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Regional Viel Film allüberall: 31. Filmfest Dresden im April
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12:16 06.03.2019
„Tutorial“ von Dennis Todorovic ist Teil des Nationalen Wettbewerbs. Quelle: Filmstills/Filmfest Dresden
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Dresden

Wie sehr kann ein sechstägiges Filmfestival wachsen? Beim Filmfest Dresden hat man den Eindruck: gegen unendlich. Ist die Anzahl der Wettbewerbsprogramme annähernd gleich geblieben – 29 Beiträge in fünf Programmen des Nationalen Wettbewerbs und 47 Filme in sieben Blocks des Internationalen Wettbewerbs – stehen denen nochmals acht Sonderprogramme mehr als 2018 gegenüber.

Knapp 400 Filme aus 37 Ländern

37 sind es in diesem Jahr insgesamt. Alles in allem werden 388 kurze und längere Streifen an 16 Spielstätten gezeigt. Festivalkino ist dabei die gute alte, frisch sanierte Schauburg, deren zwei zusätzliche Säle natürlich gut zupass kommen. Ab dem 9. April also gilt es für Cineasten, logistische Überlegungen anzustellen und mit wenig Schlaf auszukommen.

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Sylke Gottlebe, nach vieljähriger Unterbrechung nun im zweiten Jahr wieder Festivalleiterin, stellte das 31. Filmfest Dresden jetzt der Öffentlichkeit vor. Premiere auch für den diesjährigen Trailer, in dem ein Filmfest-Preisträger von 2018, Robert Lönk, grafisch-smart bunte Elemente und Würmer zu rhythmischen Klängen tanzen lässt. Freuen kann sich das Filmfest über eine gestiegene Förderung des Sächsischen Ministeriums für Wissenschaft und Kultur sowie der Landeshauptstadt Dresden.

Mehr Geld als im Vorjahr

Insgesamt kann das Filmfest über etwa 30 000 Euro mehr an Fördermitteln verfügen als im Vorjahr. Gottlebe spricht von „Bestätigung und wunderbarem Zuspruch“. Dringend nötig auch, weil private Sponsoren immer mal wieder abspringen und dann händeringend neue gesucht werden müssen. Die 2018 kurzfristig gestartete Crowdfunding-Kampagne, so Gottlebe auf Nachfrage, brachte kaum etwas ein.

Nach wie vor gelten die beiden Wettbewerbe als „Herzstück“ des Filmfests, immerhin werden hier auch die wichtigsten Preise samt der Statuen des Goldenen Reiters vergeben. Insgesamt werden nach dem 14. April, wenn die letzten Vorhänge des diesjährigen Festivals gefallen sind, über 67 000 Euro an Preisgeld ausgereicht.

Die Kostprobe aus dem Nationalen Wettbewerb, Merlin FlügelsRoles of Play“, machte durchaus Lust auf mehr. Der animierte Streifen zeigt eine zerstörte Welt aus grafischen Elementen, in der sich die Figuren mit makabrem Witz bewegen. Das Sounddesign ist teilweise ebenfalls witzig, schielt jedoch etwas arg offensichtlich auf den Goldenen Reiter Filmtonpreis.

Vorfreude – ja oder nein?

Ob man sich hingegen auf den Internationalen Wettbewerb wirklich freuen kann, sei mal mit Fragezeichen versehen. Ricardo Brunn, Mitglied der Sichtungskommission, sprach davon, dass man sich gewünscht habe, viele Filme zu sehen, die die künstlerische Arbeit wieder in den Vordergrund stellen würden und das Spezielle des Mediums Film nutzen. Und man habe genau solche Filme auch bekommen.

Da ginge es um Spielerein mit Formaten oder Materialien, so würden reale Filmschnipsel vom Boden aufgelesen und zusammengefügt. Man habe den Eindruck, so Brunn, dass die jungen Filmemacher, nachdem sie alles im digitalen Bereich ausprobiert hätten, sich nun zunehmend mit der Geschichte des Films beschäftigen. Häufig gebe es auch „Hybride“: Werke, die sich zwischen Fiktion, dokumentarischer und experimenteller Form bewegen.

“Gimny Moskovii (The hymns of Muscovy)“ des Russen Dimitri Venkov läuft im Internationalen Wettbewerb. Quelle: Filmstills/Filmfest Dresden

Einen solchen „Hybrid“ gab es als Kostprobe zu sehen. „Color of November“ ist ein polnischer Film über das Zusammenleben zweier Lesben in einem Plattenbaugebiet, teilweise mit der immer noch für Authentizität eingesetzten wackeligen Handkamera gefilmt. Soweit, so mäßig interessant.

Wenn dann jedoch die eine Frau viel zu viel redet, in einer Sprache, die nun einmal nur ein Bruchteil des deutschen Publikums versteht, das somit damit beschäftigt ist, so schnell wie nur möglich die Untertitel zu verfolgen, dann fragt man sich schon, warum solch ein Film es in den Wettbewerb geschafft hat.

Kuba im Programm

Mehr Vorfreude erzeugte da der Vorgriff auf die insgesamt sechs Kuba-Programme des Rahmenprogramms. In jenen Programmen darf man sich auch auf einen seltenen Streifen der belgischen Avantgardistin der 60er Jahre Agnes Varda freuen sowie auf einen Originalbeitrag über Fidel Castros Besuch in Dresden.

Im Sonderprogramm Kuba ist „Salut les cubains“ zu sehen. Quelle: Filmstills/Filmfest Dresden

Eine Sonderreihe zu dem Dresdner Fotografen und Filmemacher Christian Borchert zeigt im Klemperer-Saal der Sächsischen Landes- und Universitätsbibliothek eine Retrospektive und „Zwischen Gestern und Heute“ verspricht Highlights aus 50 Jahren Filmgeschichte aus Sachsen.

So wird man dort seltene Farbaufnahmen von Ernst Hirsch sehen, als er noch zu NS-Zeiten den Zwinger abbildet und später die Neuaufbau-Jahre der DDR filmisch begleitet. In jenem Programm wird es auch einen DEFA-Film über die Sorben zu sehen geben sowie einen über die Chemnitzer Subkultur der 80er Jahre. Spannend!

Auch ein Kinder- und Jugendprogramm

Fünf Kinder- und Jugendprogramme, gestaffelt nach Altersgruppen, versprechen ebenfalls wieder allerbeste, im wahrsten Sinne kurzweilige Unterhaltung. Das gezeigte Appetithäppchen, der britische Animationsfilm „Flipped“, machte schlicht Spaß.

Wenig Spaß machen all die Hassreden, der pöbelnde Populismus der realen Gegenwart. An der TU Dresden wird über dieses Zeitphänomen in einem neuen interdisziplinären Themenfeld, genannt „Invektivität“ geforscht. Genau so ist nun auch ein Sonderprogramm betitelt, gemeinsam mit den Wissenschaftlern zusammengestellt. Vermutlich wenig spaßig, aber wohl leider notwendig in der 31. Ausgabe des Filmfests Dresden im Jahre 2019.

Mehr Informationen gibt es hier.

Von Beate Baum

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