Schostakowitsch-Festival Gohrisch soll stattfinden
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10:04 07.04.2020
Schostakowitsch mit Beethoven-Büste in seinem Moskauer Arbeitszimmer, 1968 © DSCH Publishers Moscow Schostakowitsch Tage Gohrisch 2020: Tobias Niederschlag kündigt voller Freude an: „Wir wollen ein Werk herausbringen, das eigentlich Beethoven komponiert hat, Schostakowitsch aber für Streichorchester instrumentiert hat. Auch das ist eine Uraufführung von Schostakowitsch im Beethoven-Jahr.“
Schostakowitsch mit Beethoven-Büste in seinem Moskauer Arbeitszimmer, 1968 © DSCH Publishers Moscow Schostakowitsch Tage Gohrisch 2020: Tobias Niederschlag kündigt voller Freude an: „Wir wollen ein Werk herausbringen, das eigentlich Beethoven komponiert hat, Schostakowitsch aber für Streichorchester instrumentiert hat. Auch das ist eine Uraufführung von Schostakowitsch im Beethoven-Jahr.“ Quelle: DSCH Publishers Moscow
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Gohrisch

Ganz nach dem Vorbild des Jubiläumsjahrgangs vom vergangenen Jahr sollen auch die 11. Internationalen Schostakowitsch-Tage Gohrisch wieder vier Tage lang stattfinden und am 1. Juli mit einem Sonderkonzert der Sächsischen Staatskapelle im Dresdner Kulturpalast eingeleitet werden. Schon dafür ist mit Schostakowitschs Cellokonzert und seiner 12. Sinfonie ein spannungsvoller Bezug zu den „Polowetzer Tänzen“ von Alexander Borodin geplant. Für solch große Besetzungen gibt es in der Konzertscheune von Gohrisch nicht genug Platz. Dort soll dann Anfang Juli vier Tage lang traditions- und erwartungsgemäß wieder viel Kammermusik mit namhaften Interpreten erklingen.

Denn natürlich hoffen die Veranstalter, dass der Kulturbetrieb bis dahin wieder Fahrt aufnehmen kann. Das live-haftige Kulturerleben kann schließlich durch nichts an virtueller Wahrnehmung dauerhaft ersetzt werden.

Eine Reihe von Jugendwerken sollen erstmals erklingen

Das Programm der Schostakowitsch-Tage 2020 klingt ja auch allzu verlockend: Erneut sollen das Borodin Quartet sowie das Quatuor Danel in Gohrisch gastieren – im Eröffnungskonzert sogar beide Spitzenensembles gemeinsam! Auch die kapelle 21 der Sächsischen Staatskapelle ist quasi als Stammgast wieder mit angekündigt und will unter der Leitung von Petr Popelka aufspielen, zudem sind die Geschwister Baiba und Lauma Skride sowie erstmals die Pianistin Yulianna Avdeeva und ihr Tastenkollege Dmitry Masleev angekündigt.

Inhaltlich soll Schostakowitschs Schaffen im laufenden Beethoven-Jahr natürlich in Kontrast und Korrespondenz zu diesem großen sinfonischen und kammermusikalischen Vorbild zu erleben sein. Und da dürfte es wohl die größten Überraschungen geben. Umso mehr, als die Musikwelt natürlich davon ausgeht, von diesen beiden Komponisten längst alles zu kennen. In Gohrisch sollen nun aber gleich zehn Uraufführungen von Dmitri Schostakowitsch zu hören sein, wie Tobias Niederschlag als Künstlerischer Leiter des Festivals ankündigt: „Das ist wirklich ein ganz besonderer Glücksfall, eine ganze Reihe von Schostakowitschs Jugendwerken, die noch nie öffentlich aufgeführt worden sind, in Gohrisch erstmals erklingen zu lassen.“

Das ist in erster Linie der engen Zusammenarbeit mit der Witwe des Komponisten und mit dem von ihr gegründeten Schostakowitsch-Zentrum Paris zu verdanken. Irina Antonowna Schostakowitsch ist von dieser 2010 gestarteten Initiative - sie war auch persönlich in Gohrisch zu Gast - von Anfang an höchst angetan gewesen. In besonderer Weise konnte aber auch die unermüdlichen Arbeit von Olga Digonskaya vom Moskauer Schostakowitsch-Archiv das Festival bereichern, da sie in den vergangenen Jahren etwa 300 bislang unbekannte Manuskripte entdeckt hat. Darunter eben auch Handschriften diverser Schostakowitsch-Kompositionen.

Schostakowitsch-Preis Gohrisch an Olga Digonskaya

Olga Digonskaya hat dieses Festival in den vergangenen Jahren mehrfach besucht und zeigte sich davon umgehend so angetan, dass sie wiederholt Uraufführungen einzelner Werke nach Gohrisch vergab. Als Dankeschön dafür soll die russische Musikwissenschaftlerin – also erstmals keine Künstlerin, kein Künstler und auch kein Ensemble – den Internationalen Schostakowitsch-Preis Gohrisch 2020 erhalten.

Wem das noch nicht überraschend genug ist, dem sei etwas Neues von Ludwig van Beethoven offeriert, dem weltweit gefeierten Jubilar dieses Jahres. Tobias Niederschlag kündigt voller Freude an: „Wir wollen ein Werk herausbringen, das eigentlich Beethoven komponiert hat, Schostakowitsch aber für Streichorchester instrumentiert hat. Auch das ist eine Uraufführung von Schostakowitsch im Beethoven-Jahr.“

Kulturnews aus Dresden

All diese Vorhaben klingen ganz danach, dass die Schostakowitsch-Tage in diesem Jahr Überraschungen gleich für mehrere Jahrgänge bereithalten. Zumal es - nach dem Jazz im vergangenen Jahr - neben dem Rahmenprogramm mit Filmvorführungen und geführten Wanderungen auf den Spuren von Schostakowitsch in und um Gohrisch erstmals auch Tanz geben soll. In einer Produktion des finnischen Tänzers und Choreografen Valtteri Raskallio plant dessen Tanzcompagnie eine Performance zu Schostakowitschs 8. Streichquartett c-Moll op. 110, das ja 1960 an drei Tagen in Gohrisch entstanden ist und den Ausgangspunkt dieses Festivals bildet. Es soll gemeinsam mit Beethovens a-Moll-Streichquartett op. 132 vom Borodin Quartet im diesjährigen Abschlusskonzert aufgeführt werden. Die Entstehung dieser Kreation soll ebenfalls über drei Tage hinweg im Internet mitverfolgt werden können.

Angesichts derart spannender Vorhaben kann die Hoffnung der diesjährigen Schostakowitsch-Tage nur mit ganz festem Daumendrücken begleitet werden, auf dass der 11. Jahrgang wie geplant stattfinden werde.

11. Internationale Schostakowitsch-Tage Gohrisch, 2.-5.7.2020

www.schostakowitsch-tage.de

Von Michael Ernst