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Regional „Portrait of a Ghost“ – Aufführung in Dresden-Hellerau
Nachrichten Kultur Regional „Portrait of a Ghost“ – Aufführung in Dresden-Hellerau
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12:48 30.11.2019
Helga Sieler als Performerin in Hellerau. Quelle: Ronny Waleska
Dresden

Es ist wie ein real gewordener Traum, nicht unbedingt ein Alptraum, trotzdem unschön. Zumindest für die ersten Momente. Das Publikum findet sich im Saal West des Festspielhauses Hellerau in einem dimensionslosen Raum wieder. Nebel, Licht, sonst nichts. Kein Oben, kein Unten. Keine Handbreit kann man sehen. Immer wieder schälen sich unerwartet die Umrisse einer weiteren Besucherin aus dem Nebel. Und dann diese Stimme.

Komplette Auflösung des Ichs

Jeder im Publikum trägt Kopfhörer, über die anfangs noch Geräusche aus dem Raum übertragen werden. Da gibt es noch so etwas wie einen Moment des gemeinsamen Erlebnisses. Dann aber nur noch diese weibliche Stimme, die Descartes zitiert. Mit dieser Stimme ist plötzlich jeder allein, nur noch für sich, in einem Raum voller Menschen. Da ist die Rede vom Abschalten der Sinne, dem Loswerden des Körpers. Komplette Auflösung des Ichs. Und plötzlich tut dieser Gedanke gut. Geborgenheit im nicht Sein. Wie lange dieser Teil der Performance dauert, ist schwer zu sagen. Man verliert die zeitliche Orientierung. Das Konzept von Alisa Hecke und Julian Richter ist so simpel wie effektvoll.

Im zweiten Teil ist mehr sichtbar, im Nancy-Spero-Saal gibt es keinen Nebel. Stattdessen Helga Sieler als Performerin, ihr Kostüm ganz klar wie der Anzug eines Astronauten. Der Helm mit dem dunklen Visier anonymisiert sie. Sie steht vor einer Wand, deren schwarze textile Bespannung unaufdringlich glitzert. Ein Sternenmeer. Helga Sielers Reise durch diesen Raum vollzieht sie aber nur in ihrem Inneren, bleibt ganz für sich, nur ihr Rücken ist zu sehen. Dumpf klingt ihre Stimme, wie direkt aus ihrem Helm kommend. Entmenschlicht, entkörpert. Diese Stimme ist nur noch Bewusstsein und kann sich so ohne konkrete Richtung dem eigenen Gedankenstrom hingeben.

Szene aus "Portrait of a Ghost". Quelle: Ronny Waleska

Wenn Helga Sieler dann das Publikum auf die Rückseite der Wand mitnimmt, zeigt sich deren Oberfläche kalt glänzend, reflektierend, abweisend. Ihr Atem ist schwer. Man kann ihre Verdauungsgeräusche hören. Irgendwann scheint sie zu Hause angekommen, legt ihren Anzug ab, den Helm, schlüpft in Hauspantoffeln. Zum Menschen wird sie dadurch trotzdem nicht.

Die Stimme aus dem Off, jetzt nicht mehr aus den Kopfhörern kommend, erzählt von Ängsten, die man mit Angst bekämpfen kann. Orientierungslosigkeit, ohne Richtung. Unbehaust bleibt auch das Publikum. Schräge, glänzende Flächen am Boden mögen vielleicht als Sitzgelegenheiten taugen, bequem sind sie aber nicht. Dadurch bleibt alles in dieser Schwebe, bis zum Schluss, der kein Ende ist.

nächste Vorstellung: heute, 18 Uhr

www.hellerau.org

Von Rico Stehfest

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