Menü
Dresdner Neueste Nachrichten | Ihre Zeitung aus Dresden
Anmelden
Regional Suboptimal: Hygiene-Museum in Dresden mit Besucherminus
Nachrichten Kultur Regional Suboptimal: Hygiene-Museum in Dresden mit Besucherminus
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
Jetzt kostenlos Testen Zur Anmeldung
08:51 17.02.2020
Der nächsten Sonderausstellung „Future Food“ soll 2020 wieder eine zweite folgen – im Herbst. Quelle: Anja Schneider
Anzeige
Dresden

Ein offenes U gen Osten, hin zur aufgehenden Sonne, die Rückseite aber zeigt Richtung Stadtmitte. So streckt sich das Hygiene-Museum, ein architektonischer Leitbau in Dresdner Innenstadtnähe. Wie aber wird sich das unmittelbare Umfeld, die sogenannte Lingnerstadt, entwickeln? Eine Frage, die mit dem Eigentümerwechsel des Areals im Dezember nun wieder völlig offen ist – auch wenn der Baubeginn naht.

Nur eine Sonderausstellung in 2019

„Wir wünschen uns, dass hier ringsum Leben reinkommt“, umreißt Museumsdirektor Klaus Vogel seine Erwartungen. Das würde auch die Aufenthaltsqualität für Museumsbesucher deutlich verbessern. Und trotz des neuen Eigentümers für das Lingnerstadt-Areal und den damit erst einmal wieder neu zu verhandelnden Plänen für das gesamte Gelände hat Vogel auch eine klare Vorstellung für die benachbarte Robotron-Kantine. Sie soll ebenfalls bald mit Leben erfüllt werden. Ihren weiteren Verfall, der zu beobachten sei, bezeichnet er als „nicht hinnehmbar“ und „kontraproduktiv“. Wichtig sei ein schneller Baubeginn, auf den er hoffe.

Anzeige

Weiterlesen: Dresdner Lingnerstadt verkauft: Was wird jetzt aus der Robotron-Kantine?

Aber auch im Museum selbst herrscht derzeit nicht nur eitel Sonnenschein. Für 2019 räumt Vogel einen klaren Besucherrückgang ein. Mit rund 257.000 zahlenden Gästen kamen deutlich weniger als 2018, als es knapp 292.000 waren. Diese fehlenden zwölf Prozent bezeichnet Vogel als „nicht vom Himmel gefallen“. Das Minus resultiert ziemlich klar aus dem Umstand, dass 2019 nur eine Sonderausstellung im Haus eröffnet wurde: die noch bis 19. April laufende Schau „Von Pflanzen und Menschen“. Auf eine zweite habe man verzichtet, „um notwendige Rücklagen nicht anzugreifen“, sagt Vogel.

Einblicke in die Sonderschau "Von Pflanzen und Menschen"

Dresdner Ausstellung verspricht „Streifzug über den grünen Planeten“

Damit sei das Hygiene-Museum weniger in der Öffentlichkeit gewesen, habe weniger Gesprächsanlass geboten. Auch deshalb soll es 2020 wieder zwei Sonderausstellungen geben: ab 21. März „Future Food. Essen für die Welt von morgen“ und ab 26. September „Im Gefängnis. Vom Entzug der Freiheit“, eine trinationale Kooperation mit dem Internationalen Rotkreuz- und Rothalbmondmuseum in Genf sowie dem Musée des Confluences in Lyon. Zwei jährliche Sonderausstellungen sollen das Minimum bleiben. 2020 kommt noch die Neugestaltung eines Raums in der Dauerausstellung hinzu.

Museumsdirektor Klaus Vogel (l.) und der Kaufmännische Direktor des Hauses Lars Bahners Quelle: Anja Schneider

Auch bei der finanziellen Ausstattung des Hygiene-Museums gibt es Licht und Schatten. Dazu muss vor allem eins kurz angerissen werden: die Organisation des Hauses. Denn hinter dem Museum steht die Stiftung Deutsches Hygiene-Museum, eine rechtsfähige Stiftung des bürgerlichen Rechts, die 1999 gegründet wurde. Die Stiftung erhielt bis 2013 jährlich jeweils 2,5 Millionen vom Freistaat Sachsen und der Landeshauptstadt Dresden. Seither stiegen die Kostenbeiträge, 2020 werden sie bei 6,15 Millionen Euro liegen.

Das ist ein Erfolg – doch die inflationsbedingt über 20 Jahre hin entstandene Finanzierungslücke ist damit nicht geschlossen. Im Stiftungsrat habe man sich bei diesem Thema mittlerweile Gehör verschaffen können. „Unsere strukturelle Unterfinanzierung ist kein Streitpunkt mehr“, sagt Lars Bahners, Kaufmännischer Direktor des Museums. Sein Ziel, das er für das Haus sieht, wiederholt er mehrfach: Planungssicherheit. Was dabei nicht leiden soll und darf: Umfang und Qualität der Museumsarbeit.

