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Regional Wie die politische Debatte am Freiberger Theater ausgebremst wird
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11:07 17.06.2019
Das Mittelsächsische Theater in Freiberg. Quelle: Archiv
Freiberg

„Es ist das Recht künstlerischer Arbeit, gesellschaftspolitische Fragen zu reflektieren und Position zu beziehen“, heißt es in einer Erklärung der Kulturminister der Bundesländer vom 13. März dieses Jahres. So praktizieren es auch die Theater in Sachsen, die sich ausdrücklich als Orte des kommunalen Dialogs verstehen. Doch in der alten Bergstadt Freiberg kann man derzeit exemplarisch beobachten, was die AfD von diesem Postulat hält und was kulturpolitisch zu erwarten ist, sollte sie zu mehr Einfluss gelangen.

Über eine willige Stadtverwaltung reicht ihr Durchgriff inzwischen bis ins Mittelsächsische Theater hinein. Auf Druck der AfD-Stadträte untersagte der aus der SPD ausgetretene Oberbürgermeister Sven Krüger künftig solche Veranstaltungen. Die Stadt Freiberg ist neben Döbeln und dem Landkreis Mittelsachsen einer der drei Gesellschafter der Theater- und Orchester-gGmbH. Krüger war bereits mit dem gescheiterten Versuch, einen Asylbewerber-Aufnahmestopp für die Stadt zu erwirken, überregional bekannt geworden.

Vorwurf der Wahlwerbung

Den Anlass lieferte die dritte Diskussion der Reihe „Dialog – Wir haben die Wahl“ des Theaters am 28. März, die Intendant Ralf-Peter Schulze verantwortet. Zu Gast war die Publizistin Liane Bednarz mit ihrem Buch „Angstprediger“. Mit dem neuen örtlichen Pfarrer Michael Stahl diskutierte sie die Unterfrage „Wenn Christen Populisten werden“, moderiert vom FAZ-Journalisten Stefan Locke. Die am selben Tag zusammengekommene Gesellschafterversammlung hatte eine kurzfristige Verlegung vom Theater in den städtischen Festsaal beschlossen, angeblich wegen erwarteter Störungen. AfD-Anhänger, denen das Thema hörbar nicht passte, kamen aber in der Diskussion zu Wort.

Den beiden AfD-Stadträten genügte das nicht. In der Stadtratssitzung Anfang Mai musste OB Krüger in der Fragestunde auf ihre Anfrage antworten. Er zitierte seinen Brief, den er bereits im April vor der offiziellen AfD-Anfrage an das Theater geschrieben hatte. Darin knickt er vor der andauernden AfD-Kritik ein und unterstellt Intendant Ralf-Peter Schulze, „Wahlwerbung betrieben, Statuten verletzt und Geld zweckentfremdet zu haben“. In Zeiten des Vorwahlkampfes sei strikte Neutralität geboten. Deshalb dürften „derartige Veranstaltungen künftig nicht mehr in den Räumlichkeiten des Theaters organisiert und durchgeführt werden“.

Freier Raum der Kunst

Das Theater löschte zugleich einen Link zur „Erklärung der Vielen“, zu deren Erstunterzeichnern Intendant Schulze und Schausspieldirektorin Annett Wöhlert im vorigen Herbst gehörten. Der alleinvertretungsberechtigte Geschäftsführer Hans-Peter Ickrath zeigt Verständnis für das Verdikt der Gesellschafter. Man solle jeden Anschein meiden, nicht neutral zu sein.

Auf die „Erklärung der Vielen“ angesprochen, möchte Ickrath die Aufmerksamkeit der Internetnutzer lieber auf die Aufführungen in dieser wichtigen vorsommerlichen Spielzeitphase lenken. Einen Vergleich der beanstandeten Diskussion etwa mit der AfD-kritischen Inszenierung „Das blaue Wunder“ am Dresdner Staatsschauspiel will er nicht gelten lassen. Das sei der freie Raum der Kunst, und auch in Freiberg sprächen etwa zehn Prozent der Stücke politische Fragen an.

Stange: Einmaliger Vorgang in Sachsen

Eine andere Auffassung vertritt Sachsens Kunstministerin Eva-Maria Stange (SPD). Sie spricht von einem „einmaligen Vorgang in Sachsen“ und sieht die Kunstfreiheit gefährdet. „Wir benötigen den freien Meinungsaustausch mit allen“, fordert sie weiter. „Theater ist in gewisser Weise immer politisch und dient der Meinungsbildung“, schreibt auch die Freiberger Landtagsabgeordnete der Linken Jana Pinka. Sie weist die Vorwürfe von AfD und Oberbürgermeister zurück, es habe Wahlwerbung oder Propaganda gegen eine bestimmte Partei gegeben.

Für eine parteipolitisch intendierte Veranstaltung hätte er auch nicht zur Verfügung gestanden, erklärt Moderator Stefan Locke. Der dritte Diskussionsteilnehmer, Pfarrer Stahl, hat sich in einem kritischen und richtig stellenden Brief an den Oberbürgermeister gewandt. Intendant Schulze bemüht sich derzeit um eine Verständigung mit den Gesellschaftern, um die Diskussionsreihe am Theater fortsetzen zu können. „Das Theater ist überparteilich, aber nie wertfrei“, schreibt er in einem Aushang für die Belegschaft. Er sehe allerdings „ernsthafte Symptome eines gesellschaftlichen Wandels, denen es entgegenzutreten gelte“, ergänzt er im Gespräch.

Bewusst unpolitische Haltung ist bereits ein politisches Statement

Alle Theatermitarbeiter können zugleich einen Brief von Schauspieldirektorin Wöhlert an OB Krüger einsehen. Darin erläutert sie die simple Tatsache, dass eine bewusst unpolitische Haltung des Theaters bereits ein politisches Statement sei. Das Theater müsse auch keinen kulturellen Bildungsauftrag von oben verordnet bekommen, sondern verstehe sich von selbst so. Beide bieten einen „respektvollen Kontakt“ mit den Gesellschaftern an, zu dem es in absehbarer Zeit auch kommen soll.

Auch in Leipzig wehrt sich die Freie Szene derzeit gegen einen Extremismus-Vorwurf der AfD, die den unabhängigen Künstlern deshalb Fördergelder streichen will. Verschiedene Off-Bühnen und die AG Soziokultur haben wegen dieser Diffamierung eine Entschuldigung verlangt. Die AfD-Landtagsfraktion versucht bereits seit dem vorigen Sommer, unbequemen soziokulturellen Vereinen finanziell das Wasser abzugraben.

Von Michael Bartsch

Richtigstellung: In einer früheren Fassung des Artikels hatten wir berichtet, dass die Anfrage der AfD-Fraktion bereits vor dem Brief die OB an das Theater erfolgte. Dies ist unwahr und wurde geändert. Richtig ist, dass der Brief am 12. April geschrieben wurde und die Anfrage der AfD am 22. April 2019 einging. Die Redaktion.

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