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Regional Künstlergruppe aus dem Iran zeigt Werke erstmals im Ausland – auf der Ostrale in Dresden
Nachrichten Kultur Regional Künstlergruppe aus dem Iran zeigt Werke erstmals im Ausland – auf der Ostrale in Dresden
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17:20 09.08.2019
Die iranische Künstlerin Fathemeh Motevali vor einem ihrer auf der Ostrale ausgestellten Werke. Quelle: Anja Schneider
Dresden

Die Dolmetscherin hat Schwerstarbeit zu leisten. Das liegt nicht nur an der Exotik der Sprache, die hier zu übersetzen ist, sondern auch an Umfang und Komplexität des Gesagten. Deutsch-Farsi, Farsi-Deutsch, Akkordarbeit. Und manchmal wird das richtige Wort noch gesucht – und schließlich auch gefunden: Selbstreflexion. Ein Begriff, auf dem viele Künstler ihre Arbeit gründen dürften, egal wo.

Das gilt auch in einem Land, das in diesen Tagen eher konfliktbeladen durch die Schlagzeilen schlingert: Iran. Während dort die Politik knirschend im großen Weltgetriebe rührt, manifestiert sich in Dresden auf der Ostrale tatsächlich so etwas wie ein kleines Wunder. Denn dass die siebenköpfige Künstlergruppe Borjass, die in der Stadt Amol in der nordiranischen Provinz Mazandaran unweit des Kaspischen Meeres zu Hause ist, nun ihre Werke in Dresdens großer biennaler Schau zeitgenössischer Kunst nicht nur zeigen kann, sondern am Sonnabend ab 15 Uhr das Publikum auch live vor Ort durch ihre Arbeiten führen wird, ist tatsächlich alles andere als alltäglich. Auch wenn Ostrale-Chefin Andrea Hilger immer wieder das „Wird schon klappen“-Mantra bemüht haben soll. Am Ende behielt sie ja schließlich auch Recht.

Drei Frauen, vier Männer

Die Kuratorin Bettina Renner hatte den Kontakt zu Borjass hergestellt – und obwohl die Ostrale eigentlich schon fertig geplant gewesen sei, habe Hilger zugesagt, den iranischen Künstlern noch Platz einzuräumen. Doch um sie auch nach Deutschland holen zu können, brauchte es Visa. Deren Erteilung sei erst abgelehnt worden, erzählt Renner. Dienstagmorgen habe sie dann von der Gruppe die Nachricht bekommen: Wir haben die Visa. Und kurz darauf saßen die sieben dann im Flieger. Die Befindlichkeiten bei der Einreise nach Deutschland lagen übrigens, so war zu hören, eher beim Auswärtigen Amt als auf iranischer Seite. Die Befürchtung, die Künstler könnten hier Asylanträge stellen, konnte aber zerstreut werden.

Nun wartet auf die drei Frauen und vier Männer – Hamid Asadzadeh, Zeinab Fatemi, Ali Fazeli, Hamed Ghasemi, Fathemeh Motevali, Akbar Nematirad und Foroozan Soleymani – ein volles Programm. Neben Museumsbesuchen in Dresden und Berlin steht auch noch ein Projekt mit Jugendlichen in Bautzen bevor. Dort sollen in der nächsten Woche zwei Graffiti zum Thema Liebe entstehen: eins von den iranischen Künstlern gefertigt, eins von den jungen Bautznern.

Einblick in Privates

Die Finanzierung für diese Form des Kunsttransfers und Künstleraustausches kommt von der Ostrale und von der Stiftung Kunst und Musik für Dresden.

Dass die Arbeiten der Gruppe Borjass aktuell in einem Kellerraum der Ostrale-Schau in Striesen zu sehen sind, könnte man ein wenig mit dem Understatement des Underground unterfüttern. Der Beobachter erhält dabei einen Einblick in Privates, das natürlich mit dem politisch aufgeladenen Raum des Öffentlichen einhergeht – wie bei Fazelis Serie „Drowsiness“ (Schläfrigkeit), in der durchaus Gewaltsituationen gezeigt werden, bei denen aber teilweise die Waffen wie aus dem Bild radiert wirken – als würden die Angreifer mit leeren Händen, nur mit der Geste statt mit dem Gewehr attackieren. Fatemis Bilder „Privacy“ (Privatsphäre) wiederum bilden ein farbstarkes Quartett kleiner Gesten, die wie Ausrisse aus größeren Abbildungen wirken.

Die gut 20 Arbeiten aus dem Iran sollen jedenfalls bis zum Abschluss der diesjährigen Ostrale am 1. September gezeigt werden.

Die Borjass-Künstler präsentieren am Sonnabend ab 15 Uhr ihre Werke, begleitet von Andrea Hilger und Bettina Renner. Die Teilnahme an der Führung kostet 5 Euro, der Eintritt 15 Euro (erm. 10 Euro).

www.ostrale.de

Von Torsten Klaus

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