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11:54 16.12.2017
Die Villa Wigman an der Bautzner Straße steht seit fast einem Jahr leer. Quelle: Gabriele Gorgas
Dresden

Es gibt stets kulturelle Besonderheiten aus vergangenen Zeiten in Dresden, die einen langen Weg der Entdeckung, Hege und Pflege benötigen, ehe sie als solche wieder wahrzunehmen sind. Dazu gehört auch das einstige Schulgebäude von Mary Wigman auf der Bautzner Straße 107. Solange dieses noch Probebühne der Sächsischen Staatsoper, also benötigt war, wurde das bescheidene Bauwerk quasi in seiner grundlegenden Funktionalität am Leben erhalten. Nun steht es seit fast einem Jahr leer und verlassen da. Nur das Schild „kleine szene“ erinnert noch an bewegte Zeiten.

Das alles ist weitgehend bekannt, und jene, die sich vereint um das Wiederaufleben dieser Stätte bemühen, haben viel dafür getan, es gebührend in Erinnerung und zu neuer künstlerischer Nutzung zu bringen. Die Stadt Dresden wird, wie vom Stadtrat beschlossen, in Kürze die Liegenschaft vom Freistaat Sachsen erwerben, um dann unverzüglich mit einer Ausschreibung für den Erbbaupachtvertrag nach einem neuen Nutzer zu suchen. Dieser Weg ist nicht zu umgehen, kostet aber auch wertvolle Monate, weil sich die Möglichkeiten, ein leerstehendes Haus wieder nutzbar zu machen, bekanntlich im Verstreichen der Zeit nicht so unbedingt verbessern.

Der seit Frühjahr 2016 bestehende Villa Wigman für TANZ e.V., dem derzeit 35 Mitglieder angehören, hat offensichtlich recht gute Chancen bei dieser Ausschreibung. Zumal der Verein mit einem beachtlichen Organisations- und Beharrungsvermögen allein schon 2017 eine Reihe von Vorträgen, Workshops, Meisterkursen, Fachtagungen und Aufführungen auf die Beine gestellt und zudem sehr konkrete Vorstellungen dazu eingebracht hat, wie mit der international bekannten Stätte umzugehen und was zu welcher Zeit mit welchen Mitteln zu tun sei, um die einstige Wigman-Schule mit veränderter Aufgabenstellung neu zu beleben.

Bezeichnenderweise fanden sich jetzt Mitglieder und Freunde des Vereins mit Pressevertretern und Dresdner Kulturpolitikern im „Bon Voyage“ auf der Louisenstraße in der Dresdner Neustadt zusammen, was ja an sich schon ein gutes Omen ist. Weil für die Sanierung und den „Feinschliff“ des vor bald 100 Jahren von der Tänzerin, Choreografin und Tanzpädagogin Mary Wigman bezogenen und gemeinsam mit Lehrkräften und Tanzschülern über zwei Jahrzehnte genutzten Hauses garantiert noch eine lange „Reise“ bevorsteht, die natürlich auch erfolgreich sein soll. Diesen Gedanken haben sich viele in der Stadt schon zu eigen gemacht. Wobei es wohl immer noch gilt, dass den wahren Wert dieser Wigman-Wirkungsstätte nach wie vor eher aus der Ferne Angereiste zu schätzen wissen, als manch Dresdner. Das gibt es immer wieder.

Unter Denkmalschutz steht bei diesem Gebäude derzeit nur die gerade umfangreich sanierte Mauer an der hinteren Grundstücksbegrenzung, weiß da der Architekt Holm Pinkert zu berichten, der sich schon viele Jahre mit dem nicht eben spektakulären und vorerst nicht zugänglichen Bauwerk aus dem 19. Jahrhundert befasst. Dieses wurde nach Plänen des kaum bekannten Architekten Otto Geiler Mitte der 1920er Jahre für die Wigman-Schule umgebaut und durch einen großen, hell ausgestatteten Übungssaal mit Flachdach erweitert. Die in den 1950er Jahren vorgenommenen Veränderungen sollten, meint Pinkert, bei einer in mehreren Phasen stattfindenden Sanierung mit Bedacht den Umbauten zur Wigman-Zeit im Stile der späten Moderne und auch den Farbvorstellungen der Gründerin angepasst werden.

Aber noch gibt es die Unwägbarkeiten der Ausschreibung, darf das Gebäude vorerst nicht von möglichen Nutzern auf „Herz und Nieren“ geprüft werden. Da ist es für das Selbstverständnis schon mal sehr wichtig, dass Michael Freundt, Geschäftsführer des Dachverbandes Tanz Deutschland, bei diesem Treffen betont, die frühere Wigman-Schule sei die einzig erhaltene Stätte aus der Geschichte des modernen Tanzes in Deutschland, bei der sich jetzt die Chance bietet, Vergangenheit und Gegenwart unmittelbar zu vereinen. Eine Möglichkeit, dieses Vorhaben zu unterstützen, biete auch das neue Förderprogramm der Kulturstiftung des Bundes – TANZPAKT. Da könne der Verein Villa Wigman für Tanz e.V. anteilig beispielsweise auch Mittel für die Sanierungskosten beantragen. Wofür es natürlich viele Anwärter gibt.

Doch so schnell „schießen“ ja weder die Preußen noch die Sachsen... Erst muss der Kauf vonstatten gehen, dann folgt die Ausschreibung für den Erbbaupachtvertrag und schließlich, bei möglichem „Zuschlag“, kann der Verein Förderungen beantragen, regionale und überregionale. Doch wie gesagt, dieser Verein mit Katja Erfurth, Johanna Roggan und Josefine Wosahlo im Vorstand besitzt Beharrungsvermögen und spielt mit offenen Karten. Zudem sind ja Tänzer in der Freien Szene überhaupt sehr erfahren, wenn es ums Kämpfen und ums Überleben geht.

Von Gabriele Gorgas

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