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Regional „Sein und Empfinden“ – eine Hommage an Gottfried Körner
Nachrichten Kultur Regional „Sein und Empfinden“ – eine Hommage an Gottfried Körner
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19:51 07.09.2019
Gottfried Körner Industrielandschaft, 1974, Monotypie (Ausschnitt). Quelle: Repro: privat
Dresden

In der Galerie auf der Verwaltungsetage des Universitätsklinikums Carl Gustav Carus wird gegenwärtig an den 2015 verstorbenen Künstler Gottfried Körner gedacht. Der Maler verfolgte das Ideal, Bilder zu schaffen, die völlig durchdrungen waren von der Erfahrung der Natur, mit deren Rhythmus er sich identifizieren konnte. Kunst war für ihn ein Mittel, um Sinneswahrnehmungen und Emotionen auszudrücken. Die Bildfläche war Zufluchtsort und Orakelstätte, Möglichkeit der Selbstvergewisserung und Weltdurchschauung.

Farbrausch in Flächen diszipliniert

Diese Ausstellung gibt einen kleinen Einblick in das vielstimmige Werk von Gottfried Körner anhand von exemplarischen Werkbeispielen aus vier Schaffensjahrzehnten. Die extremen Grenzerfahrungen des Krieges und der Nachkriegszeit aktivierten die lebensspendenden Kräfte für eine humanistische Weltsicht, die sich in Radierungen von expressiv versponnenen, kafkaesk anmutenden figürlichen Lineargeweben offenbaren, bizarren, grotesken Linien die sich zuckend zu psychologisierten Dämonen und Nachtgespinsten verweben, in an die Farbe verlorenen Aquarellen sinnlicher Landschaftsimprovisationen.

Gottfried Körner war ein valeurreicher Kolorist, der einen Farbrausch in Flächen zu disziplinieren vermochte, die von pulsenden Liniaturen wie einem Aderngeflecht durchzogen waren. So entstand immer ein lebendiger Bildorganismus, der vom Stoffwechsel der Farben lebte, die sowohl Gleichnisse für Naturphänomene als auch emotionale Stimmungslagen sind. Von der Natur ist er einst ausgegangen, um zur wissenden Abstraktion zu gelangen, die ihn wieder zu ihr zurückführte. 1927 wurde Gottfried Körner in Werdau geboren. Er gehört zu der Generation, die durch die Kriegserlebnisse unwiderruflich geprägt wurde. Von 1951 bis 1956 studierte der gelernte Lithograf an der Hochschule für Bildende Künste in Dresden Malerei und Zeichnung.

Die Suggestivkraft von Bildern

Zu einer Zeit also, als die öffentliche Kunstmeinung von der unseligen Formalismusdiskussion geprägt war, die das Werk zahlreicher Künstler ausgrenzte und diffamierte, die sich dem starren Rahmen des sozialistischen Realismus widersetzten.

Gottfried Körner bewahrte sich seine Träume. Er experimentierte. In den 60er und 70er Jahren entstanden die konstruktivistisch akzentuierten Modelle für Brunnen und Wegzeichen, denen das spannungsvolle Wechselspiel und Ineinandergreifen von Konkav- und Konvexformen zugrunde lag. Stilbrüche kennt sein Werk nicht. Er ist sich und seinem Werden immer treu geblieben.

Leuchtendes Farbgewebe ist für die Aquarelle von Gottfried Körner typisch. Er dichtete, träumte, musizierte mit der Farbe. Er ließ sich mitreißen. Felsformationen sind erahnbar, die Hügel der erfahrenen Mittelgebirgswelt. Und würde man die Einzelblätter zu einer Ganzheit zusammenfassen, würde man überrascht sein, dass sich kein Bruch ergibt. Er trug seine Vergangenheit mit sich und auch seine Tradition. Und so stimmt der Titel der Ausstellung vollkommen: Sein und Empfinden.

Er war ein Künstler, der ewig zweifelte, der an die Suggestivkraft von Bildern glaubte und den immerwährenden Kreislauf von Werden und Vergehen so eindringlich beschrieb. Über allem steht der Leitspruch Gottfried Körners, ein Gedanke de Goncourts:“ Das Betrachten zu erlernen, ist die langwierigste Lehre aller Künste.“

Die Ausstellung begleitet ein kleiner Katalog, dem eine Sentenz von Gottfried Körner voran gestellt ist: „Kunst kommt aus der Stille, nicht aus dem Spektakel.“ Wie wahr!

(Universitätsklinikum Carl Gustav Carus, Haus 1/Verwaltungsgebäude, 1. Etage, Fetscherstraße 74, 01307 Dresen, Ausstellung bis 20. September 2019, geöffnet montags bis freitags 8-18 Uhr)

Von Karin Weber

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