Menü
Dresdner Neueste Nachrichten | Ihre Zeitung aus Dresden
Anmelden
Regional Tina Turner-Musical im Kulturpalast Dresden überzeugt nicht
Nachrichten Kultur Regional Tina Turner-Musical im Kulturpalast Dresden überzeugt nicht
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
18:17 08.01.2020
Der Dresdner Kulturpalast – hier gastierte „Simply the Best“(Archivbild). Quelle: Dietrich Flechtner
Dresden

Nein, es ist nicht das deutschlandweit gefeierte Musical „Tina“ von der Hamburger Reeperbahn, das sogar den Segen von Ms Turner höchstselbst erhielt, das da im Dresdner Kulturpalast gastierte. Schwer vorstellbar, wie in jenem Fall der Andrang ausgesehen hätte, nachdem bereits die Produktion „Simply the Best“ den großen Saal nahezu füllte – und das bei beachtlichen Eintrittspreisen.

Alle Tiefpunkte ausgespart oder geschönt

Nicht das erste Mal fragt sich die Rezensentin bei solch einer Gelegenheit, warum die Besucher dieses Geld nicht nehmen und dafür drei- bis viermal eine der kleineren Dresdner Locations aufsuchen. Wo sie dann originäre Künstlerinnen erleben könnten oder auch Coverbands, wenn dieser Wunsch im Vordergrund steht. These: Die meisten wollen die Musik, die sie kennen, in genau solch einer Form aufbereitet präsentiert bekommen. Nicht unbedingt als Musical, denn so dürfte sich diese Show eigentlich gar nicht nennen – das bisschen Herumgehampel, das da als Schauspielerei verkauft wird, ist der Rede nicht wert, viel schlimmer aber: Die absoluten Tiefpunkte, die für ein Musical konstituierend sind und im Leben der Tina Turner überreichlich vorhanden waren, werden hier schlicht ausgeblendet.

Diese Besprechung könnte mit der Feststellung abgeschlossen sein, dass „Simply the Best“ kein Wort darüber verliert, dass Ike Turner seine Frau misshandelt hat. Nicht nur betrogen, wie es da in einer kleinen Garderobenszene mit den Ikettes verhandelt wird, sondern: geprügelt und vergewaltigt. An einem Abend muss sie mit gebrochenem Kiefer auf die Bühne gehen, 1968 unternimmt sie einen Selbstmordversuch. So etwas nicht anzuführen ist schlicht unverzeihlich (durchaus auch im Sinne einer funktionierenden Musical-Dramaturgie!). Schlimmer noch: Wir haben es mit einer regelrechten Geschichtsklitterung zu tun, wenn es in dieser Show nur heißt, Tina habe Ike „nach wiederholtem heftigen Streit verlassen.“ Dann sei er in Folge von zu viel Kokain gewalttätig geworden.

„Hach, Tina – sie war doch die Größte!“

Das große Plus dieses Abends ist dann auf der gleichen Schiene zu finden und betrifft einen Erkenntnisgewinn: Passagen aus Medienberichten nach den allerersten Auftritten der „Ike and Tina Turner Revue“ in Deutschland werden ebenso zitiert wie solche nach ihrem grandiosen Comeback als Solokünstlerin Mitte der 80er. Und man möchte sich Augen und Ohren reiben, welche unsägliche Verknüpfung von Sexismus und Rassismus da offenbar wird. Der darauffolgende Gedanke: Gut, dass wir da weiter sind! Zumindest als Gesamtgesellschaft.

Wie diese Show das Thema behandelt, ist durchgängig schwierig. Bereits in der Eingangsszene, als Tina-Darstellerin Dorothea „Coco“ Flechtner mit akzeptabler Stimme den Titelsong „Simply the Best“ gesungen hatte, war da der Gedanke gewesen, dass man diese Frau nicht dazu bringen sollte, solch einen Glitzermini zu tragen. Direkt darauf wird ein Video mit der echten Tina Turner gezeigt, in der diese sagt, wie glücklich sie sei, nicht mehr auf die Bühne und keine kurzen Kleider mehr tragen zu müssen.

Nicht, dass der durch das Geschehen führende Conferencier das irgendwie kommentieren würde. Stattdessen folgt nur ein Seufzer: „Hach, Tina – sie war doch die Größte!“

Immerhin, dies sei als ein weiterer positiver Punkt hervorgehoben, gibt es im ersten Programmteil mehrere dieser Originalaufnahmen, Videos und Bilder. Ein echter Genuss, das zu verfolgen. Teilweise wird es auch sehr geschickt mit dem Show-Geschehen auf der Bühne zusammengeschnitten.

Es fehlt Elektrizität und Leidenschaft

Dieses hingegen ist längst nicht von der Qualität, die Kolleginnen darin gehört haben. Ein Highlight ist unbedingt Vasti Jackson als Ike Turner. Sein Gesang ist okay, das Gitarrenspiel hervorragend. Der Rest der Band, die drei Ikettes sowie die zwei Tänzerinnen sind solide, was aber die Hauptdarstellerin angeht, muss man fragen, ob Rezensentinnen, die davon schreiben, Flechtner sei „besser als das Orignal“, jemals etwas von Tina Turner gehört haben.

Bereits die ikonischen ersten Worte von „Nutbush City Limits“: „Churchhouse, ginhouse“ müssen wie Geschosse funktionieren und die Zuhörer in Flammen setzen. Nichts davon bei Ms Flechtner. Man hat den Eindruck, der Song würde zu schnell gespielt, weil sich nur das Tempo, nicht aber die ihm innewohnende Elektrizität und Leidenschaft vermittelt. Ähnlich ergeht es einem bei den anderen Überhits, sei es „Proud Mary“, sei es „River Deep, Mountain High“.

Die Comeback-Songs der 80er, sie funktionieren leidlich. Schließlich waren sie auch im Original mehr Schein als Sein.

Von Beate Baum

„Sachverstand und Leidenschaft für Kunst und Kultur“: Sachsen trauert um Ulf Großmann. Der gebürtige Dresdner war Präsident der Kulturstiftung und Mitglied des Sächsischen Kultursenats.

08.01.2020

Der Maler, Holzschneider und Poet Wolfgang E. HerbstSilesius wird 85. Er ist ein hellsichtiger und zugleich kritischer Zeitgenosse und Künstler, der immer noch im Stillen Beachtenswertes und Sehenswertes schafft.

07.01.2020

Nach dem Pianosalon sagte nun auch das Lingnerschloss eine Veranstaltungsreihe der Zeitschrift „Tumult“ mit Uwe Tellkamp und Egon Flaig ab. Die Veranstaltungen seien „inhaltlich nicht mit unserer Satzung und der notwendigen Neutralität des Fördervereins vereinbar.“

07.01.2020