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Regional Notre-Dame-Organist Latry schöpft Hoffnung in Dresden
Nachrichten Kultur Regional Notre-Dame-Organist Latry schöpft Hoffnung in Dresden
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09:18 18.04.2019
Olivier Latry Quelle: Bjoern Kadenbach
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Dresden

Bis in den frühen Mittwochmorgen saß Olivier Latry noch an der Eule-Orgel im Kulturpalast und probte. Erst um vier Uhr verließ der Palastorganist der Dresdner Philharmonie das Konzertgebäude. Auf dem Weg zum Hotel lief er an der Frauenkirche vorbei – und richtete seinen Blick empor zur beleuchteten Kuppel.

Die letzte Aufnahme in der Kathedrale

„Die Frauenkirche war so schön“, erzählte Latry am Mittwoch, „dass ich mit einem Mal Hoffnung verspürte – Hoffnung für Notre-Dame.“ Denn die Wiederaufbauarbeit, die Dresden geleistet hat, nachdem im Februar 1945 die Fliegerbomben auf die Stadt niedergingen, sei schlichtweg unglaublich gewesen. „Ich bin mir sicher: Das wird nun auch in Paris möglich sein.“

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Man vermag kaum in Worte zu fassen, wie ungemein viel Olivier Latry mit Notre-Dame verbindet, jener Pariser Kathedrale, in der am Montag ein verheerender Feuersturm wütete: Bereits im Alter von 23 Jahren wurde Latry Titularorganist an der geschichtsträchtigen gotischen Kirche. Unzählige Male hat er am Spieltisch auf der Westempore gesessen, unter dem bunten Rosettenfenster, und seinen Gefühlen an der Hauptorgel einen klanglichen Korpus verpasst.

Sie gilt als eines der Wahrzeichen der Stadt: Die Pariser Kathedrale Notre-Dame. Wie das berühmte Bauwerk früher aussah – und wie heute.

Vor wenigen Monaten nahm der Organist die CD „Bach to the Future“ in der Kathedrale auf – und erfüllte sich damit einen 30 Jahre alten Traum. Ein Traum, der angesichts der aktuellen Geschehnisse vielmehr wie ein Alptraum erscheint: Es sollte die letzte Platte sein, die vor dem Großbrand in Notre-Dame aufgenommen wurde.

„Die Reaktionen haben mich gerührt“

Die kleinere Chororgel der Kirche wurde am Montag völlig zerstört, und beinahe hätten die Flammen auch Olivier Latry das Instrument genommen, mit dem er sich am besten auszudrücken weiß. Die monumentale Hauptorgel sei zwar beschädigt, aber soweit intakt, so Latry: „Die Pfeifen haben die hohen Temperaturen überstanden und sind nicht geschmolzen.“ Nun müsse geprüft werden, ob auch das elektrische Gebläse- und Traktursystem der Orgel noch funktionstüchtig ist.

In der Kathedrale Notre-Dame in Paris ist am Montagabend ein Feuer ausgebrochen.

So sehr ihn die aktuellen Umstände auch bekümmern, so stark beeindruckt den Musiker die grenzenlose Hilfsbereitschaft. „Die Reaktionen haben mich gerührt. Überall wird für Notre-Dame gespendet“, sagte der 57-Jährige. Seit der Tragödie stehen im Kulturpalast die Telefone nicht mehr still, die Mailpostfächer quellen über vor Anfragen hilfsbereiter Stammgäste. „Viele fragen nach, wie sie Olivier Latry und Notre-Dame unterstützen können. Denn kaum ein anderer Künstler hat das Herz der Dresdner so schnell erobert wie er“, meinte Philharmonie-Intendantin Frauke Roth. „Nun gibt es seitens des Publikums ein spürbares Bedürfnis, etwas zurückzugeben.“

Dresden spendet Hoffnung

Die Philharmonie will sich gleichermaßen daran beteiligen: Die gesamten Erlöse des Konzerts von Olivier Latry und dem Ensemble phil Blech Wien am Mittwoch im Kulturpalast sollen in den Wiederaufbau fließen. Überdies hat der Förderverein der Dresdner Philharmonie ein Spendenkonto eingerichtet. Es ist das richtige Zeichen: Dresden spendet Hoffnung – für den Sakralbau an der Seine und für Olivier Latry. Und wer dem Virtuosen am Mittwoch zuhörte, der konnte die Wirkung dieser Symbolkraft bereits am eigenen Leib erfahren.

In fünf Jahren, sagt er, vielleicht in zehn, wenn der Wiederaufbau von Notre-Dame beendet ist, würde Latry seine Orgel gern wieder in den altehrwürdigen Kirchenmauern erklingen hören.

Förderverein Dresdner Philharmonie e.V.

Spendenkonto: DE91850900002641431012

Kennwort: Notre Dame

Von Junes Semmoudi