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Regional Spektakulärer Einbruch in Dresden – Wie gut abgesichert war das Grüne Gewölbe?
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13:53 26.11.2019
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Dresden

Die Betroffenheit ist mit Händen zu greifen. Als erst die Führungsriege der Polizei, dann die des Museums den Saal betritt, hat man sofort den Eindruck, auf einer Beerdigung zu sein. Was nicht ganz falsch ist, schließlich spielt Trauer im Nachgang dieser Kriminalgeschichte, die alles andere als eine Räuberpistole ist, eine große Rolle. Die Trauer darüber, dass das Undenkbare wahr geworden ist: ein Einbruch ins Historische Grüne Gewölbe, ins Herzstück des Dresdner Schlosses. Ein Juwelendiebstahl, der tatsächlich das Attribut eines Jahrhundertverbrechens bekommt.

In das Grüne Gewölbe in Dresden ist ein Einbruch verübt worden. In den Ausstellungen lagern mehr als 4000 zum Teil einzigartige Exponate.

In welcher Kategorie das Geschehen angesiedelt ist, das am Montagmorgen um 4.59 Uhr mit einem Notruf aus der Sicherheitszentrale der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden (SKD) bei der Polizei bekannt wurde, dafür liefert ironischerweise die Tatsache einen Hinweis, dass eben kein finanzieller Gegenwert für die gestohlenen Exponate (bis zu 100 Einzelstücke aus drei Edelstein-Ensembles) genannt wird.

Weiterlesen: Chronologie – so lief der Einbruch ins Grüne Gewölbe in nur wenigen Minuten ab

Es handle sich um einen „unschätzbaren kunsthistorischen und kulturhistorischen Wert“, lautete die Einschätzung der SKD-Generaldirektorin Marion Ackermann. Von „einer Art Weltkulturerbe“ sprach der Direktor des Grünen Gewölbes, Dirk Syndram. Es gebe nirgendwo in einer Sammlung in Europa eine Juwelengarnitur, die in dieser Form, dieser Qualität und dieser Quantität erhalten geblieben sei, fügte er an. Ackermann bezeichnete die prunkvollen Preziosen als „Staatsschatz des 18. Jahrhunderts“.

Gitter? Sicherheitsglas? Elektronische Hürden?

In vier Vitrinen des sogenannten Juwelenzimmers, des am prachtvollsten eingerichteten Raumes im Historischen Grünen Gewölbe, waren insgesamt zehn Edelstein-Garnituren ausgestellt, eine Vitrine mit drei Garnituren wurde ausgeraubt. Das Diebesgut ist mit Diamanten und Brillanten durchsetzt. Auch Perlenschmuck ist verschwunden. Zu den gestohlenen Stücken zählen die Hutagraffe der Diamantrosengarnitur, eine große Brustschleife und Haarschmuck in Form von Sonne und Mond (beide mit Brillanten), Bruststern und Kleinod des polnischen Weißen Adler-Ordens, der Degen mit Scheide aus der Diamantrosengarnitur sowie eine Kette aus 177 sächsischen Perlen.

Suche nach den Tätern und ihrer Beute

Gitter? Sicherheitsglas? Elektronische Hürden? Keine unüberwindbaren Hindernisse für die beiden Einbrecher, die vom Sicherheitspersonal am frühen Morgen auf der Videoüberwachung gesehen worden waren. Trotz unmittelbaren Notrufs und schnellen Auftauchens der Polizei sind sie offenbar auf dem selben Weg wieder aus dem im Erdgeschoss liegenden Historischen Grünen Gewölbe entkommen, auf dem sie sich Zugang verschafft hatten: durch ein Fenster, dessen Gitter sie vorher zerstört hatten. Weitere Tatbeteiligte sind laut Polizei nicht ausgeschlossen.

Kleiner Lichtblick: Nicht der gesamte Inhalt der zerstörten Vitrine soll gestohlen worden sein, sagte eine SKD-Sprecherin am Montagabend auf DNN-Anfrage. Wie viele Stücke die Diebe schlussendlich stehlen konnten, blieb jedoch noch offen.

