Menü
Dresdner Neueste Nachrichten | Ihre Zeitung aus Dresden
Anmelden
Regional Sasha Waltz & Guests gastierten im Festspielhaus Hellerau
Nachrichten Kultur Regional Sasha Waltz & Guests gastierten im Festspielhaus Hellerau
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
17:06 30.09.2019
Mit „Kreatur“ kommt ein typisches Stück von Sasha Waltz auf die Bühne: zerrissen, sprunghaft, animalisch. Quelle: Sebastian Bolesch
Dresden

Wer sich vielleicht noch an das Gastspiel von Sasha Waltz & Guests 1997 mit „Allee der Kosmonauten“ im Festspielhaus Hellerau erinnert und nun ihre Choreografie „Kreatur“ erlebt hat, ahnt, dass dazwischen Welten liegen. Oder besser gesagt, schon ganze zwei Jahrzehnte eines steten und kontrastreichen Ausprobierens von Möglichkeiten wie Notwendigkeiten. Also auch die ewige Suche danach in der Körpersprache, in den Erzählweisen, im Umgang mit Raum, Klang, Kostümen.

Ein verteufeltes Gebräu

Dennoch ist es unverkennbar und immer wieder Sasha Waltz, die da unermüdlich der Natur des Menschen auf der Spur ist. Und wenn sie nach dem ersten Gastspielabend von „Kreatur“ gemeinsam mit Intendantin Carena Schlewitt und dem Publikum ins Gespräch kommt, dann spürt man diese Ganzheitlichkeit, ja auch Unabhängigkeit von diversen Strömungen. Sie ist und bleibt eine Suchende. Und das ganz wahrhaftig, auch bei dieser im Juni 2017 in Berlin uraufgeführten Produktion. Wie in einem Hexenkessel rührt sie alle nur möglichen Sicht- und Herangehensweisen zusammen, braut daraus ein verteufeltes Gebräu.

Das Stück spart nichts aus im Menschsein (zunächst sollte es wohl „Kreation“ heißen), beginnt mit verletzlich, poetisch anmutenden „Wolken“-Geschöpfen, deren halbnackte Körper durch die Umhüllungen, die durchaus auch Seifenblasen assoziieren könnten, im diffusen Licht hindurchschimmern. Oder es bringt die schon bald ganz irdischen Wesen geheimnisvoll irritierend mit Folien ins „Zwiegespräch“, endet nach gruseligen, stachelnden Angriffen im allgemeinen Chaos, in der überzeichneten Hektik wie auch Aufdringlichkeit des Triebhaften. Schlussendlich ist da nur noch eine in Folie „eingeschlossene“ Frau auszumachen, ein sehr einsamer, verlassener Mensch im schwindenden Licht.

Diese Arbeit hat auf sehr eigene Weise etwas Zerrissenes, Sprunghaftes, auch Animalisches, bedient sich einer Körpersprache, die individuell bleibt wie ebenso manieriert wirkt. Wobei das kunstvolle Kostümdesign von Iris van Herpen wohl auch mit zu dieser Wahrnehmung beiträgt. Und nicht minder die Verletzlichkeit des Körpers, der Kreatur, von Lebewesen überhaupt assoziiert. Manchmal erinnern die Kostüme an die scheinbar zarten „Panzer“ der Insekten.

Ein Flecken Freiheit, Hoffnung, Sehnsucht

Eine sehr eigene Position in der Aufführung nimmt die Klangwelt von Soundwalk Collective ein. Sie zielt nicht vordergründig auf eine „Gemütsbeeinflussung“, markiert auch nicht zwingend den Fluss des Geschehens. Hörbar, fühlbar geht sie von variierten, auch zelebrierten Alltagsgeräuschen aus, assoziiert Orte, Handlungen, Stimmungen. Das ist zuweilen recht spannungsreich.

Aber wie es eben so ist. Man kann das Ganze mögen oder auch nicht. Manches berührt, regt zum Nach-Denken an, anderes lässt einen kalt oder ist allzu vorausschaubar. Eine Szene bleibt aber besonders in Erinnerung. Am Rand der Bühne steht in weißer Präsenz vor dunklem Hintergrund ein hoher, schmaler Aufbau mit Treppen, mit einem Tableau und einer Rückwand. Als sich die erste der in Schlange wartenden Gestalten aus der Gruppe herauslöst und hinauf steigt, folgen ihr eilends die anderen, kleben wie eine Wabe, ein Schwarm an diesem Flecken Freiheit, Hoffnung, Sehnsucht, sind eng beieinander, lösen sich heraus, schützen und gefährden sich zugleich.

Das mutet an wie ein Ausbrechen, ein Schwarm, der nicht weiß, wohin und wie es weiter gehen soll. Und Sasha Waltz, die dazu im Publikumsgespräch befragt wurde, betonte, wie wichtig für sie diese Szene sei. Sie wolle sie aber nicht erklären. Ihr wäre es doch lieber, jeder würde dabei seine eigenen Assoziationen entdecken. Damit hat sie doch zweifellos recht.

Von Gabriele Gorgas

Ursula Werner begeistert als Mutter Courage in Armin Petras’ Brecht-Inszenierung am Dresdner Schauspielhaus. Der nur zu aktuelle Grundgedanke: Am Krieg und im Krieg hat der Mensch, die Menschheit nichts, aber auch gar nichts zu gewinnen.

30.09.2019

Feridun Zaimoglu präsentierte beim Dresdner Festival „Literatur Jetzt!“ seine „Geschichte der Frau“ in zehn Episoden, die unverbunden nebeneinander stehen. Mehr Weib als an diesem Abend geht kaum. Herzerfrischend.

30.09.2019

Laura Scozzi macht Rossinis „Die Reise nach Reims“ an der Semperoper zur Groteske auf Europa, die bereits in der Pause für angeregte Diskussionen im Theaterfoyer sorgte.

30.09.2019