Musikschule online: Ein Dresdner Kirchenbezirk sucht mit einer Neugründung neue Wege
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Musikschule online: Ein Dresdner Kirchenbezirk sucht mit einer Neugründung neue Wege

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09:34 31.03.2021
Schulleiter Sebastian Schöne erteilt Trompetenunterricht an Schüler Lukas Hachmöller (auf dem Bildschirm,mit seiner Mutter Uta Hachmöller
Schulleiter Sebastian Schöne erteilt Trompetenunterricht an Schüler Lukas Hachmöller (auf dem Bildschirm,mit seiner Mutter Uta Hachmöller Quelle: Dietrich Flechtner
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Dresden

Lukas Hachmöller setzt die Trompete an und intoniert den ersten Satz des Trompetenkonzerts von Franz Xaver Richter. Uta Hachmöller, die Mutter des 14-Jährigen, übernimmt den Orchesterpart am Flügel. Die beiden spielen zu Hause im Wohnzimmer. Trompetenlehrer Sebastian Schöne beobachtet sie auf dem Bildschirm seines Laptops und hört ihnen über einen Lautsprecher zu – im Gemeindesaal der evangelischen Versöhnungskirche in Dresden-Striesen. Sein Instrument hält er in der Hand. Neben seinem Notenständer steht ein großes Mikrofon.

Online-Fernunterricht, wie er für viele Musikschüler in Corona-Zeiten Alltag geworden ist.

Wir wollen musizieren

„So können wir wenigstens Kontakt halten“, sagt Lukas Hachmöller. „Und ich komme auch, ohne dass wir uns treffen können, mit meinen Fähigkeiten voran.“

„Wir lernen alle in der Handhabung der Technik dazu, Lehrer wie Schüler“, konstatiert Sebastian Schöne. Ihre Arbeitsweise hätten sie umstellen müssen. Aber nur so entstünden keine Lücken. „Und wir sind vorbereitet, wenn das gemeinsame Spielen wieder möglich ist.“

Mitten in dieser Zeit digitaler Provisorien gründet der evangelisch-lutherische Kirchenbezirk Dresden Mitte eine Einrichtung, die eigentlich Begegnung braucht: Nach Ostern, am 6. April, startet die Evangelische Musizierschule Dresden (EMD). Zunächst in den Fächern Violine, Viola, Flöte, Trompete, Posaune und Klavier.

Warum sie nicht Musikschule heißt wie andere dieser Art, begründet Sebastian Schöne, der Leiter, mit deren Konzept: „Bei uns soll nicht jeder für sich Musik machen. Wir wollen musizieren, und zwar gemeinsam.“

Etwa 170 Schüler dezentral unterrichtet

Etwa zehn Lehrkräfte stehen bereits zur Verfügung. Erste Anmeldungen seien bereits eingegangen. Bis Sommer rechnet Sebastian Schöne mit 50 bis 100 Schülern. Ausdrücklich eingeladen seien Kinder ab drei Jahren oder Erwachsene – auch aus Familien, die der Kirche nicht angehören. Zusammengesetzt ist der Unterricht aus Bausteinen von je 15 Minuten Länge, von denen jeder 27,70 Euro pro Monat kostet.

Auch wenn alle derzeit sich im Warten üben müssten und kaum planen könnten – „wir wollen trotzdem jetzt loslegen“, sagt Sebastian Schöne. Schon weil die einzelnen Instrumentallehrkräfte ein Dach über dem Kopf brauchten, unter dem die Organisation in professionelle Hände gelegt werde, wie Margret Leidenberger ergänzt, Kantorin der Kirchgemeinde Blasewitz. „Es gibt bereits eine rege Musiziertätigkeit. Beteiligt sind auch Familien, die mitunter der Kirche gar nicht angehören.“

Entstanden sei die Idee in Blasewitz, erzählt Kirchenmusikdirektor Sandro Weigert. Eine Erhebung 2018 habe gezeigt, in wie vielen Kirchgemeindehäusern schon jetzt Fähigkeiten auf Instrumenten vermittelt würden: „Etwa 170 Schüler werden bereits dezentral unterrichtet.“

Dort, wo es solche kirchlichen Musikschulen bereits gebe, seien sie meist in einer Gemeinde verankert. Ihre jedoch werde vom Kirchenbezirk Mitte verantwortet. „Damit in möglichst vielen Kirchgemeinden unterrichtet werden kann.“ Wenn der Betrieb angelaufen ist, soll er auf den zweiten Kirchenbezirk, Dresden Nord, erweitert werden.

Im Mittelpunkt: Die Freude an der Musik

Eine Besonderheit sind die kurzen Wege: Häuser von Kirchgemeinden stehen an vielen Stellen. Unterrichtet werden kann deshalb in der Nähe von Schule oder Wohnung der Kinder und Erwachsenen.

Nur die Organisation läuft zentral von einem Büro im Haus an der Kreuzkirche aus, wo Sebastian Schöne sitzt. „Damit sind die Lehrkräfte davon befreit, Termine zu vereinbaren oder die Abrechnung zu erledigen, und können sich ganz um ihren Unterricht kümmern“, sagt Sandro Weigert.

Ein weiterer Vorteil: Gottesdienste werden in den Gemeinden jeden Sonntag gefeiert. „Jeder davon ist für die Schüler eine Möglichkeit zum Vorspielen.“ Hinzu kämen die in jeder Gemeinde bereits existierenden Ensembles wie Chöre oder Posaunenbläser. „Mit denen zusammen können sie bei Konzerten musizieren.“ Und wenn es irgendwann wieder möglich ist, wollen sie einmal im Jahr eine richtig große, zentrale Veranstaltung organisieren, wie Sandro Weigert ankündigt.

„Die Freude an der Musik soll im Mittelpunkt stehen“, betont Christian Behr, Superintendent von Dresden Mitte. Da wegen der Ansteckungsgefahr gemeinsames Singen verboten sei, erlebten viele jetzt besonders deutlich, dass damit etwas Entscheidendes in den Gottesdiensten fehle.

„Die Menschen erwarten Musik in den Kirchen.“ Wenn er mit anderen zusammen Choräle auf der Posaune blase, spüre er, welches Glücksgefühl das einem vermittle. Zudem stärke es den Zusammenhalt. „Dafür suchen wir nun neue Wege mit moderner Pädagogik.“

Informationen und Anmeldung auf

www.musizierschule.org

Von Tomas Gärtner