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Regional Skunk Anansie geben in Dresden volle Power
Nachrichten Kultur Regional Skunk Anansie geben in Dresden volle Power
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15:25 24.07.2019
Frontfrau Deborah Anne „Skin“ Dyer. Quelle: Andreas Weihs
Dresden

Verschnaufen ist nicht angesagt an diesem Abend. Als Sängerin Skin und ihre Band die Bühne eingenommen haben, gibt es gleich das volle Programm. Vier Songs, vier mal Tempo, vier mal Druck aus allen Rohren – Bass und Schlagzeug treiben, die Riffs drängen, Skin tobt über die Bühne, die Stimme auf Angriff, sofort gibt es mit „Because of you“ und „I can dream“ zwei alte Bekannte, das Mikrofon wird gleich mal in hohem Bogen auf den Boden geschmettert, Skin taucht in die Menge, die sie auf Händen durch den Saal trägt.

So ging es los am Dienstagabend im Alten Schlachthof. Skunk Anansie rockten den Bau. Erst mit Song Nummer fünf ging es das Quartett, verstärkt durch eine Keyboarderin/Percussionistin/Mitsängerin, mit der Ballade „Brazen“ etwas ruhiger an. Wobei... Wenn Skin eine Ballade singt, dann muss dieser Begriff ein bisschen neu definiert werden. Die gewisse Spannung ist immer da, auch in den vermeintlich ruhigen Stücken – sie sind ohnehin gebrochen, stets lauert der Grunge, der Punk, der Rock. Adrenalin in vollen Zügen.

Das hatte auch die britische Vorband allusinlove immerhin 45 Minuten lang versucht: Nicht nur mit wallend-langem (und ständig kräftig geschütteltem) Haupthaar wie aus den 70ern waren die vier quasi der frisierte Gegenentwurf zum blank-markanten Schädelglanz der Anansie-Frontfrau. Auch blieb es trotz großem Körpereinsatz statt Druck bei Krach – und wer die alte Vorband-Regel kennt („halbes Licht, halber Sound“), dem schwante Ohrenbetäubendes.

Die volle Ladung Power gab’s von Frontfrau Skin und ihrer Band im Alten Schlachthof.

Doch lauter wurde es nicht mehr, nur besser. Der Feinarbeiter am Mischpult machte den Sound klar – in jeder Bedeutung des Wortes. Und laut, naja – laut muss es eben sein, denn Skunk Anansie sind eine veritable, ungestüme Rockband. Mit Wut im Bauch. Das bringt Skin rüber, auch wenn sie – schade – in Dresden zwischen den Songs einmal auf eine klare politische Ansage gegen Vorurteile, gegen Rassisten, gegen Faschisten verzichtete. Das hat sie bei Konzerten, in Interviews immer wieder getan. Jeder weiß, wofür sie steht.

Ihre Songtexte sind klar, klarer geht’s nicht. Und dass die Band den offiziellen Teil beendet mit den zwei Statements „Intellectualise my blackness“ sowie „Yes it’s fucking political“, war dann auch ohne besondere Ansprache deutlich genug. Vorher hatten Skin und ihre Begleiter es auch etwas gefühliger angehen lassen. Mit ihrem frühen Erfolg „Weak“, mit „Hedonism“, mit „Without you“ rührten sie den Saal. Da sangen alle, da zeigten sie die Herzen aus Händen, da war sie da, die Stimmung, die Fans eins mit ihrer Band.

Für die Zugaben hatte Deborah Anne „Skin“ Dyer eine schwarze, spitzig-stachelige Federboa drapiert über das schwarze T-Shirt mit der Spinne vorne drauf. „You’ll follow me down“, ein schöner Auftakt für den Endspurt. Und das ist wörtlich zu nehmen. Denn ohne Pause ist Skin den ganzen Abend unterwegs, durchmisst die Bühne bis in die Ecken, streicht wie ein nervöser, mähnenloser Löwe am Rand entlang, hüpft, springt, tanzt – und lacht. Dreckig, groß und laut. Sie ist bei sich, sie ist anarchisch, sie steht unter Strom. Pure Energie.

Die Band-Vorstellung dann erledigt sie zu den unverkennbaren Riffs von AC/DCs „Highway to hell“, singt auch ein paar Zeilen. Martin „Ace“ Kent an der Gitarre, Richard „Cass“ Lewis am Bass und Schlagzeuger Mark Richardson begleiten sie schon fast alle seit Anbeginn der Bandgeschichte vor 25 Jahren. Dass es darin mal acht Jahre Pause gab, ist längst vergessen. Seit 2009 sind Skunk Anansie wieder da. Und wie.

„This means war“ ist einer der neuen Titel. „Er ist so neu, wir haben ihn noch nicht mal aufgenommen“, kündigt Skin an. Und warnt, „er wird euch das Gesicht wegreißen“. Krieg ist nichts für Feingeister. Dann bricht ein Sturm los, ein Klanggewitter. Da ist sie wieder, die alte Wut, die die Band dereinst in den 90ern auch denen entgegenschleuderte, die meinten, Britpop wäre das Größte. Zu den ganz neuen Songs gehört auch „What you do for love“ im Zugabenblock. Die Fans feiern sie wie die alten.

Zum furiosen Finale dann sucht Skin noch einmal die Nähe. Die hat sie zwar von der Bühne längst hergestellt, aber nun kommen die Fans doch noch in den Genuss, sie hautnah zu kriegen. Von Security ganz unauffällig begleitet streift Skin durch den Saal, auch wo es eng wird, ist plötzlich gerade genug Platz, dass sie durchkommt. Sie ist da. Sie darf sich feiern lassen.

Nach gut 100 schweißtreibenden, energiegeladenen, hinreißenden Minuten ist Schluss. Raus aus dem Saal, nach draußen in die Nacht. Einmal tief einatmen. Sauerstoff. Unterm Schlachthof-Dach war der an diesem heißen Abend aufgebraucht.

Von Bernd Hempelmann

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