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Regional Projekt der Lebenshilfe: Atelier Farbig stellt im BlickPunkt Kunst auf der Forststraße aus
Nachrichten Kultur Regional Projekt der Lebenshilfe: Atelier Farbig stellt im BlickPunkt Kunst auf der Forststraße aus
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18:00 26.02.2020
Thomas Passenheim: Junge Frau. Temp./Mischt., 2017. Quelle: Repro: Jördis Lademann
Dresden

„Kaum ein gesprochenes Wort – aber ihre Bilder schreien, toben, können flüstern, singen, erzählen – sie sprechen“, so charakterisiert Bettina Lau-Lange, Leiterin des Atelier Farbig des Lebenshilfe Dresden e.V., ihre Erfahrungen mit Katja Paetzold. Unter den 15 in der Ausstellung vertretenen Atelier-Teilnehmern gilt Paetzold als „junge Wilde“. Gleich eingangs trifft der Besucher auf ihren fast lebensgroßen „Arbeiter im Schutzanzug“, einer Mischtechnik, energisch gemalt in Hellblau, Rot und schwarzen Fettkreidestrichen auf einem hohen, kaum begradigten Streifen Wellpappe, das Format ganz ausfüllend. Mehrere Ateliermitarbeiter hatten die Besichtigung einer Coswiger Walzengießerei im Jahr 2015 reflektiert, was damals in der Ausstellung „Kunst trifft Gießerei“ vorgestellt wurde.

Im BlickPunkt Kunst in der Forststraße stehen, neben frei abstrahierten Arbeiten von Ilka Vogel und Doreen Hoffmann, die Herbst- und Stadtlandschaften assoziieren, Arbeiten weiterer Atelierteilnehmer, die sich mit professioneller Kunst auseinandersetzen. Zwar sind gemeinsame Galeriebesuche eher selten, doch verfügt das Atelier über eine eigene Kunstbibliothek. So collagiert Ronny Pitzius reproduzierte Details bekannter Werke in seine eigene Malerei, etwa Figuren der Tanzszene „Star Dance“ des bulgarischen Objektkünstlers Krum Stanoev. Ein Verfahren, das, witzig und dem modernen Leben zugewandt, auch Ines Starke in „Frauenabteilung“ und „Aus dem Paradies“ anwendet. Mädchenhaft verträumt indessen Annegret Schnabel im „Zimmer der Prinzessin Mirabelle“. Und äußerst raffiniert Thomas Passenheim bei einer „Jungen Frau“ aus der „Serie übermalt“, die bis auf den Kopf von verschiedenen Tempera-Rottönen übermalt, wie ein impressionistisches Meisterwerk wirkt.

Angelika Schanz – noch kein Jahr im Atelier – zeigt sich besonders experimentierfreudig. Einmal lässt sie in Matissescher Manier einen schemenhaften Frauenakt in frischgrünen und gelben Pinselschlägen dem hellen Tag entgegen tänzeln.

Angelika Schanz: Ohne Titel. Acrylmalerei, 2019 Quelle: Repro: Jördis Lademann

Ein anderes Mal hat sie Blumen dabei und aquarelliert in botanisch bestimmbarer Genauigkeit „Kanadische Goldrute“, „Rote Lichtnelke“ und „Strandaster“ auf dunklem Tonpapier. Mit Wasserfarbe greift sie nach den Sternen, sucht Idyllen im Mondschein und sprüht Millionen von fernen Sternen ins All.

Unverstellte Neugier und gewitzter Charme machen den besonderen Charakter der Ausstellung aus: besonders liebenswert Peter Prells großformatige Acrylgemälde „Kavalier“ und „Zwei in der Wanne“. Aber auch Thomas Müllers Finelinerzeichnung eines 24-Stunden-Weckers zeugt von Humor. Ebenso das Gemüse (Kartoffel, Möhre, Bohnen), das offenbar für den Kochtopf auf dem nächsten Temperablatt vorbereitet wurde. In Serien lässt er ein ganzes Geschwader junger Männer hinzutreten: „Mann auf Blau“, „Mann auf Rot“, auf Gelb und mehr. Wer würde da nicht an Warhols Siebdruck-Serien denkt? Aber Müller nutzt nicht die immer gleiche Vorlage – seine Figuren entstehen jede einzeln und neu, zeigen zwar kaum Abweichungen in Form und Farbe, aber im Ausdruck ist jede individuell. Auch haben seine Figuren einen hohen Wiedererkennungsgrad. Seit 2016 stehen zwei seiner Männer, als überlebensgroße „Torwächter“, am Eingang eines Umspannhauses in Radebeul: freundlich, aber Zähne zeigend.

Sie geben alles und lernen dazu

Auftragswerke wie dieses für die Stadtwerke Elbtal GmbH, an dem sich alle beteiligen konnten, gehören zu den Sternstunden für die Atelier-Mitarbeiter. Sie geben alles, wenn sie sehen, dass sie in der Gesellschaft gebraucht werden. Dabei lernen sie, mitten im Leben stehend, immer dazu: Zusammen mit dem Graffitikünstler Carsten Langner arbeiteten sie mit Sprühflaschen, Mundschutz und Handschuhen, brauchten Kraft in den Händen, bis Farbe durch die unterschiedlichen Aufsätze für dicken und dünnen Farbauftrag aus der Dose kam.

An anderer Stelle überraschen grafische Techniken: Materialdruck (Passenheim), Holzstich (Paetzold zu Brechts „Kinderfeldzug“) und ein Holzschnittporträt mit „Haarklemme“ von Richard Lehmann, der, 1996 geboren, zur Zeit der Jüngste im Atelier ist. Farbsensible Beobachtungen vom Wegesrand oder kräftig zupackende Kontraste in Fettkreidezeichnung, Acrylmalerei und Mischtechniken zeigen Astrid Zimmermann, Udo Eichmann und Kerstin Scholz. Mit ihrem „Sektempfang“ gedenkt die Ateliergemeinschaft an ein Gründungsmitglied, Sylvia Bauch, die 2017 starb.

Als ein Angebot der Inpuncto Werkstätten der Lebenshilfe Dresden e.V. arbeitet das Atelier Farbig seit 2006 in der Zweigstelle Radebeul, Meißner Straße 43.

Seit Jahrzehnten hat sich die „psychopathologische“ „Art Brut“– oder wie man die „Außenseiterkunst“ nennen will – einen weiten Interessentenkreis erarbeitet. Einzelne Bildwerke, Postkarten, Kalender und andere Druckerzeugnisse werden gern gekauft. Einige Atelierkünstler wurden mit bundesweit ausgeschriebenen Kunstpreisen für Menschen mit geistigem oder psychischem Handicap ausgezeichnet, die Arbeiten in repräsentativen Ausstellungen gezeigt. Noch fehlt, gerade hier bei uns in Sachsen, eine breite Partizipation, meint Bettina Lau-Lange. „Doch im Grunde sind etablierte Kunst und Außenseiterkunst zwei Ufer desselben Flusses. Es gilt somit eine Brücke zu schlagen zwischen den Ufern.“

bis 5. März, Blickpunkt Kunst in der Forststraße in der Praxisklinik Herz und Gefäße, Forststr. 3, geöffnet Mo – Do 7.30 – 19, Fr 7.30 – 14 Uhr

Ansprechpartner für das Atelier: Bettina Lau-Lange, Tel. 0351 – 65563450

Von Jördis Lademann

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