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Regional So war das Sinatra-Musical „That’s Life“ im Kulturpalast Dresden
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19:38 20.02.2020
Laut Marlene Dietrich der „Mercedes Benz unter den Männern“: Frank Sinatra. Quelle: UPI
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Dresden

„Sinatra-Doktrin“ nannte man die Öffnung der Sowjetunion Ende der 1980er-Jahre, weil Moskaus Außenamtssprecher Gennadi Gerassimow gesagt hatte: „Sie kennen Frank Sinatra und sein Lied ,I did it my way’ (Ich machte es auf meine Art)? Nun, Polen und Ungarn machen es jetzt eben auf ihre Art.“ Nun machen es Polen und Ungarn zum Kummer mancher Europäer noch immer auf ihre Art, geblieben sind, das ist erfreulicher, die Songs Frank Sinatras, dessen Auftritte in jungen Jahren vor allem bei Backfischen eine Ekstase auslöste, wie sie ähnlich erst wieder im Zuge der Beatles und der Stones zu beobachten war.

Ein nonchalanter, altersmilder und ein junger Sinatra

Sinatra, das war der pure Sex. Der Manager der Paramount, Bob Weitman, erinnerte sich später: „Als er anfing zu singen, standen sie auf und schrien und stöhnten so lange, bis ich dachte, entschuldigen Sie den Ausdruck, er hätte seine Hosen heruntergelassen.“

Sinatra ist seit 1998 tot, aber da das Geschäft mit der Vergangenheit ergiebig ist, wurde in der Unterhaltungsschmiede des Produzenten Oliver Forster das zweieinhalbstündige Musical „That’s Life“ gestrickt, das Frank Sinatras Leben erzählt und jetzt im Dresdner Kulturpalast zu sehen war. Tam Ward spielt den älteren Frank Sinatra, der auf sein Leben zurückblickt und nonchalant und altersmilde gesteht, dass er ein „naughty boy“ gewesen sei, ein schlimmer Finger also. Schlagzeilenträchtig war das Leben Sinatras in vielerlei Hinsicht, das trifft auf seine Amour fou mit der Schauspielerin Ava Gardner ebenso zu wie auf seine legendären „Rat Pack“-Auftritte und Saufgelage mit Sammy Davis jr. und Dean Martin, die zum Glück nicht mit erhobenem Zeigefinger reflektiert werden.

Während Ward Englisch spricht, befleißigt sich der von Janko Danailow gespielte jüngere Sinatra des Deutschen. Durch geschickte Kulissenschieberei und Hintergrundprojektionen sieht man, wie Sinatra sich zunächst in Hoboken/New Jersey als singender Kellner durchschlägt und seiner Jugendliebe Nancy Barbato die ewige Treue verspricht, dann aber bricht. Oder wie er etwa in Las Vegas aufschlägt, das zunächst in der Tat jenes Sodom und Gomorrha war, von dem der Darsteller eines Mafioso in dieser Show geradezu mit Stolz in der Stimme spricht. Ja, Sinatra hatte wohl (er selbst stritt das ja ab) Verbindungen zur Mafia, das wird nicht unterschlagen.

Was das politische Engagement angeht, wird Sinatras Unterstützung des Demokraten John F. Kennedy mit viel Stars und Stripes ins Bild gerückt, nicht aber das Engagement für den hierzulande deutlich weniger populären Republikaner Ronald Reagan.

Frank Sinatra ist der Mercedes-Benz unter den Männern.“

Nach heutigen puritanisch-moralistischen Maßstäben hätte Sinatra wiederholt im Shitstorm gestanden. Vielleicht nicht so sehr, was seinen Frauenverschleiß angeht. Seine „Betthasen“ wussten, was sie taten, wenn sie mit dem berüchtigten Ladykiller in die Kiste stiegen. Okay, er sah nicht so gut aus wie Dean Martin und hatte auch nicht das Charisma von Sammy Davis jr., aber er verfügte, mal abgesehen vom lässigen Machismo, den Janko Danailow lustvoll ausgespielt, eben über diese unglaubliche Stimme. Eine Stimme, deren Schmelz viele erlagen und die der mit dem Spitznamen „The Voice“ bedachte Sinatra sogar noch weitertrainierte – er war eben Perfektionist, der sich nie zu schade war, zeitlebens zu lernen. Die blauen Augen von „Old Blue Eyes“ taten ihr Übriges. Marlene Dietrich sagte nach einer kurzen Affäre: „Frank Sinatra ist der Mercedes-Benz unter den Männern.“

Aber das Goldkehlchen Sinatra hatte ein echtes Gewalt-Problem, selbst wenn man sich eingesteht, dass die Mafia die wirklich schmutzigen Geschäfte für ihn erledigte. In dieser Show verprügelt er u.a. einen Paparazzo, was damals zum Berufsrisiko dieser Spezies gehörte, heute aber Sinatra wohl das gesellschaftliche Aus und damit auch das Karriereende einbringen würde. Waren halt andere Zeiten.

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Damals war es auch okay, auf der Bühne lässig eine Zigarette zu rauchen, im Publikum machte es ja auch jeder. In der Show glühen nur die Nachbildungen von Glimmstängeln auf der Bühne, die Zeiten ändern sich eben, an diesem Befund Bob Dylans wird sich nie was ändern. Was aber bleibt, jedenfalls in der westlichen Welt, sind die Songs, von denen in dieser ansehnlichen, aber auch nur selten von den Sitzen reißenden Show gut 25 zu hören waren. Der Schlusspunkt wurde mit „New York, New York“ gesetzt, dieser noch immer besten Hymne auf eine der aufregendsten Städte der Welt.

Am 31. März ist die Show im Leipziger Gewandhaus und am 7. April in der Chemnitzer Stadthalle zu sehen.

Von Christian Ruf

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