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Regional OMD im Kulturpalast Dresden – Man ist nur so alt, wie man sich fühlt
Nachrichten Kultur Regional OMD im Kulturpalast Dresden – Man ist nur so alt, wie man sich fühlt
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14:58 27.11.2019
Andy McCluskey (vorn) und Keyboarder Paul Humphreys während eines Auftrittes im Kulturpalastes Dresden. Quelle: Andreas Weihs
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Dresden

Im Song „Electricity“, mit dem die Gruppe Orchestral Manoeuvres In The Dark, kurz OMD, 1979 ihren ersten großen Single-Hit landete, wird mit Schlagworten nur so um sich gehauen. „Einzige Energiequelle“, „ultimative Entdeckung“, „Kohlenbrennstoffe aus dem Meer“, „Stromverschwendung“ heißt es da.

Wie gesagt, der Hit hat 40 Jahre auf dem Buckel, aber als er am Dienstag als eine von drei Zugaben beim Konzert von OMD im Kulturpalast gespielt wurde, dürfte er für so manchen im Saal als Gebot zur Stunde erachtet worden sein. Zum einen, weil immer noch gilt, was damals ein Kritiker über die aus seiner Sicht „perfekte Elektropop-Nummer“ schrieb: „Weit weg von einer Feier der Leistung unserer Stromquellen, macht der Text die Notwendigkeit erneuerbarer Energiequellen klar, einer Alternative zu fossilen Brennstoffen, die wir permanent jede Sekunde verbrauchen, und einer Zukunft mit reichlich vorhandener Elektrizität, frei von ökologischem Raubbau“.

Zum anderen hatte der Song zumindest aus sächsischer Sicht eine weitere Dimension in der Nacht vom Sonntag zum Montag erhalten, denn hilfreich war es nicht gerade, dass in den Staatlichen Kunstsammlungen der Strom „ausfiel“, nachdem offenbar ein Verteilerkasten in Brand gesteckt worden war. „No Electricity, no protection for jewels“, heißt es in britischen Kronjuwelen-Wächter-Kreisen.

„too fucking old for dancing“

OMD waren also wieder da, führten vor ausverkaufter „Hütte“ vor, wie experimentell Popsongs, wie poppig Experimente sein können, gern mit vorangestellten Sentenzen wie „Let’s go Hollywood“ oder „Let’s Roll!“. Alle vier Herren trugen Schwarz, und abgesehen von ihrem Alter könnten die Musiker als Nerds aus Berlin-Mitte oder Künstler-Schickeria durchgehen. Die Männer machen die Art Musik, die durchaus wieder angesagt ist in den Clubs und Bühnenhallen, nämlich Synthie, was aber nichts daran änderte, dass die meisten Zuhörer in etwa im selben Alter wie die Musiker waren, jüngere Semester rarer gesät.

Der Aufforderung, zu tanzen, wird umgehend nachgekommen. Ab dem zweiten Lied stehen die meisten das Konzert hindurch, gelegentlich wird sogar gehüpft wie auf einschlägigen Fußballtribünen. Sie fühlt sich gut an, die 80er-Party (bei der zuhauf Smartphones gereckt werden, um terabyteweise Erinnerungsfilmchen zu machen), am besten für den Sänger. Man ist eben nur so alt, wie man sich fühlt. Niemand im Saal reicht an den Enthusiasmus von Frontmann Andy McCluskey heran. Er ist der reinste Wirbelwind, hat eine gute Kondition, nur einmal unkt er durchgeschwitzt, dass er immerhin schon 60 Jahre alt sei und „too fucking old for dancing“.

Aus Anlass des 40. Bandjubiläums kündigte OMD eine besondere Welttournee an. Martin Coopler und Stuart Kershaw begleiten die Tour, die im Februar in Paris zuende geht.

Nun war ja für elektronisch basierte Bands immer die Performance das Problem. Auch OMD hatten sich dem von Anfang an zu stellen: Drei Musiker des Quartetts sind an Schlagzeug und Keyboards statisch gebunden, McCluskey muss die Show alleine tragen. Er hat das Format dazu. Mit den Armen rudernd und auch sonst alles Mögliche anstellend, etwa sich im Takt der Drums auf Arme und Brust zu schlagen, durchmisst er die Bühne immer wieder in ganzer Breite, klatscht die Leute ab, wuschelt in fremden Haaren, erweist sich als witziger Plauderer. Hier und da spielt er auch einen beachtlichen E-Bass, sogar mit jenem lasziven Achtziger-Gebaren, der den Gitarrenkorpus zum Sexualobjekt macht, wobei McCluskey natürlich nie so weit geht wie einst Prince, der zur Gitarre ein erotisches Verhältnis pflegte.

Guter Synthie-Pop, nur weniger synthetisch

Die Begeisterung im Saal steigert sich von Lied zu Lied, nur bei der Ode des New Wave schlechthin, nämlich „Maid of Orleans (The Waltz Joan of Arc)“, ist die Stimmung fast andächtig. Für zwei Songs übernimmt dann mal Keyboarder Paul Humphreys, der ja anders als Frontman McClusky eher der Typ introvertierter Sounddesigner ist, den Gesangspart, „(Forever) Live and Die“ war verdammt gut anzuhören. Begeisterung pur im Saal auch, wenn Martin Cooper zur „Sax-Machine“ wird, wie McClusky ob der Virtuosität des Kollegen Cooper am Saxofon ulkt.

Der Sound der Band ist heute eigentlich sogar besser, weil fetter, voluminöser, bassig tiefer gelegt als in den 80ern. Zu hören ist immer noch guter Synthie-Pop, nur weniger synthetisch – und die neueren Stücke fallen gegenüber den alten Hits auch nicht allzu sehr ab. Natürlich fehlt der Titel „Enola Gay“ nicht, oft etwas eindimensional als Antikriegslied verstanden. Doch die OMD-Mannen wollen eigentlich etwas anders beleuchten: Wie ist es möglich, dass Menschen bereit sind, in den Krieg zu ziehen und zu töten? Ist es legitim, durch einen Atombombenabwurf Zehntausende Menschen zu töten, um eine Bodenoffensive mit vermutlich Millionen Toten zu vermeiden?

Nach all den blutigen Erfahrungen von Guadalcanal, Iwojima oder auch Okinawa hatte man im August 1945 die Befürchtung, dass die Japaner bei einer Invasion ihrer Insel ähnlich fanatisch bis zum Ende kämpfen würden wie bis zum 8. Mai noch die Deutschen.

Von Christian Ruf

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