, das aus einem bricht. Natur und Landschaft, aber auch die menschliche Figur bilden die Folie seiner Kosmogonie. Hell leuchtet das Lichtweiß durch die tiefschwarzen, fein ziselierten Schatten der beinahe konstruktivistisch-informellen Flächen seiner Holzschnitte.

Das Staunen

Mitten im wechselnden Licht des Tages, in der Dunkelheit, im scheinbaren Nichts, dem Wetter ausgesetzt oder gehend unter ziehenden Wolken (wie der Wanderer bei Schubert), überkommt den Künstler das Staunen und die Faszination vor den Phänomenen der Natur, die ihm die Inspiration für seine Arbeit liefern, die ihn eins werden lässt mit dem Sein, eine Urverbundenheit mit dem eigenen Dasein, trotz oder gerade wegen des hohen Alters. Wolfgang E. HerbstSilesius ist ein hellsichtiger und zugleich kritischer Zeitgenosse und Künstler, der immer noch im Stillen Beachtenswertes und Sehenswertes schafft, wie seine monatlichen Holzschnittgaben („Holzlese“) an Freunde und Bekannte.

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