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Regional Sonnenblumen und Stromausfall – Dieter Thomas Kuhn am Elbufer
Nachrichten Kultur Regional Sonnenblumen und Stromausfall – Dieter Thomas Kuhn am Elbufer
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15:58 15.07.2018
Dieter Thomas Kuhn und Kapelle während ihres Dresdner Auftritts am Freitag, dem 13. – das Datum wirkte sich durchaus auf das Konzert aus. Quelle: Andreas Weihs
Dresden

Gleich vorweg: Ganz so groß und stimmungsvoll wie in vergangenen Jahren war die Schlager-Party mit Dieter Thomas Kuhn am Freitagabend auf dem Gelände der Filmnächte keineswegs. Dennoch hatten sich die Retro-Jünger wieder in Schale geschmissen, frische Sonnenblumen und gute Laune mitgebracht. Dass sie dieses Mal nicht so zahlreich wie zu früheren Zeiten an das Elbufer kamen, was soll’s? Und wie sich später zeigen sollte, spielte wohl auch das Datum eine kleine Rolle in der Show: Freitag, der 13.

Kuhn ist sich für nichts zu schade. Die Fönwelle sitzt, das Brusthaar-Toupet ist gerichtet, glitzernde Blümchen zieren seinen Anzug und ein Schlangenmuster seine Schuhe. Zusammen mit der Musik ein Gesamtkunstwerk. Traditionell geht es in den Abend mit „Musik ist Trumpf“, der bekannten Erkennungsmelodie der gleichnamigen Peter-Frankenfeld-Show aus den 1970ern. Zu den letzten Tönen laufen die Musiker ein und es beginnt mit „Sag mir quando, sag mir wann“. Dann geht es Schlag auf Schlag: „Fiesta Mexicana“, „Schön ist es, auf der Welt zu sein“, natürlich „Über den Wolken“, „Ich war noch niemals in New York“ und „Amore Mio“ – allesamt allseits bekannte Gassenhauer, die zum Mitsingen einladen. Oder zum Schwenken der mitgebrachten Sonnenblumen in der Luft.

Kuhn, die singende Fönwelle, erlebte einiges am Elbufer und war sich für nichts zu schade. Hier einige Impressionen. Fotos: Andreas Weihs

Das Mitsing-Programm ist seit Jahren mehr oder weniger gleich. Kuhn tänzelt durch die Musiker seiner Kapelle und singt die alten Lieder, die andere bereits bekannt gemacht haben. Dabei schrammeln die Gitarren und der Beat zieht an. Vielleicht etwas zu sehr, denn plötzlich bricht der Sound abrupt ab. Scheinbar verursachten die Instrumente einen Stromausfall, nichts kommt mehr aus den Lautsprechern. Die Techniker wirbeln sofort, Kuhn überbrückt: „Singt etwas für mich.“ Die Fans lassen sich nicht lange bitten, vielleicht haben sie sogar schon auf diese Gelegenheit gewartet. Zur Melodie von „Sierra Madre“ singen sie immer wieder den Namen des Sängers, der die Huldigung gern und geduldig entgegennimmt. Nach wenigen Minuten der technischen Ruhe geht es laut weiter im Retro-Hit-Modus und noch einmal singt er von „einer neuen Liebe, die wie ein neues Leben“ ist, optisch untermalt von langstieligen, gelben Blumen, die vor ihm in der Luft wedeln.

Dieter Thomas Kuhn ist die personifizierte ZDF-Hitparade, eine Jukebox der frühen deutschen Schlagergeschichte, eine Zeitmaschine, die nur ein Ziel kennt: die 1970er und ihre oft schlichten, eingängigen und populären Hits. Kuhn verwirrt seine Zuhörer auch nicht mit ausgefeilten, neuen, feinsinnigen Arrangements. Sein Beitrag zum dargebrachten Liedgut ist in den meisten Fällen der Speed. Seine Versionen ziehen das Tempo an, wirken dabei manchmal sogar etwas hysterisch. Wenn er die Vokale in die Länge zieht, geht ein Johlen durch die Zuhörerreihen. Aber: Liefert Kuhn nun musikalischen Stillstand oder ist er eine verlässliche Konstante in einer immer schnelllebigeren Welt? Es könnte durchaus Letzteres sein. Kuhn bedient die Sehnsucht nach Bekanntem, nach schönen Erinnerungen, nach Verlässlichem. Und nach Melodien, zu denen man träumen kann, von einer heilen Welt. Das macht er zur Freude seiner Fans am Königsufer auch an einem Freitag, dem 13., bis weit über die Abenddämmerung hinaus.

Von Andreas Weihs

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