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18:47 28.01.2019
My Fair Lady, Staatsoperette Dresden Quelle: Asus
Dresden

Es grünt wieder so grün, wenn Spaniens Blüten blüh’n. Das Musical „My Fair Lady“ (1956) von Alan Jay Lerner und Frederick Loewe ist zurück an der Staatsoperette Dresden. In der Regie von Sebastian Ritschel zieht die turbulente Komödie um den wissenschaftsverbissenen Phonetik-Professor Higgins und das freche Blumenmädchen Eliza Doolittle als flotte Neuinszenierung ins Kraftwerk Mitte ein.

Endlich, möchte man fast sagen, denn das Stück ist beim Dresdner Publikum seit jeher heiß beliebt. Die legendäre Inszenierung mit Marita Böhme und Peter Herden lief von 1965 an allein 446 Mal in 13 Jahren. Nach der Wende folgte eine weitere Auflage mit Jessica Glatte (Böhmes Tochter) und Tom Pauls, die es von 2000 bis 2015 mit einer kurzen Pause immerhin auf 163 Aufführungen brachte.

Moderner Charme inklusive Showglimmer

Ohne sich von alten Vorbildern unnötig beeinflussen zu lassen, verleiht Sebastian Ritschel der Story nach George Bernhard Shaws „Pygmalion“ nun modernen Charme, verzichtet dabei aber nicht auf jenen Showglimmer, der das Ganze zu einem Theatererlebnis für alle Sinne macht. Er lässt Eliza in einer schicken Geschäftsstraße Londons auf Henry Higgins treffen, wo sie dank einer Altherrenwette des Professors mit Oberst Pickering zum lebendigen Forschungsgegenstand wird. Zur Premiere geben Axel Köhler und Olivia Delauré als Higgins und Eliza ein schlagfertiges Doppel: sie, das selbstbewusste Straßenmädchen; er, der verbohrte Egomane, der nie so recht aus sich herauskommen mag.

Spannungsvoll, dynamisch und mit allerhand Wortwitz geht es zu, wenn Higgins die Kleine bis zur Erschöpfung mit seinen Sprachübungen drillt, wenn dabei auch – und das ist durchaus ein zeitloses Thema in dem Stück – zwei soziale Schichten und Lebenswelten aufeinandertreffen. Ritschel zeigt dies anfangs schon an der steinig grauen Kleidung der Straßenkünstler. Elizas Vater Alfred poltert mit seiner Müllmannbrigade vom Zuschauerraum laut trommelnd im Dialekt der einfachen Leute in die Shoppingstraßenszene. Higgins’ Haus gleicht eher einem Hightech-Labor, denn einem gemütlichen Heim. Auf der Rennbahn in Ascot dominieren Hüte, im Ballsaal glitzernde Roben die Fassaden und immer wieder fahren noble Schaufenster ein, die von Wohlstand flüstern (Ausstattung: Ritschel und Barbara Blaschke).

Ein quicklebendiges Orchester

Die Moral freilich ist weder hier noch da zu Hause und auch die Liebe will in dem Stück keine rechte Heimat finden. Dafür gibt es die Musik, die mit schmissigen, eingängigen Songs Ablenkung bietet, welche vom Leben, dem spanischen Grün und natürlich von heimlichen Träumen erzählen.

Frederick Loewe hat für das Broadwaymusical bekanntlich famose, mitreißende Stücke komponiert, die man am liebsten die ganze Zeit mitsingen würde. Ein Schlager folgt hier auf den nächsten und das Orchester der Staatsoperette Dresden agiert mit Christian Garbosnik am Pult quicklebendig, lässt sich ganz ohne Eitelkeiten auf jeden Spaß ein. Selbst wenn die Melodien von Applaus, lauten Blechtrommeln oder Higgins’ Tonaufnahmen übertüncht werden, sorgt das nur für umso ein munteres Erlebnis.

Stimmliche Entwicklungen

Das Ensemble zeigt sich spielfreudig und findet durchaus seinen eigenen Weg, um gesanglich auch im Schatten bekannter Aufnahmen bestehen zu können. Johannes Strauß sticht stimmlich in der Partie des Freddy hervor, wenn er in „In der Straße wohnst Du“ mit warmem Timbre schwärmend von Eliza träumt. Axel Köhlers sonorer Sprechgesang mag den verknarzten Professorenton dagegen zwar treffen, erweist sich in melodiösen Songs wie „Ich bin gewohnt an Dein Gesicht“ jedoch als schwierig.

Dass er damit die selbstbewusste Eliza kaum beeindrucken kann, ist nicht verwunderlich: Olivia Delauré entwickelt die Figur auch stimmlich zur Lady. Als sie anfangs ins Schaufenster fällt und sanft „Wäre das nicht wunderscheen“ schwärmt, ahnt man freilich noch kaum, dass sie Higgins später mit „Ohne Dich“ selbstbewusst Paroli bieten wird. Von der brutalen Mordfantasie mit Schießgewehr ganz zu schweigen: „Wart’s nur ab, Henry Higgins“!

Bis zur Sommerpause ausverkauft

Markus Liske darf als fröhlicher Lebemann Alfred Doolittle aus sich herausgehen und bringt eine große Portion Ausgelassenheit ins Stück. Ingeborg Schöpf und Christian Grygas sorgen als Mrs. Higgins und Oberst Pickering für Momente des Ausgleichs. Nicht zu vergessen Ballett, Chor und Statisterie der Staatsoperette, die als Passanten, Dienstboten wie Damen und Herren der feinen Gesellschaft opulente Bilder und eine lebhafte Szene bescheren.

Ob die Inszenierung an die Erfolge ihrer Vorgänger anknüpfen kann, wird wohl auch von Gunst und Geschick der neuen Intendantin ab Oktober abhängen. Bis zur Sommerpause jedenfalls sind alle weiteren Vorstellungen ausverkauft. Wer bereits Karten ergattern konnte, wird von der Neuauflage sicher nicht enttäuscht sein.

„My Fair Lady“ an der Staatsoperette Dresden, weitere Aufführungen am 29., 30., 31. Januar, ausverkauft, evtl. Restkarten an der Abendkasse

Von Nicole Czerwinka

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