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Regional Spuren einer Reise – Etta Scollo spielt in der Dreikönigskirche Dresden
Nachrichten Kultur Regional Spuren einer Reise – Etta Scollo spielt in der Dreikönigskirche Dresden
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14:49 11.12.2019
Etta Scollo. Quelle: Piero Chiussi
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Dresden

Es gibt nur wenig, wonach sich die Deutschen jahrhundertelang so gesehnt haben wie nach Italien. In der Schatztruhe unserer geflügelten Worte gibt es eine ganze Hauptabteilung, die davon Zeugnis ablegt. Das Sortiment reicht von „Kennst du das Land, wo die Zitronen blühen“ bis „Wenn bei Capri die rote Sonne im Meer versinkt“. Und wer es ausgefallener mag, der zitiert, was Albrecht Dürer anno 1501 aus Venedig an seinen Freund Willibald Pirckheimer in Nürnberg schrieb: „O, wie wird mich nach der Sonnen frieren!“

Den Völkern, den Frauen und Kindern auf Wandeschaft gewidmet

Mehr als nur einen Hauch von Sonne und Süden beschwört nun die CD „Il viaggio di Maria“ herauf, die die wechselweise in Berlin wie in Catania auf Sizilien lebende Musikerin Etta Scollo eingespielt hat und die im Freiburger Label Jazzhaus Records erschienen ist. Für ihr mittlerweile 13. Album hat Scollo traditionelle Weihnachtslieder aus der jahrtausendealten Schäfer- und Hirtenkultur Siziliens zusammengetragen, die die Reise der mit dem Jesuskind schwangeren Maria von Nazareth nach Bethlehem thematisieren. Die Reise war notwendig geworden, weil, wie es im Evangelium des Lukas heißt, „ein Gebot von dem Kaiser Augustus ausging, dass alle Welt geschätzt würde“.

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Schon seit den 1980er-Jahren beschäftigt sich die sozialkritisch und politisch engagierte Künstlerin mit dem Schicksal von Flüchtlingen, entsprechend ist das Album auch den Völkern, den Frauen und Kindern gewidmet, „die seit Menschengedenken auf der Wanderschaft in die kommende Zukunft sind“. Das Lied „San Giuseppe e Maruzza“ bezeugt, wie Josef und Maria aus der kleinen kalten Grotte, in der ihr Kind geboren wird, ihr Zuhause machen.

Mitleid, Sorge, Ehrfurcht oder auch Freude

Die 14 Stücke des Albums sind definitiv keine Weisen, wie sie in Kirchen angestimmt, sondern eher auf öffentlichen Plätzen der Dörfer und Städte Siziliens gesungen wurden. Erschlossen hat sich die Sängerin diese Liedkultur, die mündlich und von Generation zu Generation weitergegeben wurde, vor allem über das Archiv des Ethnomusikologen Antonino Uccello, der in den 1960er-Jahren durch Sizilien gereist war, um die Lieder der Landbevölkerung in Tonaufnahmen zu sammeln.

Unterschiedlichsten Empfindungen – Mitleid, Sorge, Ehrfurcht oder auch Freude – wird in den Liedern durch facettenreiche Instrumentierung und variantenreichen Gesang Ausdruck gegeben. Mit Daniel Moheit am Akkordeon und Multiinstrumentalist Fabio Tricomi, der von der Rahmentrommel und dem Dudelsack über diverse Flöten auch noch die Oud oder die Mandoline spielt, wird an ganzes Tableau an Stimmungen erzeugt.

Sonntag, 20 Uhr,Dreikönigskirche: Konzert mit Etta Scollo im Rahmen der Reihe „Musik zwischen den Welten“, Karten 19,80 Euro im Vorverkauf

Von Christian Ruf

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