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Regional Wie eine Inderin in Dresden Lust auf Kunst und Fotografie wecken will
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13:04 14.08.2019
Priyanka Oberoi zeigt hier zwei ihrer eigenen Werke. Auch ihre Schuhe hat sie selbst bemalt. Quelle: Steffen Manig
Dresden

Ein sonniger Sonntagmorgen in der Dresdner Neustadt. Die ersten Passanten sitzen frühstückend in den Cafés, die Partygänger erwachen langsam, der ein oder andere Feierwütige torkelt erst jetzt, kurz vor elf Uhr, nach Hause. Mein Weg führt am Assi-Eck vorbei, dann die Louisenstraße entlang bis zur ReckenEcke. Der etwas unscheinbare Spielfachhandel für Brett- und Kartenspiele ist mehrmals im Monat eher eine kreative Ecke. Denn dann bezieht Künstlerin und Fotografin Priyanka Oberoi mit ihren eigenen Workshops den Brettspiel-Laden.

Kurse wie „Acryl Pouring“, „Cyanotype- und Block Printing“ oder „String Art“ stehen dann auf dem Programm. Dabei entstehen Garnbilder, aus Acryl gegossene Gemälde oder Eisenblaudrucke. Oberoi bietet die kreativen Sommerspecials jedes Jahr von Juni bis August an – und hat mittlerweile einige Stammgäste. Dabei bleibt es stets international, die Workshops hält sie auf Englisch und Gäste aus aller Welt trudeln regelmäßig zu den Kursen ein. Ursprünglich stammt die Künstlerin aus Neu Delhi in Indien. Seit fast vier Jahren lebt die 31-Jährige allerdings in der Neustadt. Dorthin zog sie ihrem Mann hinterher, der in Dresden an einem Forschungszentrum tätig ist.

Laufbahn mit Umwegen

Künstlerin zu werden, hatte sie nie geplant. Sie besuchte eine technologische und mathematische Schule, danach wollte sie eine Ingenieurslaufbahn einlegen. „Aber ich war einfach nie richtig gut darin“, erinnert sich Oberoi. Erst im College hielt sie zum ersten Mal einen Stift zum Zeichnen in der Hand.

Der Funke sprang über, wie heute unschwer zu erkennen ist. Sie absolvierte eine Ausbildung in Bildender und Darstellender Kunst an der Univsersity of New Delhi, anschließend durchlief sie ein Studium der Fotografie am National Institute of Design. Mittlerweile hat die Künstlerin ihre Arbeiten in Großbritannien und Brasilien ausgestellt. Firmen wie Nike, Google oder RedBull gehören zu ihren Stammkunden.

Nach dem Studium begann die 31-Jährige, für die Zeitschrift Sport Illustrated zu arbeiten. „Ich bin viel gereist, habe viel gesehen. Aber irgendwann war es nur noch dasselbe: Fotografieren und ab ins Büro“, sagt sie. Nach zwei Jahren fing sie an, die Malerei und den kreativen Teil ihrer Ausbildung zu vermissen.

Deshalb nahm sie sich eine Auszeit und bestieg 2012 ihren ersten Berg, den 5020 Meter hohen „Roopkund“ im Himalaya Gebirge. Das habe etwas in ihr verändert. „Immer wenn ich in den Bergen bin, ist alles andere egal. Und wenn ich zurück komme, habe ich meistens eine andere Sicht auf die Dinge.“ Viele Probleme hätten sich so schon oft in Luft aufgelöst.

Mittlerweile hat die Künstlerin mehrere Bergsteigerausbildungen absolviert und sogar ihren Junggesellenabschied im höchsten Gebirge der Erde gefeiert. „Es ist eine tolle Möglichkeit, rauszukommen und in der Natur zu entspannen. Ohne, dass jemand in der Nähe ist“, sagt Oberoi. Mit dabei hat sie immer Skizzenbuch und Kamera. „Nach dem Aufwachen mache ich mir erst einen Kaffee. Dann fange ich an, zu zeichnen.“

Nach ihrer Auszeit begann sie, freiberuflich zu arbeiten. „Ich liebe die Sport Fotografie, ganz aufhören damit wollte ich deshalb nicht. Also mache ich das weiterhin nebenbei“, sagt sie. Zusätzlich beginnt sie, wieder zu malen. Und genug Zeit für das Bergsteigen bleibt nun ebenfalls.

Neue Ziele

In Dresden findet die Künstlerin Inspiration an jeder Ecke. „Die Stadt hat die perfekte Größe, sie ist nicht zu groß und nicht zu klein. Ich liebe die atemberaubende Kulisse und die Kontraste zwischen Alt- und Neustadt“, schwärmt die 31-Jährige. Vor allem die Architektur begeistert sie. Auf eigenen Fotowalks lädt sie deshalb dazu ein, die Landeshauptstadt in Szene zu setzten. Davor gibt es eine Einweisung mit Tipps für die richtige Kameraeinstellung und die wichtigsten Grundlagen.

Die Idee, hier vor Ort Workshops anzubieten, kommt nicht von ungefähr. Schon in Indien hat Oberoi Kunstkurse für blinde Kinder gegeben. „Dadurch sah ich die Kunst aus einer neuen Perspektive. Sie ist so ein visuelles und optisches Medium. Die Kinder fanden unglaublichen Spaß daran, Dinge zu gestalten – obwohl sie nicht sehen sondern nur fühlen konnten.“

Und auch die Location im Brettspielshop hat ihren Grund. „Als ich nach Dresden kam, kannte ich nicht viele Leute. Irgendwann kam ich durch Zufall in die ReckenEcke.“ Damit rutschte sie in die Brettspielszene. Kannte Oberoi bis dato nur Scrabble und Schach, hat sie mittlerweile mehr als 50 Spiele zu Hause. Sogar ihr eigenes hat sie schon entwickelt und auch selbst designt. „Mountain Mahabharat“ heißt es und handelt von einem Berg, den die Fotografin bestiegen hat. Zu kaufen gibt es das – natürlich – in der ReckenEcke.

Die diesjährigen Sommerworkshops werden aber erstmal die letzten in Dresden bleiben. Denn Oberoi zieht Ende September nach Brüssel. „Mein Mann hat dort eine neue Arbeitsstelle. Und ich ziehe natürlich mit“, sagt sie. Was sie in Dresden vermissen wird? „Alles“, sagt Oberoi. „Hier zu leben ist perfekt, für Fotografie und Kunst ist es ein Traum.“

Nächste Workshops am 4., 18. sowie 25. August um 11 Uhr, Fotowalk am 6. August um 18 Uhr. Teilnahmegebühr für Workshops 15 Euro (inkl. Materialkosten und Snacks), für Fotowalks 5 Euro. Anmeldung unter priyankakauroberoi@gmail.com

www.instagram.com/priyankakauroberoi oder www.facebook.com/CoffeeHarbour

Von Annafried Schmidt.

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