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Regional Spielzeitstart im tjg mit gleich vier Premieren
Nachrichten Kultur Regional Spielzeitstart im tjg mit gleich vier Premieren
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20:02 30.09.2019
„Die Zertrennlichen“ mit Adrienne Lejko und Gregor Wolf. Quelle: Marco Prill/tjg
Dresden

Dass am Theater Junge Generation (tjg) im Kraftwerk Mitte wunderbare Schauspieler immer wieder am „Nachwachsen“ wie auch schon längst dabei sind, weiß man ja. Und überhaupt gibt es an diesem Hause so manches, woran man sich stets erfreuen kann. Zum Beispiel diese auffällige Lust am Entdecken neuer Theaterstoffe, das Aufspüren wahrhaft guter Texte und auch die Art und Weise, wie das junge Publikum permanent ins Theatergeschehen einbezogen ist.

Manchmal aber ist dieses Potenzial dann noch mal ganz besonders verblüffend. Und da staunt und wundert man sich gleich drei Tage lang. Gemeinsam mit vielen neugierigen Premierenbesuchern jeglichen Alters. Wer sagt da eigentlich, Kinder könnten im Theater nicht still sitzen? Und sie würden auch nichts begreifen, wenn es zu kompliziert sei? Sie können durchaus! Und die anderen auch. Wenn die Geschichten nur spannend, schlüssig und gut erzählt sind. Dann ist nichts unmöglich.

Ein einziges Bühnenbild

Gleich vier Premieren an drei Tagen offerierte das tjg nun zum Spielzeitbeginn 2019/2020. Und dieses inhaltsreiche „Paket“ sorgte wahrhaft für überraschende Begegnungen. Passend zum übergreifenden Thema „Anders leben als Du“. Wobei es Berührungspunkte ja nicht allein nur in den Inhalten gibt, sondern auch in den Erzählweisen wie im szenischen Erscheinungsbild.

Besagtes Premieren-Quartett kam auf der Kleinen Bühne vom tjg im Kraftwerk Mitte mit einem einzigen, jeweils etwas abgewandelten oder sich im Spiel verändernden Bühnenbild aus. Von Konstanze Grotkopp, die auch für abenteuerlich wechselnde Kostüme sorgte. Eine Art von Guckkastenbühne mit breitem Rahmen, zum Publikum hin mit einer geneigten, begehbaren Spielfläche. Hinter der sich alles Mögliche verbergen lässt. Oder noch besser, einfach nur zu assoziieren ist. Dazu gibt es wechselnd eingesetzte Farn-Bilder sowie der jeweiligen Thematik entsprechende Licht-, Klang- und sonstige Spiele.

Das Schöne daran ist, dass die Darsteller diverse Möglichkeiten nutzen können, um sich zu verwandeln, rasante Identitätswechsel vor aller Augen vollziehen und auf verschiedenste, auch musikalische und „beleuchtende“ Weise unmittelbar in das Geschehen eingreifen. Zudem gibt es jede Menge Doppelgänger, assoziierte Brüder, Schwestern, Rollenwechsel oder Fabelwesen. Manchmal verirrt man sich auch in dieser Welt, wo vieles anders, aber dann doch irgendwie erkennbar, erfahrbar ist.

Unglaublich gut gespielt

Bei „Die Sprache des Wassers“ beispielsweise (Regie: Wojtak Klemm) ist das Spiel der beiden jungen Darstellerinnen wunderbar beeindruckend. Und auch die dicht erzählte Geschichte von Sarah Crossan (aus dem Englischen übersetzt von Cordula Setsmann und von Sylvia Sobottka für das Theater an der Parkaue eingerichtet) trägt deutlich zu dieser Eindringlichkeit bei.

Gina Markowitsch und Lola Mercedes Wittstamm spielen in irren Personen- und Szenenwechseln das Mädchen Kasienka aus Danzig, jene „Polin in Coventry“, die mit ihrer Mutter nach England gekommen ist, um den abtrünnigen Vater zu suchen, und auch noch weitere Gestalten. Das unsichtbare Schwimmbad im Hintergrund assoziieren die Zuschauer (Choreografie: Anna-Maria Damm) vor allem dann, wenn die Mädchen beim Trainieren ihre Bahnen ziehen. Ein höchst spannendes, bestens in Szene gesetztes Stück, das sich einprägt.

In „WiLd!“, eine Arbeit des bekannten kanadisch-englischen Autors Evan Placey (übertragen aus dem Englischen von Frank Weigand, inszeniert von Nils Zapf) wird die Geschichte eines Jungen erzählt, der mit sich und seiner Krankheit (ADHS) leben muss, wobei er nur schwerlich begreifen kann, was an ihm so anders sein soll. Mit Marie Therese Albrecht als Billy – unglaublich gut gespielt – und Kilian Bierwirth als ständig quirliger, Bälle werfender, irritierender Schatten ist das ein nicht minder aufregendes Erlebnis und eine gute Wahl für den nächsten Theaterbesuch in Familie.

Marie Therese Albrecht und Kilian Bierwirth als Billy und Schatten in „WiLd!“ Quelle: Marco Prill/tjg

Begonnen hatte die dichte Premierenfolge übrigens mit „Die Zertrennlichen“, einem Stück des französischen Autors Fabrice Melquiot, inszeniert ebenso von Wojtek Klemm. Hier geht es um zwei Kinder, die sich in ihren erdachten „Kokons“ quasi einspinnen, auch, um zu vergessen, was ihnen von den Eltern widerfährt. Sie freunden sich an, leben in Fantasieräumen ihre Träume und kommen wiederholt in Schwierigkeiten. Adrienne Lejko als Sabah und Gregor Wolf als Romain spielen diese Geschichte eindringlich. Wobei manches auch noch mehr verdichtet sein könnte. Im Text, im Spiel? So genau lässt sich das gar nicht sagen.

Zum Abschluss gab es „Patricks Trick“ von Kristo Sagor. Der elfjährige Patrick soll einen Bruder bekommen, aber irgendetwas stimmt dabei nicht – die Eltern schweigen sich darüber aus, reden nur im Geheimen. Der Junge, gespielt von Julian Lehr, und sein imaginärer Bruder (Alexander Sehan) sucht sich überall Hilfe, um zu begreifen, was es mit dem Down-Syndrom so auf sich hat, aber er kommt damit nicht weiter. Quasi ein Weg des Scheiterns. Bis er sich auf sich selbst besinnt und dabei Kraft findet. Ein recht kompliziertes, verschachteltes Stück, an dem die Zuschauer ziemlich zu kauen haben. Und offenbar auch die Spieler. Aber da lässt sich ja noch etwas machen.

www.tjg-dresden.de

Von Gabriele Gorgas

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