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15:25 27.01.2019
Zehn mal zwölf Meter und zwei Geschosse hoch: der Kleine Ballsaal im Dresdner Schloss Quelle: Fotos (3): Dietrich Flechtner
Dresden

Als der Freistaat im Herbst 2013 schon einmal in den Georgenbau des Dresdner Schlosses geladen hatte, sah man im Kleinen Ballsaal nach oben ins Leere. Die Wände zeigten zaghaft erste Proben von Stuck und Marmor. Hier spielte die Zukunftsmusik. Dringlicher waren damals in diesem Teil des Residenzschlosses die Fertigstellung des Münzkabinetts (Juli 2015) und des neuen Teils der Rüstkammer („Weltsicht und Wissen um 1600“; Januar 2016). Dann kam noch die Notsanierung der Sempergalerie am Zwinger dazwischen und brachte die Ressourcen durcheinander.

Gold in Überfülle im prachtvollen Saal, der ab Sonntag mit einer Eintrittskarte regulär besucht werden kann. Quelle: Dietrich Flechtner

Raum prunkt mit Kristalllüstern

Jetzt aber sind auch alle später hinzugekommenen Terminverschiebungen vergessen. Gestern konnte Marion Ackermann, die Generaldirektorin der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden (SKD), den goldenen Schlüssel für den Kleinen Ballsaal von Ministerpräsident Michael Kretschmer entgegennehmen. Der nur rund zehn mal zwölf Meter große, sich aber über zwei Geschosse hoch streckende Raum prunkt mit Kristalllüstern, edlem Tafelparkett, gemalten Blumenkindern, Stuck und viel Gold. Hebt man jetzt den Kopf hoch, ist man vom Glanz förmlich erschlagen. Die üppige Deckengestaltung ist der Höhepunkt des Saales, in dem schon bald die Musik ganz real spielen wird.

König Johann von Sachsen würde zufrieden sein, könnte er sehen, was heute aus dem von ihm in Auftrag gegebenen Bauwerk geworden ist. Sein Standbild befindet sich quasi in Reichweite, ist für Besucher aber nicht sichtbar. Dafür haben sie die beste Sicht auf Stallhof und Frauenkirche. Johann ließ den Saal ab 1865 im einstigen Wohnbereich der sächsischen Königin Amalie Auguste von Bayern errichten. 1868 war er – als letztes Bauprojekt im Georgenbau – fertig. Entworfen hat ihn Hofbaumeister Bernhard Krüger, ein Schüler Gottfried Sempers, was die optische Nähe zur Semperoper erklärt. Im Stil des Historismus sind Formen der Hochrenaissance aufgenommen. Genutzt hat der Hof den Saal für kleinere Gesellschaften und Kammerbälle.

Bei der Bombardierung der Stadt 1945 blieb auch vom Kleinen Ballsaal nicht viel übrig. Das Wenige, ein paar Details an der Südwand, inklusive Relikt der Zerstörung, ist in die Rekonstruktion integriert worden. Auch die drei Kaminleuchter konnten gerettet und restauriert werden. Das große Ganze aber ist die Arbeit von Restauratoren, Künstlern, Denkmalpflegern und vielen anderen Beteiligten. Auch wenn es teuer ist – reichlich sechs Millionen Euro kostete das neue Kleinod –, „Denkmalschutz kann man nicht halb machen“, befand Kretschmer. In der Landeshauptstadt vollendet sich peu à peu nicht nur „einer der bedeutendsten Museumskomplexe Europas“, so der Ministerpräsident, dies sei zugleich ein wichtiger Beitrag zur Erhaltung historischen Bewusstseins und handwerklicher Leistungen.

Aufwändige Restaurierungen bis ins Detail – mit vorhergehenden intensiven Farbdiskussionen. Quelle: Dietrich Flechtner

Als Basis für die Wiederherstellung dienten Materiallisten aus der Entstehungszeit, ein Aufmaß von etwa 1900 sowie Fotografien von Hermann Krone, erläuterte Ulf Nickol, Niederlassungsleiter des bauverantwortlichen Staatsbetriebes Sächsisches Immobilien- und Baumanagement (SIB). Allerdings waren die Fotos Schwarz-Weiß-Aufnahmen, was intensive Farbdiskussionen mit sich gebracht habe. Sein Vorgänger Ludwig Coulin betonte, dass kein Schloss so gut dokumentiert sei wie das Dresdner und der Grundstein hierfür schon in der DDR gelegt wurde. Coulin gehört nach wie vor der Gestaltungskommission des Schlosses an.

In den 1960er Jahren sah es von offizieller Seite aber nicht nur gut für die Ruine aus. Der Georgenbau sollte sogar abgerissen werden – für eine bessere Sicht auf den Kulturpalast. Das wusste der damalige Chefkonservator Hans Nadler zu verhindern. Er schlug vor, die Bauleitung in eben diesen Ballsaal einzuquartieren, statt teurer Baracken zu bauen. So erfuhr der Georgentrakt schließlich schon damals seinen Wiederaufbau. Unter dem jetzigen Parkettboden befindet sich Stahlbeton aus jenen Jahren, wusste Nickol zu berichten, eine günstige Basis.

78 000 Blatt Gold

2007 begannen die Bauplanungen, 2014 wurde der Bauauftrag erteilt für ein Projekt, das „Subtilität und Fülle“ in sich vereint, wie Ackermann sagte. Dazu ein paar Zahlen: Verwendet wurden 78 000 Blatt Gold, was einem Gewicht von 1400 Gramm und einer vergoldeten Fläche von 410 Qua-dratmetern entspricht. Für die Feuervergoldung der Leuchter wurden 3600 Gramm Gold benötigt und 7777 neu anzufertigende Kristallteile – nur 86 waren erhalten geblieben. Laut Nickol betrug der Materialwert des Goldes 300 000 Euro. Einen viel höheren Wert habe die handwerkliche Leistung. Firmen wurden deutschlandweit beauftragt, wobei rund 60 Prozent aus Sachsen kamen.

Mit dem Kleinen Ballsaal beginnt ein ertragreiches Jahr. Er gibt als erster Einblick in höfisches Leben, ist selbst Ausstellungsstück und kann ab diesen Sonntag mit einem Ticket der SKD besichtigt werden. Für das kommende Jahr stellt Ackermann hier Konzerte und andere Veranstaltungen in Aussicht. Die Akustik habe man schon getestet, sagte sie den DNN. Zuvor aber sollen noch weitere Räumlichkeiten vollendet werden. Im September folgt die Eröffnung der Paraderäume. Für Dezember ist die Fertigstellung des Langen Ganges geplant.

Seit 2013 hat der Bund den Ausbau und die historische Wiederherstellung des Residenzschlosses mit 29 Millionen Euro unterstützt. Seit 1990 sind bisher insgesamt 341 Millionen Euro in das Projekt geflossen.

Von Genia Bleier

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