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Regional Nachbarschaftsstreit im Musical „Zzaun!“
Nachrichten Kultur Regional Nachbarschaftsstreit im Musical „Zzaun!“
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20:01 01.03.2018
Olivia Delauré (Leonie), Axel Köhler (Horst), Christian Grygas (Roland) und Jannik Harneit (Felix) Quelle: Stephan Floss
Dresden.

Für den ersten Kapellmeister Peter Christian Feigel, Dirigent der Uraufführung des Nachbarschaftsmusicals „Zzaun!“ an der Staatsoperette Dresden, wird der Stoff dieses Stückes von Tilmann von Blomberg mit den Songtexten und der Musik von Alexander Kuchinka immer aktueller. „Zäune und Mauern sind wieder da“, sagt er, einen Verlust an Brisanz dieses Stückes kann er nicht sehen.

In „Zzaun!“ geht es darum, wie sich der Streit um eine abgebrochene Zaunspitze ausweitet. Aus einer Bagatelle zwischen zwei Reihenhausnachbarn entsteht ein Konflikt globaler Ausmaße; dass die Menschheit in Harmonie miteinander leben könnte, wird zwar, wie es dem Genre gemäß ist, auf nicht immer ganz ernstzunehmende Weise, im Grunde aber dennoch ernsthaft in Frage gestellt.

Und noch bevor die Jury 2015 beim erstmals ausgerichteten Creators-Wettbewerb für neue, deutschsprachige Musicals in Hamburg „Zzaun!“ mit dem ersten Preis auszeichnete, waren sich nach einer Präsentation Peter Christian Feigel und Intendant Wolfgang Schaller einig, dass dieses Stück wie für die Dresdner Staatsoperette am neuen Standort gemacht ist: „Wir fühlten uns gut unterhalten, haben viel gelacht und waren gleichzeitig begeistert vom satirischen Witz, dem doppelbödigen Humor und der tagespolitischen Aktualität“, so der Dirigent im Gespräch.

Zudem, so betont er, füge sich dieses Musical bestens ins Spektrum des Repertoires der Dresdner Hauses. Es hat auf jeden Fall die Doppelbödigkeit einer Operette Offenbachs und fordert so geradezu heraus, die aktuelle, politische Anspielung zu inszenieren. Zum anderen nehme es als Musical mit charakterisierenden Zuordnungen für die unterschiedlichen Personen viele, unterschiedliche musikalische Möglichkeiten auf, „jede Person hat ihren eigenen, musikalischen Stil. Ein Wiener Walzer, der zwischendurch auch mal ein bisschen nach 5-Uhr- Tanztee klingt, für die Schwiegermutter, ein Rap, der immer wieder in Richtung Protest-Punk kippt, für die pubertierende Tochter oder eine fast ins Schnulzige abgleitende Musical-Pop-Ballade, die eine rosarote, heile Welt illustriert.“

Ursprünglich hat dieses Musical eine spürbar vom Klavier her konzipierte Musik für eine kleinere Gruppe von Instrumenten. Für eine Aufführung in Dresden allerdings, da war man sich von Beginn an einig, musste eine entsprechende Orchesterbesetzung kreiert werden, um die Partitur „durch die Farben des Orchesters bunter und vielfältiger zu gestalten“, so Feigel, „und gleichzeitig galt es, in den zahlreichen, virtuosen, kabarettistischen Schnellsprech-Passagen nicht der Gefahr zu erliegen, durch eine zu opulente Orchestrierung die Textverständlichkeit zu gefährden.“

Peter Christian Feigel Quelle: Staatsoperette

Das ist nach Meinung des Dirigenten für die anstehende Uraufführung bestens gelungen, nicht zuletzt dadurch, dass der renommierte Orchestrator Manfred Honetschläger mit ins Boot geholt werden konnte. Er ist von Haus aus Bass-Posaunist in der Bigband des Hessischen Rundfunks. Mit Peter Christian Feigel verbindet ihn die Zusammenarbeit am Berliner Friedrichstadtpalast.

Und noch etwas begeistert den in Lippstadt in Westfahlen geborenen Dirigenten an diesem Musical: Es ist nicht denkbar ohne die Elemente des Jazz. Und damit fing für ihn eigentlich alles an, bevor er nach dem Abitur mit dem Musikstudium begann. Als Kind erhielt er Klavierunterricht, als die Beine lang genug waren, ging’s an die Orgel, aber in der Freizeit wurde gejazzt, 1983 gehörte er zu den Preisträgern beim Landeswettbewerb „Jugend jazzt“. Im Studium mit künstlerischem Hauptfach Dirigieren, dazu Orgel, Klavier und Schlagzeug, Schul- und Kirchenmusik, Evangelische Theologie und Philosophie, an der Hochschule für Musik Detmold und der Universität Bielefeld kam das große Repertoire der „ernsten“ Musik dazu, Klassik, Sinfonien und Oper. Es folgten wichtige Assistenzen und weiterführende Studien in Wien bei Dennis Russell Davies, Valery Gergiev und Lutz Herbig.

Die Dirigentenkarriere – Oper, Operette, Musical – begann am Staatstheater Cottbus, führte dann an den Friedrichstadtpalast. Hier kam viel zusammen, moderne Stilistik, großes Orchester und Big-Band, die Einbeziehung in den kreativen Prozess der Stückentwicklung. An der Komischen Oper in Berlin dirigiert Peter Christian Feigel die Aufführungen von „My Fair Lady“, ist gern gesehener Gast am Pult des Deutschen Filmorchester Babelsberg und der Berliner Symphoniker.

Eigentlich, so jetzt in der Rückschau, ganz logisch, dass der Weg nach Dresden an die Staatsoperette führte, wo er seit 2010 als erster Kapellmeister tätig ist. Natürlich nimmt das Musical eine besondere Stellung im Repertoire des Dirigenten ein, vor allem an einem Haus, das schon immer weit über die Grenzen der Stadt hinaus mit Erst- und Uraufführungen Aufmerksamkeit erlangt. Unter seiner Leitung erlebte Stephen Sondheims „Passion“ in Dresden die deutschsprachige Erstaufführung, nach den Neuproduktionen „Kiss me, Kate“ und „Rocky Horror Show“, „Planet der Drachen“, „Der Zauberer von Oz“, „Der kleine Horrorladen“ und „Evita“, folgte als weitere Erstaufführung das Musical „Catch me, if you can“, und in der neuen Staatsoperette im Kraftwerk Mitte, im Eröffnungsreigen, Leonard Bernsteins „Wonderful Town“ sowie die Tango-Operette „Maria de Buenos Aires“.

Und, das ist für Peter Christian Feigel noch wichtig zu betonen, hier hat er die Chance, mit einem grandiosen Ensemble bei besten Voraussetzungen ein breites Repertoire zu dirigieren, und vielleicht auch einmal Stücke wie „West Side Story“ oder „Les Misérables“.

„Zzaun“ – Das Nachbarschaftsmusical, Uraufführung am 3. März 19.30 Uhr

www.staatsoperette-dresden.de

Von Boris Gruhl

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