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Regional Vielfältiges Programm bei der 23. Jüdischen Woche Dresden
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14:13 29.10.2019
Zur Festivaleröffnung spielt die Berliner Band Shmaltz im Gemeindezentrum der Jüdischen Gemeinde auf. Quelle: Pr
Dresden

„Hört mir auf mit Jiddisch!“, lautete die Überschrift einer Kolumne von Linda Rachel Sabiersim Sommer dieses Jahres in der Süddeutschen Zeitung, in der sie sich u.a. daran stieß, dass viele Deutsche mit jüdischen Begriffen zu jonglieren beginnen, „sobald sie erfahren, dass sie mit einem Juden sprechen“: Mazel Tov, Mischpoke, Meschugge. Jiddisch, das werde in Deutschland als „ulkiger Einheitsbrei“ verkauft, sei eine „Patina auf dem Begriff ,jüdische Kultur’, die in Deutschland selbst mit mühsamem Polieren an Ort und Stelle bleibt“.

Auf dass das Fremde zum Eigenen wird

Wer jetzt verstört reagiert und glaubt, hier würde einer Antisemitin Platz eingeräumt, dem sei versichert, dass die aus Köln stammende und in Berlin lebende Sabiers eine jüdische Deutsche ist und mit ihren Kolumnen mit falschen Vorstellungen über das Judentum aufzuräumen versuchte.

Nun lädt die 23. Jüdische Woche ihre Besucher dazu ein, ihre jeweiligen Ansichten auf den Prüfstand zu stellen und sich zu fragen, wer sie bzw. wer die anderen sind, was einen mit „Fremden“ verbindet und was vielleicht doch trennt, wobei die Hoffnung mitschwingt, wie im Programmheft einleitend zu lesen ist, dass das Eigene sich immer solange im Fremden wiedererkennen lässt, „bis das Fremde zum Eigenen wird“. Auch wenn die Planungen für die Jüdische Woche 2019 schon lange liefen, in gewisser Weise kann man das Festival nach dem Anschlag auf die Synagoge in Halleauch als Zeichen dafür erachten, dass man Teil des komplexen gesellschaftlichen Beziehungsgeflechts ist.

Das Motto der Woche lautet jedenfalls „Fremd & Eigen“, zum Programm gehören Konzerte, Theaterstücke, Filme, Lesungen, Führungen (etwa eine über den Alten Jüdischen Friedhof am 10.11.,14 Uhr), eine „Lange Nacht der Synagoge“ (9.11., 19. bis 22 Uhr), Hebräisch-Kurse, Tanz-Workshops ....

Kopfbedeckung nicht vergessen

Eröffnet wird das Festival, das vom 30. Oktober bis 10. November dauert, also de facto zwei Wochen und nicht nur eine, mit einem Konzert der Gruppe Schmaltz am morgigen Mittwoch, 19 Uhr, in der Jüdischen Gemeinde zu Dresden. Am Donnerstag lädt das Tel-Aviv-Trio in der Neuen Synagoge zu einer Reise durch die Geschichte der jüdischen Musik, zu Psalmen mit traditionellen, modernen und ganz neuen Melodien inklusive. Achtung: Jungen und Männer benötigen für den Besuch der Synagoge eine Kopfbedeckung, wer vergisst, eine mitzubringen, die jüdische Gemeinde hat Reserven an Kopfbedeckungen.

Am 10. November geht der angestrebte Dialog von 13 bis 18 Uhr im Hygiene-Museum auch durch den Magen: Das ehrenamtlich organisierte Food Festival „Gefilte Fest“ findet mittlerweile zum fünften Mal im Rahmen der Jüdischen Woche statt. Wieder sollen Workshops und Koch-Shows die heimische Küche mit leckeren Rezepten bereichern. Mitkochen ist im Rahmen von Workshops angesagt, egal ob es um Gerichte zum Mimouna Fest oder „Green Shakshuka“ geht. Man sollte auf alle Fälle zeitig reservieren. Das gilt auch für das authentische Schabbatmahl, das die Köche Hemdat Goldberg und Christoph Köhler am 11. November ab 19.30 Uhr im Restaurant Zeitlos im Militärhistorischen Museum zu kredenzen gedenken und bei dem sich Gaumenfreuden mit Live-Musik (das Duo Blauer Mond spielt Klavier und Klarinette) verbinden.

Kritischen finanzielle Lage

In bewährter Manier werden einmal mehr Hebräisch- bzw. auch Jiddisch- (Kultur- und Sprach-)Kurse angeboten. Dass das Programm sehr musiklastig sei, räumte Sarah Zinn, die die Festivalleitung inne hat, gegenüber den DNN ein. Das liege u. a. daran, dass Bands in der Regel günstiger zu buchen seien als ganze Theaterproduktionen.

Wie Sarah Zinn auch durchblicken lässt, „befindet sich die Jüdische Woche in einer kritischen finanziellen Lage“. Es droht die Gefahr, dass man künftig bei der Zahl der Veranstaltungen „drastisch kürzen“ müsse. Die institutionelle Förderung durch die Stadt beträgt 20.000 Euro, der Freistaat Sachsen gibt weitere 12.000 Euro. Der Rest des Etats muss über Spenden- sowie Eintrittsgelder gestemmt werden. Auch der CDU-Bundestagsabgeordnete Thomas Feist, Beauftragter der Sächsischen Staatsregierung für das Jüdische Leben, hilft als Schirmherr der Jüdischen Woche sehr, wie Zinn bekräftigte. Sie selbst gibt ihr Amt als Festival-Organisatorin „aus persönlichen Gründen“ nach 2019 ab, es laufen bereits Vorstellungsgespräche mit potenziellen Nachfolgern.

Erfreulich sei, dass das Interesse innerhalb der Jüdischen Gemeinde an dem Festival größer geworden ist. Sprachbarrieren älterer Gemeindemitglieder wie auch ein traditionelles Kulturverständnis hätten bewirkt, dass manche Veranstaltung auf geringes Interesse gestoßen sei. Manchmal ist es auch eine Frage des Veranstaltungsortes. Die Jüdische Woche hat ein Stammpublikum, aber das sei mit dem Festival mitgealtert – und um auch wieder jüngere Zuschauer zu locken, hat man sich bewusst dafür entschieden, die eine oder andere Veranstaltung in der Neustadt über die Bühne gehen zu lassen. Deshalb musizieren die Jewish Monkeys am 10.11., 18 Uhr, in der Groove Station und spielt Hila Ruach aus Tel Aviv ihren Indie-Rock am 6.11., 20 Uhr, im Alten Wettbüro.

www.juedische-woche-dresden.de

www.gefilte-fest-dresden.de

Von Christian Ruf

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