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Regional Sehr kurz – die Premiere von „Macbeth“ im Societaetstheater Dresden
Nachrichten Kultur Regional Sehr kurz – die Premiere von „Macbeth“ im Societaetstheater Dresden
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13:21 11.02.2020
Oda Pretzschner als Lady Macbeth und Tom Quaas als Macbeth. Quelle: Stephan Böhlig
Dresden

Das dürfte die kürzeste Version von William Shakespeares „Macbeth“ sein! Zwar ist schon das Original des Barden sein kürzestes Drama – in reichlich 70 Minuten ist die Geschichte um Herrschaft und Mord aber vermutlich noch nicht erzählt worden. John von Düffel, der diese Bearbeitung vorgenommen hat, schafft das, indem er das Personal von ursprünglich an die 30 Figuren auf zwei reduziert: Lord und Lady Macbeth. Die Handlung von fünf ausführlichen Akten in vier Bildern kondensiert. Auf jegliche Requisiten verzichtet. Und stattdessen die Sprache feiert.

Schauspielerische Naturgewalt

Denn von Düffel hat auch eine eigene Übersetzung des Klassikers angefertigt. Eine treffende, zeitgemäße Übersetzung, mit der man auch Schulklassen wunderbar klarmachen könnte, wie aktuell dieses Stück um Machtbesessenheit noch immer ist. Wer denkt nicht bei Lady Macbeths Zeile „Wenn wir die Macht besitzen, machen wir die Wahrheit“ an all die Autokraten von Erdogan über Putin bis Trump?

Wenn diese wunderbare klare Sprache dann von zwei großen Schauspielern getragen und gelebt wird, ist alles gewonnen. In der Inszenierung von Arne Retzlaff, die jetzt am Societaetstheater Premiere hatte, werden die beiden Rollen von Oda Pretzschner und Tom Quaas übernommen. Wobei Quaas es in manchen Szenen nicht schafft, gegen die schauspielerische Naturgewalt Pretzschner anzukommen. Aber dazu später mehr.

Zunächst erleben wir den kleinen Saal des Theaters, der ja oft für eher experimentelle Aufführungsformen genutzt wird, umgebaut: Die Sitzreihen des Publikums sind so angeordnet, dass dazwischen ein Kreuz frei bleibt. Ein Verweis auf die Drama-Themen Schuld, Reue, ausbleibende Erlösung? Laute, freie Jazzklänge ertönen. An beiden Enden der Längsachse sitzen die Protagonisten. Im samtenen Hausmantel über dem grauen Anzug er, in einem Abendkleid des gleichen Materials sie.

Wie die beiden sich anschauen, mimisch aufeinander reagieren, verspricht bereits viel. Da geht Schmerz in Begehren über; wenn sie schließlich aufstehen und sich mit hilflosen, stockenden, humpelnden Bewegungen einander nähern, ist das kaum mitanzusehen. Dann, wiedergegeben: die Prophezeiung der drei Hexen, derzufolge der Fürst Macbeth König werden wird. Und sofort der unbedingte Wille Lady Macbeths, diese Realität zu schaffen. Er: begehrt sie für ihre Entschlossenheit. Ein wunderbarer Einstieg in die Tragödie als Ehegeschichte.

Die Kürzungen sind rasant!

Natürlich ist es so, dass Skrupel und Zweifel schwieriger zu spielen sind als energisches Fordern und Wollen, dennoch erlebt man hier bereits Tom Quaas in seiner Darstellung des Herrschers als eher blass. Zu verhalten wirkt sein Spiel; wenn er der Aufforderung folgt, sich nichts anmerken zu lassen von den Mordplänen, die die beiden schmieden, erscheint sein Gesicht als Karikatur.

Dass es jedoch lediglich daran liegt, dass Oda Pretzschner einfach zu gut ist, wird klar, wenn Quaas den berühmten Dolch-Monolog – allein im Zentrum der Aufmerksamkeit – großartig bringt. Da fehlt nichts, da kann man die Wahnvorstellung der Mordwaffe, die ihm vor Augen schwebt und ihn zum Opfer hinführt, regelrecht spüren. Auch die eigentliche Mordszene, wenn die beiden ganz nah bei- und nebeneinander agieren, in der erzählten Handlung jedoch jeder in seinem eigenen Raum, der eigenen Realität ist, funktioniert sehr gut.

Mit klassischer Musik wird die Bankett-Szene eingeleitet (Ja, die Kürzungen sind rasant!). Bevor Macbeth seinen Wahnsinnsanfall hat und Banquos Geist sieht – der Gefährte und potenzielle Widersacher wird auch hier planmäßig aus dem Weg geräumt – erinnert die Dynamik des Paares an „Wer hat Angst vor Virginia Woolf“. Schmerzhaft und faszinierend zugleich anzuschauen, wie Lady Macbeth ihren Mann lächerlich macht.

Einzelne Bravo-Rufe

Der Auftritt von Banquos Geist stellt ja stets eine Herausforderung bei Inszenierungen des Stückes dar. Hier wird es durch eine großartige Pantomime, in der das Paar um die imaginierte Tafel herumgeht, eingeleitet – und überzeugt dann vollkommen allein durch Quaas’ Spiel.

Danach geht alles sehr, sehr schnell. Zu schnell. Auf seinen Ausbruch in den temporären Wahnsinn folgt ihr komplettes Abgleiten; wie en passant wird das Rätsel der zweiten Hexenprophezeiung – Macbeth müsse niemanden fürchten, der von einer Frau geboren wurde – von Lady Macbeth gelüftet. Macbeth selbst ist es, der sie tötet; sein Ende erleben wir hingegen nicht mehr, sondern: Ende.

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Da hätte man sich einfach noch etwas mehr gewünscht. Keine Schlachtszenen mit Soldaten, die Bäume vor sich hertragen, aber mehr der grandiosen Paar-Psychologie, die am Anfang so hundertprozentig überzeugte und auch im Verlauf des Stückes immer wieder im Zeigen erotischer Anziehung und verächtlicher Ablehnung aufscheint.

Der Premierenapplaus beginnt verhalten, ist aber anhaltend. Es gibt einzelne Bravo-Rufe.

Aufführungen: 27. Februar,12. und 26. März, 20 Uhr, Societaetstheater

www.societaetstheater.de

Von Beate Baum

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