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Regional Premiere für „Sophie im Schloss des Zauberers“ im Schauspielhaus Dresden
Nachrichten Kultur Regional Premiere für „Sophie im Schloss des Zauberers“ im Schauspielhaus Dresden
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11:49 12.11.2018
„Sophie im Schloss des Zauberers“ mit Ursula Hobmair, Marina Poltmann und Sven Hönig Quelle: Sebastian Hoppe
Dresden

Alle Jahre wieder das Angebot des Staatsschauspiels Dresden für die komplette Familie. Im Advent soll „Sophie im Schloss des Zauberers“ dann beinahe en suite, jedenfalls jeden zweiten oder dritten Tag laufen. Wobei es auch noch hausinterne Konkurrenz gibt. Die achtjährige Intendanz seines Nachfolgers Wilfried Schulz hat Holk Freytags „A Christmas Carol“ im Palais im Großen Garten schon überdauert und wird auch in dieser Vorweihnachtszeit fast ebenso häufig wie das große Spektakel im Schauspielhaus laufen. Und Cornelia Funkes „Herr der Diebe“ ist auch noch nicht vergessen. Mit 24 Vorstellungen bis zum Jahresende ist man deshalb mit der „Sophie“ auch zum Erfolg verurteilt.

Der aber ist garantiert, wenn man wie die Buchvorlage „Howl’s Moving Castle“ der 2011 verstorbenen britischen Autorin Diana Wynne Jones die bewährten Zutaten anrührt: Einen oder eine richtig Böse, die in der Regel nach der Weltherrschaft streben, eine schlichte Anknüpfungsfigur aus dem Volk, die sich zum heldischen Verteidiger des Guten aufschwingt, meist mit Hilfe einiger skurriler Gestalten aus einer Fantasywelt, dazu ein bisschen Action und viel Hokuspokus fürs Auge und die wirklichkeitsmüde Seele. Happy End wie in der Operette, es muss ein guter Schluss sein, muss muss muss. Sonst könnte nicht Weihnachten kommen.

Mehr muss man nicht erwarten, und die Hauptsache ist, dass ein solcher Plot sympathisch und kinderherzerweckend inszeniert wird. Das ist Mina Salehpour auch gelungen. Die aus dem Iran stammende junge und quirlige Regisseurin wird von einer Zeitung mit dem Bekenntnis zitiert „Realismus interessiert mich nicht auf der Bühne“. Sie bringt also eine Neigung zu Fantasy-Stoffen mit – und erklärtermaßen auch eine zu amerikanischen Serien. Das merkt man sofort beim Einstieg, wenn der Zickentalk der drei Schwestern im Hutladen allzu sehr an Seifenoper erinnert. Und noch ein Faible der Regisseurin zeigt sich, wenn Queen-Zitate unter anderem aus der „Bohemian Rhapsody“ anklingen und Zauberer Howl sich kurz als Freddy Mercury versuchen muss.

Ach ja, der ach so böse Howl! Ist er gar nicht, eher ein eitler Gockel, der sich wie einst Kaiser Nero im matten Glanz seiner infantilen Lieder sonnt. Zumindest in der Darstellung von David Kosel hat er wiederum gar nichts von einem angeblichen Verführer, der die Herzen junger Mädchen bricht und anschließend verzehrt. Es gibt einige Ungereimtheiten schon im Exposé vor der eigentlichen Handlung in seinem mobilen Zauberschloss, über die man nicht so lange nachdenken sollte. Zum Beispiel die These, dass die Erstgeborenen einer Familie zugleich die geborenen Versager seien. So erwischt es Sophie Hatter, als sie von der als Kundin getarnten Hexe der Wüste nur deswegen verflucht und in eine alte Frau verwandelt wird, weil diese nicht den passenden Hut fand.

So kommt sie als Putzfrau ins transportfreundliche Zauberschloss, mischt den Männerladen etwas auf, wird dem so gar nicht gefährlichen Howl eine Art Zauberbüroleiterin, überwindet jedenfalls das Versagenstrauma. Ursula Hobmair spielt die Sophie sehr schlicht und zurückhaltend, avanciert für die Achtjährigen aufwärts nicht zur ersten Identifikationsfigur. Die sind eher Fans vom Feuerdämon Calcifer alias Denis Geyersbach, wie er lustig dem Kamin entsteigt und Holzscheite knabbert. Oder von Sven Hönig als Zauberlehrling Michael, der mit etlichen pyrotechnischen Gags aufwartet. Das Böse in Gestalt von Tammy Girkes Hexe sieht ziemlich attraktiv aus, wenn es sich gelegentlich und pflichtgemäß in Erinnerung ruft. Und Emil Borgeest mimt nicht nur die mysteriöse Vogelscheuche, er beeindruckt auch dank einer Meisterleistung von Kostüm und Maske als kriegslüsterner König sensible Gemüter im jungen Publikum. Ähnlich variabel zeigt sich auch Marina Poltmann in mehreren Rollen.

Mit Illusionseffekten arbeitet die Bühne von Andrea Wagner, verengt die oft genutzte volle Tiefe manchmal geschickt auf Schlitze und Durchlässe von der halbrealen in die Zauberwelt des Campingschlosses. Das ist eine Art Wohnwelt 4.0 mit allerlei Schnickschnack-Automatismen, gesteuert nur etwas anachronistisch von Hometrainer-Dynamos und Hebeln an Stelle eines Laptops. Faszination Technik bietet tatsächlich das aus dem Schnürboden fallende Treppengerüst für den Auftritt des Königs.

Viel Zauberei und Attraktion, aber es fehlt ein bisschen das anrührend Zauberhafte zwischen den Gutmenschen. Auch dann, wenn sich Zauberer Howl als Pazifist erweist und am Ende zumindest im Tempo überraschend eine Massenpaarung steht. Zuvor ist die sich wacker um ein bösartiges Erscheinungsbild bemühende Wüstenhexe noch in einer Art Armageddon besiegt worden. Die Kinder dürfen sich auf dem Heimweg rühmen, am Happy End mitgewirkt zu haben. In der Pause der zweistündigen Aufführung sind Leuchtarmbänder an sie verteilt worden, deren Zauberkraft für die gute Sache beim Finale nachgewiesen wird. Der herzliche Applaus galt also auch ein wenig den Mitwirkenden im Saal.

www.staatsschauspiel-dresden.de

Von Michael Bartsch

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