Bewerbermangel und Sanierungsstau

Auf anderem Gebiet, das ebenfalls eng mit Geldflüssen verknüpft ist, besteht nicht weniger Handlungsbedarf. „Seit 1999 arbeiten unsere Mitarbeiter nach Haustarifvertrag“, erzählt Vogel und bezeichnet die Situation als „nicht befriedigend“. Bei den Stiftern sei ein Bewusstsein für das Problem vorhanden, eine Lösung aber noch nicht gefunden. Während mittlerweile in den meisten Kultureinrichtungen in kommunaler oder Landesregie – wenn auch manchmal schleppend und zähneknirschend – die öffentlichen Tarifsysteme eingeführt worden sind, ist das im Hygiene-Museum seit mehr als zwei Jahrzehnten immer noch nicht der Fall. Diese Voraussetzungen führen auch dazu, „dass Bewerbungen nicht mehr waschkorbweise eingehen“, wie Vogel die Lage beschreibt.

Was dabei nicht zu vergessen ist: Das Gebäude selbst befindet sich im Eigentum der Stiftung. Aufkommende Probleme wie Sanierungen muss das Haus also selbst lösen, natürlich gemeinsam mit den Stiftern. „Der Dachbereich beschäftigt uns beispielsweise schon Jahre“, erzählt Vogel. Die Situation sei eben anders als bei anderen Museen, betont auch Bahners noch einmal. Das Haus sei Teil des Stiftungsvermögens, „und wir sind für den Erhalt zuständig“.

Für zusätzlich notwendige Investitionen habe der Freistaat 100.000 Euro für das Hygiene-Museum übers Jahr eingeplant. Voraussetzung, das Geld abrufen zu können, ist eine Kofinanzierung der Stadt in gleicher Höhe. Da gebe es Wohlwollen bei der Stadt, sagt Vogel, schränkt aber sofort ein, dass es eben kein fester Haushaltsposten sei.

Als Direktor hofft er langfristig aber auch noch etwas anderes. Vogel würde es gern sehen, wenn sich der Bund noch stärker und vor allem dauerhaft für das Hygiene-Museum engagieren würde, über die bisherige Investitions- und Projektförderung hinaus. Immerhin sitzt schon ein Vertreter der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien mit im Stiftungsrat. Vogel betont dabei vor allem die Einzigartigkeit „seines“ Museums. Und er hat ja auch das nicht von der Hand zu weisende Argument parat, dass das Hygiene-Museum zu den 23 kulturellen Leuchttürmen in Ostdeutschland gehört, die im Blaubuch nationaler Kultureinrichtungen versammelt sind.

Von all dem scheint aber die tägliche Arbeit im Museum fast gänzlich unberührt. Im Sonderausstellungsbereich nimmt sich Kuratorin Viktoria Krason Zeit, durch noch leer wirkende Räume zu führen und die Phantasie des Betrachters mit Blick auf „Future Food“ anzuregen. Produktion, Handel und Konsum von Lebensmitteln werden in der neuen Ausstellung thematisiert. Und im Foyer zeichnet sich Wandel ab. Dort wird ab 1. April – also nur wenige Tage nach Eröffnung von „Future Food“ – das Restaurant des Hauses unter dem Namen „Museumsküche“ mit einem anderen Pächter neu eröffnen.

Also doch noch ein paar gute Nachrichten.

www.dhmd.de

Von Torsten Klaus

Am Sonnabend gastierte der Poetry-Slammer, Autor und Lese-Kabarettist Patrick Salmen mit seinem neuen Programm „Ekstase – ist doch auch mal ganz schön“ in der Dresdner Schauburg. „Ein Rammsteinkonzert, nur langsamer und ohne Pyrotechnik“, verspricht er. Unsere Redakteurin Kaddi Cutz hat das mal überprüft.

16.02.2020

Geschichte muss man nicht erlebt haben, um sie zu spüren. Das zeigt die aktuelle Ausstellung „Geboren nach ’89“ im Goethe-Institut. Für diese interviewten und fotografierten zwei Italiener 20 junge Menschen aus Dresden, Bonn, Bari und Triest. Eine Reise durch verschiedene Biografien.

16.02.2020

Die neue Jahresausstellung des Münzkabinetts im Dresdner Residenzschloss zeigt Ansichten von Städten auf Münzen, Medaillen und Papiergeld. Die Schau wartet mit gut 180 Objekten auf, darunter 60 aus Deutschland. Bei der Gestaltung griffen die Medaillenkünstler und Münzeisenschneider vielfach auf druckgrafische Vorlagen und Bücher zurück.

16.02.2020