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Regional Zum 80. Geburtstag der Dresdner Tänzerin und Tanzpädagogin Hanne Wandtke
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12:42 19.11.2019
Hanne Wandtke Quelle: Christine Starke
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Dresden

Immer in Bewegung, gemäß ihrem Anspruch: „Ich wollte immer etwas zum Ausdruck bringen“, sagt Hanne Wandtke, die Dresdner Tänzerin und Tanzpädagogin, heute hier vor 80 Jahren geboren. Die Eltern liefen mit der Sechsjährigen 1945 vor den Bomben weg. Neuanfang in einfachen, aber musischen Verhältnissen. Erfahrung der Bewegung in Schule, Tanzgruppe, Sport. Die Entdeckung des Talentes, Eignungstest und Aufnahme an der Palucca Schule. Das bewegte Leben der Ausnahmekünstlerin Hanne Wandtke begann in der DDR, wo es ja mitunter besser war, ohne Worte zum Ausdruck zu bringen, was einen bewegte.

In Paluccas Sinne etwas weitergeben

Was sie bei Palucca lernte, bewegt sie bis heute. Das Improvisieren war ihre Sache, „mir wurde aber in einem Erfahrungsprozess, wie ihn auch Palucca durchlaufen hatte, klar, klassischer und neuer künstlerischer Tanz, wie sie ihn unterrichtete, müssen zusammenklingen“.

Später, nach Jahren als Tänzerin, beruft Palucca sie an die Schule. Hanne Wandtke wird 25 Jahre unterrichten, als Pädagogin für Neuen Künstlerischen Tanz, als Direktorin wird sie kurzfristig die Schule leiten, übernimmt dann das Prorektorat für die künstlerische Praxis und wird zur Professorin für Modernen Tanz und Improvisation. Und in diesen Funktionen, so Hanne Wandtke rückblickend, „habe ich versucht, in Paluccas Sinne etwas weiterzugeben, den Mut zu haben, mit dem Tanz etwas zu sagen, kritisch zu sein, Vorgaben zu hinterfragen, eigene Dinge zu verwirklichen, den eigenen Stil zu finden, sich dem Risiko zu stellen. Und wenn etwas schiefgeht, auch die Verantwortung zu übernehmen.“

Davor aber, nach dem Abschluss 1960 an der Palucca Schule, beginnt ihre 20-jährige Laufbahn als Tänzerin. Das erste Engagement führt sie zum Ballett des Deutschen Nationaltheaters in Weimar. Nächste Station ist Dresden, die Arbeit mit Tom Schilling, seine Achtung vor klassischer Technik, stets aber im Dialog mit der Kraft individuellen Ausdrucks.

Dann gehört sie in Berlin mit weiteren Auserwählten und Tom Schilling zu den Mitbegründern des Tanztheaters an der Komischen Oper. Walter Felsenstein hatte dem Haus mit dem von ihm begründeten Realistischen Musiktheater Anerkennung verschafft. Jetzt wollte er eine entsprechende Tanzkunst etablieren. Es war für Hanne Wandtke „eine großartige Zeit“.

„Kunst war Lebensmittel

Zurück geht sie nach Dresden, 1979 mit Harald Wandtke. Er übernimmt die Ballettdirektion, sie begründen am Staatstheater die Reihe „Kontraste“. Mit dem Mut der Tänzer zum Risiko wächst der Mut des Publikums, Improvisationen, politische Anspielungen, kunstvolle Codierungen zu entschlüsseln. „Die Aufführungen waren selten zu Ende wenn das Licht ausging. Sie gingen weiter, in der Kantine, in den Wohnungen oder wo man sich traf. Kunst war Lebensmittel.“

Ein umfunktionierter Laden, wo man sich traf, Projekte entwickelte und aufführte, ist heute in der Dresdner Neustadt das beliebte Kaffee „Kuchenglocke“ am Martin-Luther-Platz. „Hier war mein Wohnzimmer, die Tür immer offen“, sagt Hanne Wandtke, „es war eine Zeit des Aufbruchs, der Kreativität, der Bewegung.“ Und sie erinnert sich mit spürbarer innerer Bewegung: „Wir haben hier Horizonte durchbrochen, wir hatten Mordsspaß, politische Botschaften zu verschlüsseln. Natürlich war das zeitbedingt. Aber es hatte doch mit dem Ursprung des Tanzes zu tun auszureizen, was der Körper hergibt.“

Nach dem Ende der DDR wieder ein Neuanfang, die Gründung der Blauen Fabrik, „das war der Ort für das Zusammenspiel der Künste, Palucca-Schüler, Musiker der Jazz-Szene, bildende Kunst“. Daraus entwickelte sich die von ihr initiierte Reihe „TanzMalMusik“. In der Rückschau gibt das Motto von damals gut wieder, was eigentlich heute auch wieder dran wäre: „Tanz auf dem Dach“.

80 Jahre Tanz durchs Leben

Was wäre denn heute dran, gibt es Beispiele, woran soll man sich orientieren? Für Hanne Wandtke ist nach wie vor das Antikriegsballett „Der grüne Tisch“ von Kurt Jooss von 1932 ein Schlüsselwerk. Wären nicht gerade jetzt in Dresden auch so klare Positionen nötig?

Um rückwärtsgewandte Verklärung gehe es ihr nicht, sagt sie, „aber mir fehlen mitunter Kontraste. Ich sehe gute Tänzerinnen und Tänzer, aber ich erkenne so schwer, was sie bewegt, daher werde ich so selten bewegt. Sie sind gut ausgebildet, klassisch und modern, verstehen, diese Ansprüche zu verbinden, aber die Fähigkeiten eigener Bewegungsfindung durch die Improvisation sehe ich nicht, stattdessen zu oft Kombinationen der Techniken. Zeitgenössisch zu tanzen, heißt wach sein, mit allen Sinnen, ich möchte etwas mitgeteilt bekommen.“

Hanne Wandtke wurde mehrfach geehrt. Sie ist Mitglied der Sächsischen Akademie der Künste, erhielt den Verdienstorden des Freistaates Sachsen und den Kunstpreis der Stadt Dresden, wurde zur Ehrensenatorin der Palucca Hochschule für Tanz ernannt.

Und heute, zum Geburtstag, 80 Jahre Tanz durchs Leben, gibt es vielleicht nicht mehr die ganz großen Sprünge, aber mit kreativer Unruhe innerer Bewegtheit auf jeden Fall geht es ins neue Lebensjahr.

Von Boris Gruhl

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