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10:15 16.02.2020
Wilhelm Hollstein, Kathleen Dittrich, Rainer Grund (v.l.) im Dresdner Münzkabinett zur Ausstellung "Stadtbilder Europas". Quelle: Dietrich Flechtner
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Dresden

279,28 Gramm beträgt das Gewicht einer Goldmedaille, die Danzig 1754 anlässlich des 300-jährigen Jubiläums der Stadt vom Deutschen Ritterorden prägen ließ. Gerade mal acht Zentimeter groß ist die Münze, auf einer Seite ist eine Ansicht Danzigs von Südwesten abgebildet – samt der wuchtigen Marienkirche und dem Recht-städtischen Rathaus. Lediglich fünf Goldmedaillen dieser Art wurden damals geprägt, eine wurde dem Landesherrn König August III. von Polen bei einem Besuch überreicht, der das gute Stück seiner Sammlung in Dresden einverleibte.

Dieser güldene Ausdruck städtischer Memorialkultur ist nur eine von vielen bemerkenswerten Medaillen und Münzen, die in der neuen Jahresausstellung „Stadtbilder Europas“ des Dresdner Münzkabinetts zu sehen sind. Es geht in der von Oberkonservator Wilhelm Hollstein und der wissenschaftlichen Assistentin Kathleen Dittrich kuratierten Schau explizit um Ansichten von Städten auf Münzen, Medaillen und Papiergeld. „Die Ausstellung mit gut 180 Objekten, darunter 60 aus Deutschland, lebt vom Sehen und Entdecken“, versicherte am Freitag Dittrich gegenüber den DNN. Laut Rainer Grund, dem Direktor des Münzkabinetts, bezieht sich die Ausstellung bewusst auf Europa. „Städte stehen nicht zuletzt für die europäische Idee“, das Verbindende sei stärker als das Trennende.

Münzen und Medaillen als Ausdruck des Selbstbewusstseins

Mitte des 16. Jahrhunderts begann man damit, diese Art von Münzen und Medaillen, die selten als Zahlungsmittel gedacht waren, stechen, schneiden und prägen zu lassen – gerade auch in deutschen Landen. Es gab, so Rainer Grund, nun „verbesserte technische Möglichkeiten“ und entsprechend wollten freie Reichsstädte „ihr Selbstbewusstsein zum Ausdruck bringen beziehungsweise regierende weltliche und geistliche Fürsten stolz ihre Residenzstädte ins Bild setzen“, was in Großbritannien zum Beispiel eher nicht der Fall war – es gibt in merry old England keine Tradition von Stadtansichten, ebenso wenig in Italien.

Bei der Gestaltung griffen die Medaillenkünstler und Münzeisenschneider vielfach auf druckgrafische Vorlagen und Bücher zurück, etwa auf die Bildbände des Verlegers Matthäus Merian. Er publizierte etwa ab 1642 die „Topographia Germaniae“, ein Sammelwerk mit Kupferstichen mit weit über 2000 Einzelansichten europäischer Bauwerke, Städte und Regionen, auf dass sich jeder ein Bild machen konnte, denn Google Earth zeichnete sich noch nicht mal als Silberstreif am Horizont ab.

Von Huldigungen bis zu Katastrophen

Zumeist war die Präsentation mit einem konkreten Ereignis verbunden: Huldigungen auf Fürsten, Erinnerungen an wichtige Vermählungen, aber auch Kriege und Siege, Stadt-, Universitäts- und Reformationsjubiläen. Unter den zehn Vitrinen der Ausstellung befindet sich sogar eine „Katastrophen-Vitrine“. Dort geht es nicht um simple Formen von Pleiten, Pech und Pannen, sondern um wirklich erschreckende Ereignisse. Auf einer Münze wird mittels einstürzender Gebäude an die fast vollständige Zerstörung Lissabons 1755 durch ein Erdbeben erinnert. Auf einer anderen, nur ein Jahr später geschaffenen Medaille, wird eines Elbhochwassers gedacht, das nach einem Deichbruch den Hamburger Stadtteil Hammerbrock flutete. Optisch ins Auge stechend (weil mal nicht rund daherkommend wie das Gros der Münzen und Medaillen): zwei sogenannte quadratische Klippen. Eine zeigt Dresden von Nordosten, geprägt wurde die Klippe 1681 in memoriam der letzten großen Pestepidemie.

Bauhistorische Zeugnisse mit entzückenden Details

Viele bedeutende, aber auch weniger bekannte Städte sind so auf numismatischen Objekten verewigt, die meisten in Silber, aber auch in Gold oder schon mal in Eisen, wie bei der Plakette zu „1000 Jahre Meißen“, die Alfred Borsdorf 1929 schuf. Die Münzen und Medaillen sind bauhistorische Zeugnisse, dokumentieren gar Veränderungen in der Stadttopographie und geben mitunter auch noch Einsicht in das wirtschaftliche und soziale Leben einer Stadt. Immer wieder sind es kleine Details, die entzücken, ob nun in Gestalt schwimmender Enten oder fliegender Kanonenkugeln.

In einer anderen Vitrine steht Papiergeld im Fokus. An sich kommen Stadtbilder auf Papiergeld des 20. und 21. Jahrhunderts selten vor, aber bei den Notgeldabgaben in der Zeit nach dem Ersten Weltkrieg, als in Zeiten der Inflation fast jede Stadt ihr eigenes Geld drucken ließ, wurden viele Stadtansichten auf die Scheine gedruckt. Und schon vom Format her gab es damit auch mehr gestalterische Möglichkeiten.

bis 24. Januar 2021, geöffnet tgl. außer Di. 10 bis 18 Uhr

www.skd.museum

Von Christian Ruf

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