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Regional „Würdest du mich verstecken?“ – Geoff Berner im Interview
Nachrichten Kultur Regional „Würdest du mich verstecken?“ – Geoff Berner im Interview
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15:05 10.12.2019
Geoff Berner Quelle: Genevieve Buechner
Dresden

Er gilt als der Begründer des Klezmer-Punks: raue, rhythmisch-tanzbare Musik mit politischen Texten. Spätestens seit 2005 ist der „Whiskey Rabbi“ Geoff Berner aus dem kanadischen Vancouver auch in Europa bekannt und geschätzt. Aktuell ist er mit seiner neuen CD „Grand Hotel Cosmopolis“ unterwegs, am heutigen Dienstag gastiert er im Societaetstheater. Mehr denn je beschäftigt er sich auf dem Album mit seinen jüdischen Wurzeln – und bringt das Schicksal der Juden in Verbindung mit dem der Flüchtenden heutzutage. Berner ist Punk, Jude, Linker. Auch im Gespräch nimmt er kein Blatt vor den Mund.

Geoff, auf deiner neuen CD „Grand Hotel Cosmopolis“ tauchst du tief ein in deine persönliche Geschichte, von der du sagst, dass sie stets mit dem Holocaust verbunden ist. Am stärksten ist das in „Would You Hide Me“ der Fall, ein Song, der musikalisch als hübsch beschwingter Tanz daherkommt, dessen Text sich aber anfühlt wie ein Schlag in die Magengrube. Fühlst du das wirklich so?

Geoff Berner: Oh ja, das ist so bei mir. Und viele Juden haben mir gesagt, dass sie ebenfalls stets die Frage „Würdest du mich verstecken?“ im Kopf haben, wenn sie jemanden kennenlernen.

Der Titel der CD hat eine Verbindung zu einem Projekt in Augsburg, das Geflüchteten Schutz bietet. Kannst du etwas über das Haus erzählen?

Das Grandhotel Cosmopolis Augsburg ist ein wunderbarer Ort. Sie bieten Geflüchteten und anderen Migranten umsonst eine gute Unterbringung und sind gleichzeitig ein Hostel, wo die Bewohner auch arbeiten und Geld verdienen dürfen. Aber sie müssen dort nicht arbeiten. Außerdem finden in dem Haus auch regelmäßig Kulturveranstaltungen statt. Es ist ein durch und durch humaner Ort. Für mich als Juden ist das unglaublich bedeutungsvoll, und ich genieße es sehr, Deutsche zu erleben, die Menschen helfen, die um ihr Leben fürchten müssen.

„Wir müssen wohl anerkennen, dass die Nazis niemals komplett verschwunden sind“

Auf der CD geht es viel um Solidarität. Glaubst du, es ist möglich, dass die Menschen die weit verbreitete Haltung überwinden, sich nur um ihr eigenes Wohlergehen zu kümmern?

Manche Menschen werden immer diese Haltung haben, aber ich denke, dass sehr viele Menschen sehen, dass wir alle sicherer leben, wenn wir gemeinsam dafür sorgen, jedem Sicherheit zu bieten. Tief im Innern weiß jeder, dass das stimmt. Wir bringen es den Kindern bei, wenn sie sehr klein sind. Alles was wir tun müssen ist, diese Haltung über den Kindergarten hinaus beibehalten.

Du kommst ein bisschen herum in Deutschland. Was ist dein aktueller Eindruck? Hat sich die Einstellung der Menschen geändert? Bist du in jüngster Zeit häufiger mit Antisemitismus konfrontiert?

Ich habe persönlich noch keinen Antisemitismus in Deutschland erlebt, lediglich Leute, die auf eine seltsame Weise ängstlich scheinen, wenn sie mir sagen, dass sie jüdische Freunde haben. Wenn ich allerdings in den Zeitungen lese, was in jüngster Zeit in Deutschland passiert ist, verstört mich das. Wir müssen wohl anerkennen, dass die Nazis niemals komplett verschwunden sind und immer wieder ein Comeback erleben werden, wenn wir es zulassen.

Dresden hat jüngst den „Nazinotstand“ ausgerufen – mit der Begründung, dass wir ein Riesenproblem mit Rechtsextremen haben und dringend etwas dagegen getan werden muss. Denkst du, dass solche politischen Aktionen hilfreich sind?

Ja, es ist sehr wichtig, zügig zu handeln und Nazis beim Namen zu nennen. Die AfD ist offensichtlich eine Nazipartei, und diejenigen, die Unterdrückung und Deportation von Asylsuchenden tolerieren, sind ebenfalls Nazis. Das muss laut gesagt werden. Natürlich reicht es nicht, einen Notstand auszurufen. Aber es ist wichtig, damit zu beginnen, präzise zu benennen, was vorgeht.

Dienstag, 20 Uhr, Societaetstheater, Geoff Berner mit Michael Winograd und Wayne Adams, Tickets 14 Euro

Von Beate Baum

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