Menschenleben sind mehr wert als Exponate

Generell wird beim Pressetermin im Dresdner Schloss aber klar, dass sich das unbewaffnete Sicherheitspersonal des Museums strikt an die Vorgaben hielt und die Polizei rief. In allen Museen der Welt gelte die Maxime: Menschenleben sind mehr wert als Exponate, sagte Ackermann. Sie machte auch klar, dass bei den Staatlichen Kunstsammlungen in Fragen der Sicherheit immer ein Abgleich geschehe, sobald weltweit in Museen etwas passiert sei, das dazu Anlass gebe.

Eine andere wichtige Frage blieb jedoch unbeantwortet: Ob es vor der Videosichtung der Einbrecher einen elektronischen Alarm gegeben hat. „Das ist noch unklar“, sagte Jörg Kubiessa, Leiter der Polizeidirektion Dresden. Syndram hielt dagegen: „Ich gehe davon aus, dass es einen solchen Alarm gegeben hat.“ Für den Fall, dass dieser Alarm nicht ausgelöst wurde, müsste das Sicherheitskonzept des Dresdner Museumsverbundes von Grund auf überarbeitet werden.

Michael John, Technischer Direktor der SKD, hatte sich im DNN-Interview zur Wiedereröffnung des Historischen Grünen Gewölbes im September 2006 mit Blick auf die Sicherheit des Hauses optimistisch gezeigt. Zusammen mit dem Landeskriminalamt sei eine Bedrohungsanalyse ausgearbeitet worden, sagte er damals. „Als Ergebnis existiert ein mechanisches Sicherheitskonzept – also wenn jemand mit physischer Gewalt versuchen sollte, gewaltsam Türen oder Fenster aufzuhebeln. Und elektronisch sorgen wir unter anderem dafür, dass die Videoüberwachung und andere Signale, die uns Unregelmäßigkeiten anzeigen, in der Sicherheitszentrale zusammenlaufen.“ So beschrieb John vor 13 Jahren die Umstände. Auch über „brachiale Gewalt“ sei in diesem Kontext nachgedacht worden. Umso bitterer, dass das brachiale Vorgehen der Täter erfolgreich war.

Der Verkauf gestohlener Diamanten ist schwer

Ackermann zeigte sich am Montag schockiert über die Brutalität des Einbruchs. Die ebenfalls aus Sicherheitsglas gebaute Vitrine ist laut Polizei von den Einbrechern mit einer Axt zertrümmert worden. Das ist auch im Überwachungsvideo zu sehen, das die Täter zeigt. Zumindest dieses Detail erinnert an den Diebstahl einer riesigen Goldmünze vor zwei Jahren in Berlin. Man sei mit den dortigen Kollegen deswegen in Kontakt, sagte der Dresdner Kripo-Chef Volker Lange. Er sprach in dieser Hinsicht von einer „Routineüberprüfung“.

Aufgrund der großen internationalen Bekanntheit der gestohlenen Stücke ließ Ackermann aber auch Zuversicht walten. Sie hofft, dass das Diebesgut aufgrund der „internationalen Bekanntheit“ nicht auf dem Kunstmarkt verkauft werden kann. Andererseits zeigte sie sich besorgt, die Garnituren könnten zerstört und deren Steine einzeln veräußert werden.

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Der Verkauf gestohlener Diamanten auf dem freien Markt ist laut Experten aber extrem schwer. Wie Margaux Donckier, Sprecherin des Diamantenhandelszentrums von Antwerpen, dem wichtigsten einschlägigen Handelsplatz der Welt, sagte, sind die Händler eng vernetzt und haben über Datenbanken Zugriff auf Angaben zu gestohlenen Steinen weltweit. Hehler dürften sich auf dem Antwerpener Markt auch nicht sicher fühlen: Die Händler hätten einen direkten Draht zur belgischen Polizei.

Nicht nur im Freistaat, auch auf Bundesebene hatte die Tat ein politisches Echo ausgelöst. Kulturstaatsministerin Monika Grütters bezeichnete den Einbruch als „ein hochkriminelles und offensichtlich generalstabsmäßig durchgeführtes Verbrechen und möglicherweise ein Auftragswerk“. Sie hoffe auf einen schnellen Fahndungserfolg, sagte die CDU-Politikerin Grütters den Sendern RTL/n-tv. „Ein solcher Raub trifft die Kulturnation Deutschland ins Herz. Das sind ja Stücke von hoher nationaler identitätsstiftender Wirkung.“ Der noch stärkere Schutz von Museen und Kultureinrichtungen sei eine Aufgabe höchster Priorität.

Von Torsten Klaus

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