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Regional „Spielplatzhirsche“: In der Comödie Dresden hadern drei Männer mit dem Vaterdasein
Nachrichten Kultur Regional „Spielplatzhirsche“: In der Comödie Dresden hadern drei Männer mit dem Vaterdasein
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14:10 09.09.2019
Charlotte Heinke, Benjamin Sommerfeld, Daniel Völz und Ramón Hopman (v.l.) Quelle: Robert Jentzsch
Dresden

„An sich kann jeder Vollpfosten Vater sein, aber nur jemand ganz Besonderes ist auch ein Papa“ – lautet eine alte Erkenntnis. Ob die drei Männer in dem Stück „Spielplatzhirsche“, das jetzt in der Comödie Dresden Premiere hatte, mehr als nur Väter sind, ist geraume Zeit nicht klar. Sie wirken überfordert, vor allem Paul, der zu jenen Männern gehört, die der Kindskopf-Phase noch nicht entwachsen sind.

Ungemein schmissig interpretiert

Nun mag es für Frau ja irgendwie süß sein, wenn das Kind im Manne immer wieder durchkommt, aber gänzlich unreif ist halt auch nicht schön. Paul jedenfalls ist auf dem Spielplatz eingeschlafen, nun ist sein Sprössling weg. Zum Glück kann ihn eine Obdachlose, die auf dem Spielplatz eigentlich ihr Nachtlager aufschlagen wollte, darüber aufklären, dass es wohl die Mutter war, die das Kind einsammelte und mitnahm.

Nun könnte Paul an sich zu Frau und Kind gehen, aber er packt erwartungsfroh eine Karaoke-Anlage aus, was im Verlauf des Abends dazu führen wird, dass etliche Lieder gesungen werden – es ist von der Gattung her eben eine Karaoke-komödie, die Christian Kühn, der künstlerische Leiter der Comödie Dresden, verfasst und auch regietechnisch in Szene gesetzt hat. Die Songs, etwa „We found Love“ der R&B-(Rhythm and Blues)Röhre Rihanna oder auch die Soulnummer „So wake me up“ von Aloe Blacc, werden in der Regel ungemein schmissig interpretiert, so dass die Stimmung im Saal regelmäßig emporschnellt und eifrig mitgeklatscht wird, wenn der Spielplatz regelrecht zum Musikschnuppen mutiert.

Es ist lange eine hübsche Geschichte, die auf der als Spielplatz mit Klettergerüst und Sandkasten ausstaffierten Bühne (Ausstattung: Alexander Martynow) gesponnen wird. Der Zuschauer wird Zeuge, wie drei doch recht unterschiedliche Typen mit der Vaterrolle irgendwie hadern, weil nichts mehr ist, wie es einst war, seit sie einen Wecker haben, der eine Windel trägt. Der gleich sechsfache Vater Bernd etwa hat das letzte Mal durchgeschlafen, als er einen Blinddarmdurchbruch hatte und im Krankenhaus lag. Florian wiederum ist nur zu gern im Büro, diesem „magischen Ort ohne Kinder“. Und Paul, der den „Schlachtereigeruch im Kreißsaal“ nicht vergessen kann, fragt, wie es sein kann, dass es Entbindung heißt, wenn es doch einen damit erst recht bindet, zumal mit einer Partnerin, bei der man zweifelt, ob sie die Richtige ist.

Charlotte Heinke spielt alle Damen

Alle drei sind durchaus sympathisch, auf keinen würde das Etikett „Psycho Dad“ zutreffen. Psycho Dad? Nun, das ist der Held der Lieblings-TV-Serie von Al Bundy aus der US-Sitcom „Eine schreckliche nette Familie“.

Nun steht und fällt eine Komödie ja nicht zuletzt mit den Akteuren auf der Bühne. Und da hat die Comödie keinen Missgriff getan. Daniel Völz, der zumindest einigen durch sein Mitwirken im RTL-Format „Der Bachelor“ ein Begriff sein könnte, spielt recht ansprechend Florian, Benjamin Sommerfeld erobert als Paul die Herzen der Zuschauer im Sturm, und Primus inter pares in Sachen Schauspielkunst ist der Niederländer Ramón Hopman als in Bademantel und Sandalen herumschlurfender Bernd.

Der mit holländischem Akzent parlierende Hopmann und Sommerfeld müssen auch kurz mal auf schwules Pärchen machen – eine von vielen Szenen, bei denen man ob des Timings beim Ausspielen von politischer Inkorrektheit innerlich den Hut zieht. Es gibt noch ein paar Damenrollen, und die werden alle von Charlotte Heinke gegeben – und sind auch nicht von schlechten Eltern.

Schade ist allenfalls, dass der stete Gag-Fluss massiv abbricht, als sich das Geschehen auf dem Spielplatz als Outdoor-Übung entpuppt und sich erweist, dass der maskuline Teil des „pädagogischen Begleitpersonals“, wie Eltern in gewissen Kreisen ja mittlerweile genannt werden, von einer Psychologin eine Art Therapiestunde bekam. Und bei allem Witzeln übers Vaterdasein – letztlich wird dem Publikum vermittelt, dass die Veränderung des Blickwinkels auf die Welt nach der Geburt eines Kindes keinesfalls eine ultimative Katastrophe sein muss, auch wenn sich so mancher Tag nach „Stirb langsam“ anfühlen mag.

Spielplatzhirsche

Nächste Vorstellungen: Montag, 15. & 17. bis 22. September, Comödie Dresden

Karten ab 19 Euro, Tel. 0351 / 866410

www.comoedie-dresden.de

Von Christian Ruf

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