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Regional Nie dagewesene Fülle: Sempergalerie Dresden erfindet sich neu
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16:11 20.01.2020
Die Gemäldegalerie Alte Meister und Skulpturensammlung bis 1800 wird im frisch sanierten Semperbau am Zwinger neu eingerichtet und soll am 29. Februar die Pforten öffnen. Quelle: Sebastian Kahnert/dpa-Zentralbil
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Dresden

Dresdner Hängung und Michelangelos im Treppenhaus: Majestätisch thront die „Sixtinische Madonna“ nach diversen Intermezzi wieder am angestammten Platz im Westflügel der Dresdner Gemäldegalerie Alte Meister. Das berühmteste Dresdner Meisterwerk von Raffael ist bereits in neuer Gesellschaft von Correggio und Zeitgenossen - und hat auch ein neues Gegenüber in der Osthalle: Rembrandts Ganymed.

Das Ausstellungsgebäude der Staatlichen Kunstsammlungen (SKD), der Semperbau am Zwinger, wird nach mehrjähriger Generalsanierung seit September ganz neu eingerichtet: als Domizil der Gemäldegalerie Alte Meister und der Skulpturensammlung bis 1800. „Es ist sehr stark verändert und wirklich ein neues Museum“, sagt sein Direktor Stephan Koja. „Uns war wichtig, für Abwechslung zu sorgen, immer neu anzuregen und dass kein Raum wie der andere ist.“

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„Neue und überraschende Perspektiven auf die Kunst“

Mit gut 700 Gemälden und 450 Skulpturen bietet der Semperbau laut Koja eine nie da gewesene Fülle. Und die von Architekt Gottfried Semper konzipierte Antikenhalle beherbergt nun auch die dort hingehörenden Werke. Dazu kommen thematische Räume, Dialoge von Malerei und Skulptur sowie einzelnen Künstlern und ihrem Umfeld gewidmete Säle. Die Wände sind wieder farbig bespannt und ein raffiniertes Beleuchtungssystem bringt die Meisterwerke zur Geltung.

Für die SKD sei die Wiedereröffnung am 29. Februar „eines der bedeutendsten Ereignisse der letzten Jahrzehnte“, stellt Generaldirektorin Marion Ackermann fest. Sie spricht von einer Rückkehr „mit neuen und überraschenden Perspektiven auf die Kunst“ nach sieben Jahren Interim. In den Sälen im ersten Obergeschoss sind die Wände in ungewohnter Enge gefüllt. Koja und sein Team können angesichts eines Bestandes von mehr als 3000 Gemälden aus dem Vollen schöpfen. „Wir zeigen viel mehr als früher.“

Auf dem Parkett vor Raffaels „Sixtinischer Madonna“ schieben weißbehandschuhte Mitarbeiter vorsichtig Großformate in prächtig geschnitzten goldenen Galerierahmen hin und her, die noch auf ihre Hängung warten. Spitzenwerke von Rembrandt und Rubens sind umringt von Arbeiten ihrer Werkstattkollegen und Schüler. „Und van Dyck antwortet auf Rubens“, bemerkt Koja. Tizians „Zinsgroschen“ hat frühe Italiener an der Seite, während Giorgiones „Venus“ ein Highlight des Raumes mit Venezianer Malerei ist. Auch in Seitenkabinetten werden Gemälde in bis zu drei Reihen übereinander gehängt - wie im Barock.

Rot für Michelangelo

Dank farbiger Wandbespannungen ist das Festliche des Palazzo zurück - wie einst für die kurfürstlich-königlichen Sammlungen vorgesehen. „Rot für die Italiener, Blau für Franzosen und Spanier, Grün für Niederländer und Deutsche“, erklärt der Direktor. Selbst das Treppenhaus wird rot gestrichen, damit die vier Michelangelo-Reliefs zur Geltung kommen.

„Rot für die Italiener, Blau für Franzosen und Spanier, Grün für Niederländer und Deutsche“, erklärt der Direktor. Quelle: dpa-Zentralbild

Dank zusätzlicher privater Gelder von rund 600 000 Euro wurde zudem im ganzen Haus eine hochmoderne sogenannte Akzentbeleuchtung installiert. Koja: „Wir haben dadurch auch die Möglichkeit, Bilder herauszuleuchten, die dunkel sind, und ganze Wände in der Erscheinung zu vereinheitlichen.“ So werden etwa Unterschiede zwischen restaurierten und nicht restaurierten Gemälden für den Betrachter unsichtbar. Eine technische Neuerung erlaubt die Nutzung von Tageslicht ohne Spiegelungen: „Die Rollos vor den Fenstern können von unten nach oben bewegt werden.“

„Dresdner Mars“ erwacht aus dem Schlummer

In der Antikenhalle im östlichen Erdgeschoss sind nun statt Rüstungen 120 Skulpturen ausgestellt. Ein Durchgang zum Zwinger ermöglicht tagsüber den Blick auf die erstmals museal präsentierte Kunst - wie ein Schaufenster. „Neu ist ein Raum mit vier noch nie zusammen gezeigten flämischen Tapisserien um 1520 und sächsischer spätgotischer Holzplastik aus dem gleichen Jahr, die eine Art Kapelle bilden“, berichtet der Direktor des Semperbaus.

Stephanie Exner, Leiterin Skulpturensammlung, reinigt in der Antikenhalle der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden (SKD) mit einem Pinsel und Staubsauger die Marmorfigur «Große Herkulanerin». Quelle: dpa-Zentralbild

Ein Cranach-Saal vereint 40 Werke der Meister, in einem anderen Saal hängen 20 Bellottos. Das weltweit einzigartige Dresdner Pastellkabinett, in dem das „Schokoladenmädchen“ von Liotard hervorsticht, ist mit Seidendamast ausgekleidet.

Mit dem Gobelinsaal, Winckelmann-Forum und Semperkabinett wurde zusätzliche Ausstellungsfläche geschaffen, um im Depot schlummernde Schätze heben zu können. Den Auftakt macht zur Wiedereröffnung der gerettete „Dresdner Mars“ von Giambologna. Die etwa 40 Zentimeter hohe Skulptur des Kriegsgottes war 2018 mit Hilfe des Bundes und der Länder für Sachsen zurückgekauft und damit vor einem Verkauf ins Ausland bewahrt worden.

Auf einer Tour durch Sachsen lockte die Skulptur im vergangenen Jahr insgesamt 11 000 Besucher an drei Orten an. Nun ist der „Mars“ im neuen Semperkabinett mit drei anderen Kleinbronzen des Künstlers vereint - laut Koja für einige Wochen. „Zwei davon sind sonst im Bronzen-Zimmer des Grünen Gewölbes.“ Giambologna hatte alle 1587 dem damaligen sächsischen Kurfürsten geschenkt.

Von dpa/sn

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