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Regional Nina Hagen kommt zu den 19. Jazztagen nach Dresden
Nachrichten Kultur Regional Nina Hagen kommt zu den 19. Jazztagen nach Dresden
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16:49 22.03.2019
Im Oktober nimmt Rockröhre Nina Hagen neuen Anlauf für ein Dresden-Konzert. Quelle: Jens Kalaene/dpa
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Dresden

Schrill, laut, exzentrisch, spirituell, um kein Wort verlegen, widersprüchlich, wild, das sind so Zuschreibungen, die man mit Nina Hagen, der „Godmother of Punk“, verbindet. Und dann diese Stimme. Zitate des orgelnden Gesangs einer Zarah Leander, die Eiseskälte einer Grace Jones, die Wildheit einer Aretha Franklin oder der Furor Tina Turners stehen der Sängerin problemlos zur Verfügung. Nina Hagens Gesicht ist nun auf all den Flyern und Plakaten zu sehen, mit denen für die 19. Jazztage Dresden geworben wird.

Neue Spielstätte, günstigere Preise

Die gehen vom 23. Oktober bis 24. November über die Bühne, das Motto lautet „Out of Space!“ – nicht zuletzt weil die Entwicklung Hagens im musikalischen Bereich wie wohl auch darüber hinaus gut „als Reise durch Weltraum“ beschrieben werden könne, wie Kilian Forster, der Intendant der Jazztage, am Donnerstag erklärte. In der Tat, Hagen hat sich schon im Gospel und im Blues versucht, indische Mantras eingesungen, Klassiker aus dem Swing- und Jazz/Big Band-Bereich adaptiert. Am 25. Oktober präsentiert sie nun im Ostra-Dome das Programm „Von Brecht bis Blues“.

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Ostra-Dome? Nun, das ist eine neue Spielstätte auf dem Areal des Schlachthofgeländes, die erst noch aufgebaut wird. Nach fünf Jahren und knapp 100 Konzerten sagt man dem Erlwein-Capitol im Ostrapark adieu, um, so Forster, „im übertragenen Sinne in neuen Galaxien zu landen“. Hinter dem Namen Ostra-Dome verbirgt sich ein zwölfflügeliges Zelt mit einer Höhe von etwa 14 Metern und einer Kapazität von 1000 Sitzplätzen bzw. 1200 Stehplätzen. Zudem sind vis-à-vis noch „Ostra-Studios“ geplant, die Platz für 100 bis 500 Gäste bieten sollen. Der „Dome“ wird die neue Hauptspielstätte des Festivals, 25 der 80 Konzerte der Jazztage (zusätzlich gibt es noch vier Sonderkonzerte) steigen hier. Ein Vorteil der neuen Hauptspielstätte: Durch eine größere Kapazität können die Eintrittspreise leicht gesenkt werden.

Live-Aid-Initiator und Ex-Frontmann der „Boomtown Rats“: Sir Bob Geldof gehört zu den bekannten Namen, mit denen man große Massen locken will. Quelle: dpa/Britta Pedersen

Alles in allem sind es 15 Spielstätten, an denen summa summarum rund 500 Künstler aus dreißig Nationen Jazz in den unterschiedlichsten Facetten und Nuncierungen zu Gehör bringen, wobei die Jazztage „in diesem Jahr funkiger“ werden, um auch um das Publikum zu verjüngen, wie Forster sagte. Dass viele jüngere Künstler eingeladen wurden, soll ebenfalls die Attraktivität der Jazztage für jüngere Semester steigern.

Jazz-Puristen runzeln bei Queen die Stirn

Im vergangenen Jahr zählte man knapp 40.000 Besucher, der Erlös aus verkauften Tickets betrug 850.000 Euro. Die Stadt hat die Förderung von 25.000 Euro auf 45.000 Euro erhöht, der Freistaat seine Unterstützung von 10.000 auf 8.000 Euro gesenkt, alles in allem erhalten die Jazztage Dresden laut Forster ein Fünftel der Summe, mit denen die Jazztage Leipzig gefördert werden.

Der Gesamtetat beträgt laut Forster rund eine Million Euro. Wie Forster einräumte, schrieb man trotz den Engagements von Sponsoren, des Freundeskreises und rund 50 ehrenamtlicher Helfer mit den Jazztagen 2018 keine schwarzen Zahlen – in der Gesamtbilanz steht ein Minus von 33 000 Euro. Entsprechend war man gezwungen, den Betreibern des Ostra-Domes und der Ostra-Studios ein „unanständiges Angebot“ zu machen, was die Miete angeht. Die akzeptierten, erhofft man sich doch einen Werbeeffekt für die neue Location.

Eröffnet wird das Festival am 23. Oktober, 19.30 Uhr, im Quartier QF, wo dann auf mehreren Bühnen unterschiedlichste Künstler einen Ausblick auf Kommendes geben. Den Schlusspunkt setzen die Formation Naturally 7 sowie die Klazz Brothers und Cuba Percussion 24. November, 20 Uhr, im Schauspielhaus.

Der schwedische Posaunist Nils Landgren spielt mit seinem Sextett „Funk Unit“ im neuen Ostra-Dome auf dem Schlachthofgelände. Quelle: Sven Hoppe/dpa

Viele Namen sind sattsam bekannt, Konstantin Wecker kommt zum gefühlt 1000. Male nach Dresden. Ein Rocker und Live-Aid-Konzert-Organisator wie Sir Bob Geldof, ein Frauenchor wie „The Bulgarian Voices“, eine Lesung von Sky Dumont (und Christine Schütze) oder eine „Queen-Party“ im Rahmen eines Jazzfestivals? Das entlockt wohl nicht nur Jazz-Puristen erstmal ein Stirnrunzeln, aber es hilft, auch Leute, die mit Jazz nichts am Hut haben, zu locken. Und der Bilanz ist’s wohl auch nützlich.

Der Vorverkauf ist bereits eröffnet.

www.jazztage-dresden.de

Von Christian Ruf